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Projekt Europamobil : Politikunterricht auf europäisch

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zwölf Studenten aus ganz Europa brachten 120 Schülern des Gymnasiums Sylt auf humorvolle Weise die Bedeutung der Europa-Wahl näher.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Rebeca aus Spanien hat eine klare Position zum Thema Hausaufgaben: „Man hat nur ein Leben – da sollte man nicht nur arbeiten. Jeder Schüler muss selber entscheiden, wie viel er für die Schule lernen will“, erklärt die Studentin ihren Standpunkt auf Englisch. Ihr Kontrahent Raul aus Rumänien ist da ganz anderer Ansicht: „Man sollte jede freie Minute zum Lernen nutzen.“

Raul und Rebeca sind Teilnehmer des Projekts Europamobil und reisen gemeinsam mit zehn anderen Studenten aus ganz Europa durch zehn Schulen in Schleswig-Holstein, um den Schülern das Thema Europa-Wahl näher zu bringen. Mit ihrer Debatte zum Thema Hausaufgaben wollen sie Elft- und Zwölftklässlern des Gymnasiums Sylt auf humorvolle Art und Weise zeigen, wie eine politische Debatte funktioniert. Anschließend dürfen sich die Jugendlichen im Publikum dann für eine von beiden Seiten entscheiden. Mit dem relativ ausgeglichenen Ergebnis überraschen sie Moderator Andrei aus Rumänien aber doch: „Mit nur 50,1 Prozent hat Rebeca gewonnen“, verkündet er verblüfft.

Die Europa-Wahl ist grundsätzlich eher ein abstraktes, trockenes Thema für Jugendliche – und ganz weit weg von ihrem Alltag. Durch ihre spielerische, humorvolle Art schaffen es die internationalen Studenten aber innerhalb kürzester Zeit, die Aufmerksamkeit ihres Publikums zu gewinnen. Da wird Politiklehrerin Johanna Kutsche kurzerhand zum „Schatten“ einer slowakischen Studentin und muss in deren Muttersprache Fisch anpreisen. Oder die Gymnasiasten erfahren, dass das Wort „Idiot“ ursprünglich aus dem Griechischen stammt und damit diejenigen bezeichnet wurden, die sich lieber um ihren eigenen Besitz kümmerten, als sich für die athenische Gemeinschaft und Demokratie einzusetzen.

Es ist übrigens kein Zufall, dass das Europamobil gerade in Schleswig-Holstein Halt macht – das nördlichste Bundesland hat in Deutschland zusammen mit Thüringen die geringste Wahlbeteiligung bei der Europa-Wahl. „Deshalb ist es unser Ziel, die Schüler dafür zu interessieren“, erklärt Johanna Scharf, eine der Projektleiterinnen des Europamobils. „Und dazu sind natürlich junge Leute, die mit peppigen Ideen kommen, sehr gut geeignet. Der Spaß dient uns dabei als Brücke.“

In drei verschiedenen Workshops konnten die 120 Schüler dann einige Schwerpunkte vertiefen. Da ging es beispielsweise um die Europa-Wahl selber, „die ja eigentlich ein Festtag sein sollte, wenn über 500 Millionen Menschen in ganz Europa an einem Tag das selbe machen“, wie die Studenten finden. Und es ging um den Bedeutungswechsel, den die Europäische Union durchlebt. „Früher ging es darum, einen Krieg zu beenden. Aber das ist für die Schüler weit weg, heute ist die Finanzkrise in aller Munde und was die EU sonst noch alles bedeutet, gerät in Vergessenheit“, sagt Johanna Scharf.

Sara aus Italien, Rebeca aus Spanien und Katharina aus Griechenland brachten den Schülern außerdem das Thema Populismus und seine Gefahren näher. „Dieses Thema hat natürlich in ihren Ländern eine weitaus höhere Brisanz als hier in Deutschland. Aber über das Europäische Parlament betrifft es auch Deutschland, wenn populistische Parteien in die Regierungen kommen“, erklärt Johanna Jäger, eine weitere Projektleiterin. Gerade Sara, Rebeca und Katharina verstünden es deshalb, den Schülern die Bedeutung des Themas zu vermitteln.

Nach dem Workshop hatten die internationalen Gäste auch noch die Möglichkeit, die Insel zu besichtigen. „Darauf freuen wir uns, seit sich das Gymnasium Sylt beworben hat“, erzählt Johanna Scharf lachend.

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