Gestohlene Buhnenpoller : Polizei beschlagnahmt Strandkunst

Bei der Polizei stehen acht Holzskulpturen, die jeweils für mehere hundert Euro angeboten wurden. Wo sie herkommen, wird jetzt ermittelt.  Foto: Fligge
Bei der Polizei stehen acht Holzskulpturen, die jeweils für mehere hundert Euro angeboten wurden. Wo sie herkommen, wird jetzt ermittelt. Foto: Fligge

Während die Gemeinde List Strafantrag wegen gestohlener Buhnenpoller stellt, werden Objekte aus zumindest ähnlichem Material angeboten. Die Skulpturen wurden beschlagnahmt.

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23. April 2011, 11:00 Uhr

Sylt | Da stellt die Gemeinde List Strafantrag wegen der auf Höhe Klappholttal abgesägten und gestohlen 18 Buhnenpoller - und gleichzeitig werden zumindest ähnliche Holzpflöcke im Lister Geschäft "Strandkorb & Co" als eine Art Strandkunst angeboten.
Nach "diversen Hinweisen" hat die Sylter Polizei sie am Montag sichergestellt und teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, dass es sich dabei um "acht abgesägte Buhnenteile" handle. Ein Polizeisprecher: "Wir haben ungefähr 15 Stück in dem Geschäft gefunden, acht davon weisen an der Unterseite markante Schnittstellen auf, die in der Natur so nicht vorkommen. Sie sind offensichtlich abgesägt worden."
Kunst aus Fundstücken
Schon Anfang April wurden derartige, mit einem Metallfuß zum Kunstobjekt umgestaltete Poller im Internetshop des Sylter Immobilienkaufmanns Stephan Rudloff angeboten. Danach gefragt, sagte der Gestalter dieser Objekte, der Sylter Metallbauer Robert Morell, er habe das dafür verwendete Holz "wie so vieles" am Strand gefunden und er schränkte das Angebot ein: Es gebe statt der im Internet angebotenen zehn, nur zwei Exemplare.
Auch die in List gezeigten Stücke kommen von Morell und seiner Künstlergruppe "Flutsaum". Also doch mehr als zwei? Er zeigt auf einen Holzstapel in seiner Werkstatt: "Es waren zwei in dieser Machart. Hergestellt habe ich davon schon mehr, aber immer, und dabei bleibe ich, mit Treibholz, mit Sachen, die wir am Strand finden." So entstehen Schilder aus vom Sand geschliffenen Brettern, Garderobenhaken - und eben die jetzt zu Recht oder zu Unrecht, das ist offen, in die Kritik geratenen schwebenden Poller. Morell greift in eine Kiste voller rundlicher Pfähle: "Die hier zum Beispiel kommen von den Lahnungen am Hindenburgdamm. Im Winter friert das Wasser bei Ebbe um sie herum fest, die Flut hebt sie dann quasi aus dem Boden und spült sie irgendwo wieder an."
"Das war ich nicht!"
Häufig säge er bei der Verarbeitung das Ende dieser Poller ab, "zum Beispiel weil es rott und gammelig ist oder weil es begradigt besser aussieht." Er wehrt sich gegen den im Raum stehenden Verdacht, er könnte der historischen Buhne am Klappholttal mit einer Säge zu Leibe gerückt sein: "Das war ich nicht! Aber möglicherweise rufen die Verkaufspreise, die übrigens immer auch noch mit dem Verkäufer geteilt werden, Nachahmer auf den Plan. Und die machen sich vielleicht nicht die Mühe, angeschwemmtes Holz zu sammeln und vom Strand hoch zu buckeln. Diese Anschuldigungen gegen mich sind falsch."
Irritiert zeigte sich Mittwoch auch "Strandkorb & Co"-Chef Michael Voellmy: "Wir haben Roberts Arbeiten auf dem Kampener Weihnachtsmarkt entdeckt und fanden es gut, dass Sylter aus Strandgut etwas machen. Ich kann es mir nicht vorstellen und wäre menschlich sehr enttäuscht, wenn das Material gar kein Strandgut sein sollte." Voelmy und Morell sagen, dass die beschlagnahmten Stücke bereits Ende vergangenen Jahres geliefert wurden - das Absägen der Buhnenpoller, neben deren Überresten noch Sägespänne lagen, fiel Ende März auf.
(rik, shz)

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