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Spielhalle im Rathaus : Politik diskutiert den Sinn des Sylter Casinos

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Hat es sich im Westerländer Rathaus bald ausgespielt? Der Hauptausschuss der Gemeinde Sylt diskutierte über eine Verlängerung der Spielbankpacht nach 2015.

Westerland | Die Kugel verlässt die Hand des Croupiers, schnellt in den Roulettekessel, hüpft über die rot und schwarzen Vertiefungen und bleibt schließlich liegen – eine alltägliche Szene im Westerländer Rathaus. Seit 1949 beherbergt das Verwaltungsgebäude nicht nur das nördlichste, sondern zugleich das kleinste Spielkasino Deutschlands. Ob sich aber nach 2015 das Roulette weiter drehen wird, ist ungewiss: In zwei Jahren läuft der Pachtvertrag der Spielbank aus. Grund genug für die Kommunalpolitik, um erneut über die Zukunft des Casinos zu streiten.

Auf der Sitzung des Hauptausschusses der Gemeinde Sylt brandete das Thema unvermittelt auf: Ursprünglich hatten sich die Kommunalpolitiker mit einer Anfrage aus dem Sport- , Jugend- und Kulturausschuss zu befassen. „Wir wollen einen Grundsatzbeschluss darüber haben, ob die Sylt-Bibliothek an ihrem Standort bleibt, oder mittelfristig ins Rathaus umziehen soll. Vorher kann die Einrichtung ja nicht modernisiert werden“, brachte Bürgervorsteher Peter Schnittgard das Anliegen des Ausschusses auf den Punkt. Zur Klärung dieser Frage sei eine grundsätzliche Entscheidung über den Verbleib der Spielbank nötig, diagnostizierte daraufhin Gemeindevertreter Sönke Hansen (SWG). „Das ist der neuralgische Punkt – vorher wissen wir nicht, ob der Raum überhaupt zur Verfügung steht.“ Es müsse jetzt eine strategische Entscheidung getroffen werden. „Auch die Angestellten haben ein Recht darauf zu wissen, was aus ihrem Betrieb wird.“ Dem pflichtete auch Bürgermeisterin Petra Reiber bei und verdeutlichte zugleich die Entscheidungskompetenz der Gemeindevertreter: „Es handelt sich hier um eine rein politische Entscheidung. Sie müssen sich entscheiden, ob wir eine Spielbank aus Imagegründen in Westerland brauchen, oder nicht.“

Zweifel an einer Pachtverlängerung nach 2015 kam anschließend von den Grünen und der SPD. „Ein Casino passt nicht mehr zu unserem Renommee und es fördert das Suchtverhalten“, plädierte Maria Andresen (Grüne) für eine Abwicklung der Spielbank. Eberhard Eberle (SPD) zeigte sich derweil besorgt über einen möglichen Verkauf der fünf Landesspielbanken (wir berichteten): „Wer weiß, wer die Spielbankgesellschaft einmal kauft. Eine Geldwaschanlage im Rathaus können wir auf keinen Fall dulden.“ Die Christdemokraten sprachen sich dagegen klar für einen Erhalt des Casinos aus: „Die Spielbank ist eine große touristische Attraktion und soll am Standort gehalten werden“, sagte Carsten Kerkamm. Einen pragmatischen Ansatz verfolgte daraufhin Christian Thiessen aus der Piratenfraktion: „Ich stehe dem Casino in dieser Hinsicht ganz leidenschaftslos gegenüber. Wir sollten uns schlicht fragen: Was nehmen wir durch die Spielbank ein und lässt sich damit Ausgleichsfläche finanzieren?“

„Wir liegen mit der Pacht bereits am unteren Limit“, stellte Bürgermeisterin Reiber dazu klar. Auch müsse man sich im Klaren darüber sein, dass die Räume der Spielbank für eine mögliche Nutzung als Büros nicht infrage kommen.“ In den Räumen der Spielbank gibt es keine Fenster. Insofern könnte dort nur das Archiv oder eben die Sylt-Bibliothek als „Nachmieter“ in Betracht.

Noch im vergangenen Jahr vermeldete die Spielbank eine Verdoppelung der Besucherzahlen. Mittlerweile hat sich die Zahl der Spielwilligen jedoch eingependelt, sagte Geschäftsführer der Spielbank SH GmbH, Jürgen Kiehne: „Die Besucherzahl stagniert auf einem sehr akzeptablen Niveau.“ Kiehne betonte die Bereitschaft, auch auf andere bezahlbare Inselstandorte auszuweichen. Doch passende Ausweichmöglichkeiten seien bisher nicht in Sicht. „Hauptproblem ist das überschaubare Angebot. Natürlich würden wir sehr gerne im Rathaus bleiben. Es ist zentral gelegen und zieht so viele Besucher an.“

Sollte sich die Politik gegen eine Verlängerung des Vertrages mit der Spielbank entscheiden, könnte es für das Casino damit schon bald heißen: Rien ne va plus – nichts geht mehr.
 

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erstellt am 10.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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