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Dehoga-Treffen auf Sylt : Probleme der Branche fest im Blick

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Fachkräftemangel, Gema-Gebühren, Mindestlohn: Beim Dehoga-Treffen auf Sylt ging es vor allem um die heißen Eisen.

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erstellt am 25.Mär.2015 | 05:45 Uhr

Die schleswig-holsteinische Gastronomie und Hotellerie muss sich mit einigen Problem herum schlagen: Das ist die Quintessenz der gestrigen Tagung der schleswig-holsteinischen Dehoga auf Sylt.

Der Tagungsort im neuen Haus am Kliff an der Nordsee-Promenade und ein umfangreiches Rahmenprogramm mit einem Abendessen in der Sansibar oder einer Führung durch die Lister Austerncompagnie sorgten zwar für eine Art Ausflugsstimmung unter den Teilnehmern, aber dennoch haben die 60 Delegierten aus ganz Schleswig-Holstein die akuten Probleme ihrer Branche fest im Blick. „Gesetz ist nun mal Gesetz“, sagte Verbandspräsident Axel Strehl am gestrigen Dienstag zum Dauerbrenner-Thema Mindestlohn. „Doch die Risiken und Nebenwirkungen sind besonders in Tourismusregionen wie bei uns im Norden deutlich zu spüren.“ So gefährdet zum Beispiel die damit verbundene Einschränkung der zulässigen Überstunden nach Dehoga-Ansicht dramatisch den Erhalt und auch den Ausbau von Ganzjahresarbeitsplätzen in Hotels und Restaurants. „Wir haben ja im Sommer einen knappen Ferienkorridor von nur etwa 76 Tagen. Außerdem sind Freitag bis Sonntag die arbeitsintensivsten Tage in Landgasthöfen oder Ausflugsgaststätten“, erläuterte Strehl. „Da ist es schwer, mit den erlaubten zehn Stunden Höchstarbeitszeit ein ausreichendes Polster für den Winter zu schaffen.“ Deshalb fordert der Verband, die je Woche zulässige Zeit auf 60 Stunden in der Saison zu erweitern.

Um ein weiteres brennendes Problem, den immer stärker ansteigenden Fachkräftemangel, zu bekämpfen, wurde auf der Dehoga-Tagung eine gemeinsame Initiative mit der Bundesagentur für Arbeit und der Wirtschaftsakademie (WAK) der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein vorgestellt. Zielgruppe sind so genannte Geringqualifizierte, die durch Intensivlehrgänge zu Fachkräften im Gastgewerbe oder zu Köchen ausgebildet werden sollen. „Es gibt ja gerade in unserer Branche eine hohe Zahl von Schrägeinsteigern, die ohne entsprechende Ausbildung seit vielen Jahren in der Gastronomie oder Hotellerie arbeiten“, erläuterte WAK-Referent Michael Dütschke. „Dieser besonderen Zielgruppe bieten wir eine zweijährige Ausbildung an, die in jeweils zweieinhalb Monaten in der Nebensaison von Januar bis März stattfindet.“ Die Weiterbildungskosten werden zu 100 Prozent von der Arbeitsagentur übernommen, außerdem erfolgt in den Ausbildungswochen eine Weiterzahlung des Bruttoarbeitsentgelts in Höhe von 75 Prozent. „Wir verzeichnen eine deutliche Zunahme des Hin- und Her-Zerrens um geeignete Fachkräfte“, sagte Dütschke und verwies auf die große Anzahl von Mitarbeitern, die im Sommer in den Tourismusregionen des Nordens tätig sind, im Winter jedoch beispielsweise nach Österreich gehen. „Und Schleswig-Holstein muss sich auch arbeitskräftemäßig im Wettbewerb mit Mecklenburg-Vorpommern deutlich besser positionieren.“

Von dem Anfang 2016 in Husum, Kiel und Lübeck startenden Programm versprechen sich die Initiatoren einen doppelten Effekt: Einerseits würden die Mitarbeiter einen Berufsabschluss erhalten, andererseits würde die Qualität von Service und Speisen verbessert. Auf Nachfrage aus dem Plenum wies der Referent darauf hin, das Programm gelte ausdrücklich auch für alle ausländischen Mitarbeitern, sofern eine gültige Aufenthaltserlaubnis vorliegt.

Große finanzielle Sorgen machen vielen Betreibern von Diskotheken und Musikkneipen, aber auch ganz normalen Gaststätten und Hotels die, wie es auf der Dehoga-Tagung hieß, „geradezu exorbitant gestiegenen“ Gema-Gebühren. Stephan Büttner, Rechtsanwalt und stellvertretender Geschäftsführer, berichtete in Wenningstedt über den mühevollen Kampf des Dehoga-Bundesvorstands um eine tragfähige und vor allem bezahlbare Lösung für die Zukunft. Erste Erfolge konnten durch Vereinbarungen erzielt werden, die bis 2019 laufen und speziell für Dehoga-Mitglieder gelten. „Mit der Gema sind wir mittlerweile ganz gut im Gespräch. Dennoch bleibt noch viel zu tun“, sagte Büttner, „vor allem, weil auch andere Verwertungsgesellschaften ihre Forderungen deutlich erhöht oder sogar erstmalig ins Spiel gebracht haben.“

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