Keitum : "Pius Weinwirtschaft": Ein Vermarktungshemmnis?

Im September wurde der noch zwölf Jahre laufende Pachtvertrag für das 'Pius' gekündigt..
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Im September wurde der noch zwölf Jahre laufende Pachtvertrag für das "Pius" gekündigt..

Gastronomiebetrieb bekommt fristlose Kündigung - angeblich wegen vertragswidrigen Verhaltens

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29. Oktober 2011, 07:21 Uhr

keitum | Alle gehen gerne hin - aber niemand möchte daneben wohnen: Lokale mit Terrassengeschäft. In Keitum gibt es jetzt möglicherweise deshalb Streit zwischen Pächter und Besitzer von "Pius Weinwirtschaft" am Kliff.

Vermieter des Gebäudes ist Jens Nielsen, mit dessen Vater der Gastronom Pius Regli vor acht Jahren einen bis zu 20 Jahren laufenden Pachtvertrag abgeschlossen hat: Er gilt bis 2013 mit der Option, ihn dann zwei Mal je fünf Jahre verlängern zu können. Regli: "Unsere Gäste fühlen sich an dem Standort sehr wohl und ich kann jetzt schon sagen, dass wir die Laufzeit des Pachtvertrags ausnutzen wollen." Alternativ könnte er sich auch den Kauf des Gebäudes ("Samt Kaffeegarten und Bäckerei oder auch nur unsere Weinwirtschaft") vorstellen: "In unserem Mietvertrag ist so ein Vorkaufsrecht festgehalten."

Jens Nielsen aber hat eigene Pläne mit dem seit 93 Jahre im Besitz seiner Familie befindlichen Gebäudeensemble und Regli am 21. September für Ende Oktober fristlos gekündigt. Auf Nachfrage unserer Zeitung begründet er dies mit "vertragswidrigem Verhalten" seines Mieters: "Wir bitten seit Mai um die Vorlage einer Baugenehmigung für die Nutzung der Terrasse und wir müssen uns immer wieder wegen Partys auf dieser Terrasse beschweren." Weil dort bis nachts um 3 Uhr bei "voll aufgedrehter Musik" gefeiert würde, hätte er schon mehrmals die Polizei gerufen und dafür auch die Rückendeckung der lärmgeplagten Nachbarschaft: "Die stehen alle hinter mir."

Ebenfalls auf Nachfrage unserer Zeitung wird das allerdings weder vom Ordnungsamt noch von der Polizei bestätigt: "Von 2008 bis heute mussten wir nur zwei Lärmbeschwerden nachgehen."

Könnte die Kündigung also doch mit dem, wie Reglis Anwälte sagen, "Vermarktungshemmnis", dem laut Verwaltung bau- und gaststättenrechtlich genehmigten Terrassengeschäft, zu tun haben?

Wie berichtet, möchte Nielsen seinen Besitz umbauen und zur Finanzierung dieser Pläne ungefähr dort, wo bisher der auch laut Inselbauamt "unangepasste" Anbau steht, ein Wohnhaus zum freien Verkauf errichten. Preisvorstellung laut Reglis Anwälten: 3,4 Millionen Euro. Sie schreiben, dass Nielsen dieses Hemmnis "gerade durch eine außerordentliche Kündigung des Mietverhältnisses zu beheben sucht, wobei er sich inhaltlich auf Kündigungsgründe stützt, die (...) eine außerordentliche Kündigung nicht rechtfertigen können und (...) Umstände betreffen, die in den vergangenen Jahren zwischen dem Grundstückseigentümer, seinem Vater als Rechtsvorgänger und unserer Mandantin nie Anlass für Konflikte boten." Darüber hinaus halten sie die bisher von der Gemeinde vorgenommene Bauplanung für unzulässig, "weil hier das Privileg der Gemeinde, Baurecht zu schaffen, missbraucht wird, um den Kapitalbedarf eines privaten Unternehmers zu befriedigen."

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