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Kolumne Strandgut : Pommes, Ketchup und Cayenne

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Porsche Cayenne ist nun auch in den Abgasskandal verwickelt. In ihrer Kolumne überlegt Sylter Rundschau-Redakteurin Julia Nieß, welche Auswirkungen das auf der Insel haben könnte.

shz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 05:03 Uhr

Die Meldung muss für viele Autofahrer auf Sylt ein Schock gewesen sein: „Zwangsrückruf und Zulassungsstopp des Porsche Cayenne“, dem Toyota Corolla dieser Insel. In Deutschland betrifft das nach Medienangaben zwar „nur“ 7500 Fahrzeuge, 90 Prozent davon befinden sich aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gerade jetzt auf der Insel.

Denn der Porsche Cayenne gehört zum täglichen hochsaisonalen Straßenbild wie der unsicher schwankende E-Bike-Fahrer oder der Steppwesten-Träger mit Golden Retriever an der Leine. Als Autofahrer auf Sylt könnte man an manchen Tagen glatt meinen, das Modell für ein paar Euro beim Imbiss um die Ecke kaufen zu können, so inflationär schiebt es sich hier über den Asphalt. „Einmal Pommes mit Ketchup und Cayenne, bitte“, könnte die Bestellung lauten. Lange hielt sich hier sogar das Gerücht, dass der Porsche Cayenne von dem Autohersteller bei der Entwicklung um ein paar Zentimeter schmaler gemacht wurde, nachdem bekannt wurde, dass er nicht auf den Doppelstockwagen des Autozugs passt.

„Was nun?“, werden sich jetzt einige fragen. Fallen jetzt die Autozug-Einnahmen ins bodenlose? Muss der Betreiber des Sansibar-Parkplatzes demnächst Insolvenz anmelden? Wird der Stau auf der L24 zwischen Westerland und Wenningstedt etwa bald vom Audi A6 dominiert? Fahre ich manchmal auf das Festland, wundere ich mich nicht selten über die vielen „alten Kisten“, die dort auf den Straßen unterwegs sind – und merke meist eine Sekunde später, dass auch bei mir schon die klassische Sylter Realitätsverschiebung stattgefunden hat. Denn „normal“ ist das Straßenbild hier auf der Insel ganz und gar nicht. Dennoch haben jetzt auch die Besitzer dieser – in der Großstadt eher selten anzutreffenden Autos – genau die Probleme, die auch Audi- und VW-Besitzer haben. Und vielleicht ist das die einzig tröstende Nachricht dieses Skandals: Es kann einfach jeden treffen.

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