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Chirurgie und Kreisssaal : Pläne für Sylt: Erst Bordell, jetzt Schönheitsklinik

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Michael Beretin ist die rechte Hand von Rotlicht-Unternehmer Jürgen Rudloff. Die Bordellpläne in der Fußgängerzone sind gescheitert. Jetzt plädiert Beretin für eine Schönheitsklinik auf dem Gelände der ehemaligen Marineversorgungsschule in List.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Sylt | Von den Internatsplänen zur Schönheitschirurgie mit Kreißsaal? Während man sich in der Gemeinde List Gedanken macht, wie es mit dem Gelände der ehemaligen Marineversorgungsschule weitergehen kann, ist sich Michael Beretin sicher, was für den Inselnorden das Beste wäre: eine schönheitschirurgische Klinik mit angeschlossenem Kreißsaal. Beretin war auf der Insel bisher als rechte Hand von Jürgen Rudloff in Erscheinung getreten, dem Stuttgarter Rotlicht-Unternehmer, der plante, in der Westerländer Fußgängerzone ein Edel-Bordell zu eröffnen. Nachdem diese Pläne gescheitert sind, ist Beretin überzeugt, dass seine Idee für List zukunftsträchtig ist. Von möglichen Investoren habe er die Zusage über 3,8 Millionen Euro – „damit kann man schon allerlei anfangen“.

Mit den Eigentümern des Geländes, der Nordsee-College Besitzgesellschaft (NCS), seien „Vorgespräche“ zum Thema geführt worden. Dort allerdings weiß man von solchen Gesprächen nichts: Willi Fallot-Burghardt, einer der beiden Hauptgesellschafter der NCS, betont auf Anfrage der Sylter Rundschau: „Für uns ist so eine Form der Nutzung kein Thema.“ Stattdessen müsste nun gemeinsam mit der Gemeinde List ein neues Gesamtkonzept für das 17,5 Hektar große Areal erarbeitet werden – „wir können nicht mit der Planung eines kleinen Teils beginnen.“

Zur Vorgeschichte: Nachdem die Pläne der NCS, auf dem Gelände ein Elite-Internat zu errichten, gescheitert waren, stritten sich die Gemeinde List und die NCS vor dem Verwaltungsgericht, ob die Besitzgesellschaft auf dem Gelände stattdessen über 300 Wohnungen bauen darf. Dies wurde vergangene Woche endgültig abgelehnt (wir berichteten).

Doch wie geht es nun weiter? Dass die Gemeinde, die für das Gebiet die Planungshoheit hat, das komplette Grundstück für mehrere Millionen Euro von der NCS kauft, um selbst Wohnungen zu bauen, scheint eher unwahrscheinlich. Zum einen fehlt List dafür schlicht das Geld, zum anderen wäre die Umsetzung solch eines großen Projekts für die kleine Gemeinde eine riesige Herausforderung. „Außerdem muss die NCS das Gelände behalten“, betont Fallot-Burghardt: Die Besitzgesellschaft hatte die Fläche 2010 vom Bund gekauft, der Kaufpreis war aber auch an die geplante Nutzung gekoppelt. Sollte die NCS das Gelände verkaufen und die Nutzung ändert sich, würde die NCS auf Nachzahlungen an den Bund sitzen bleiben, so Fallot-Burghardt: „Also müssen wir gemeinsam mit der Gemeinde eine Lösung finden, die gut für List und gut für Sylt ist.“

Lists Bürgermeister Wolfgang Strenger kann sich auf dem Gelände eine Mischnutzung vorstellen: Dauerwohnraum, der Nutzung der sportlichen Anlagen und eine touristische Nutzung. Im Gegensatz zu den nun vom Gericht verbotenen Plänen der NCS wäre hierbei die Zahl der Wohnungen, die die Betriebsgesellschaft bauen könnte, geringer: „Vielleicht war das Problem der Gemeinde List ja ohnehin vor allem die Anzahl der Wohnungen ...“ deutet Fallot-Burghardt an.

Doch selbst, wenn sich Gemeinde und NCS einigen sollten: Was letztendlich aus der Marineversorungsschule wird, bestimmt auch die Landesplanung in Kiel mit. Von der ersten Vorstellung der Internatspläne durch die NCS bis heute hat es fast sieben Jahre gedauert. Nun befindet sich die Gemeinde List mit ihren Planungen wieder auf Start. Bleibt zu hoffen, dass diesmal ein Ziel erreicht wird.

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