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Ermittlungen gegen Betreiber : Pflegeheim auf Sylt: Bis Ende Juni müssen alle raus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Personalmangel und Ermittlungsverfahren: Die Johanniter kündigen den Bewohnern der Steinmannstraße. Zehn Pflegebedürftige müssen aufs Festland.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2016 | 13:04 Uhr

Sylt | „Die Reaktionen waren besser als ich dachte“, stellte Herbert Voedisch mit einer gewissen Erleichterung fest. Seine Eindrücke waren da erst wenige Stunden alt. Der Geschäftsführer der Johanniter war Dienstagmittag als Übermittler einer schlechten Nachricht in das Altenzentrum in der Steinmannstraße gefahren. Dort teilte er den Bewohnern und Angehörigen der pflegebedürftigen Personen mit, dass sie von den Johannitern als Betreiber des Hauses in der Steinmannstraße zum 1. Juni ihre Kündigung erhalten werden und es keine Möglichkeit gibt, ihre Pflege auf der Insel weiter zu gewährleisten.

Damit stehen zehn pflegebedürftige Menschen vor einer ungewissen Zukunft, was ihre Unterbringung und Betreuung ab dem 30. Juni betrifft.

Der ursprüngliche Plan, sie im Johanniter-Haus im Wenningstedter Weg 66 unterbringen zu können, ist aufgrund der dortigen Belegsituation nicht möglich. Welches Pflegeheim die zehn Sylterinnen und Sylter aufnehmen kann, stand am Dienstag noch nicht fest. „Wir suchen im Radius von 30 Kilometern rund um Niebüll“, ließ Herbert Voedisch auf Nachfrage wissen.

Mit der „Zwangsräumung“ der Steinmannstraße ist vorerst die große Hoffnung der Gemeinde Sylt beschädigt, mit den beiden Westerländer Seniorenheimen und den Johannitern als Betreiber, ein Angebot für Alte und Pflegebedürftige vorzuhalten, das ermöglicht, „dass kein Sylter aufs Festland muss“.

Dies war, wie es Peter Schnittgard als Bürgervorsteher der Gemeinde Sylt auf der gestern kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Johanniter-Haus betonte, eine der wesentlichen Begründungen für den Ankauf der beiden Sylter Pflegeheime durch die Gemeinde. Aus Furcht vor einem Investor, der sich ebenfalls für die Heime interessierte, hatte die Gemeinde, genauer die KLM, Ende 2014 die Objekte für knapp 13 Millionen Euro gekauft und die Johanniter als Betreiber der Häuser unter Vertrag genommen.

Am Dienstag nun bemühten sich Vertreter der Gemeinde gemeinsam mit Herbert Voedisch um Erklärungen für den aktuellen Notstand und die mögliche Perspektive für die Betreuung alter Menschen auf der Insel. Klar war dabei nur, dass die Personalsituation im Bereich der Altenpflege deutlich angespannter ist, als sie von allen Beteiligten eingeschätzt worden war. Bei den Johannitern war man deshalb auf freie Honorarkräfte angewiesen. Ihre Beschäftigung führte aber in letzter Konsequenz dazu, dass gegen die Johanniter ein Ermittlungsverfahren läuft, in dem diese Beschäftigungsverhältnisse auf ihre rechtmäßige Abwicklung überprüft werden. Die Johanniter haben daraufhin mit dem sofortigen Stop solcher Arbeitsverhältnisse reagiert, was wiederum zur Folge hat, dass sie nicht genügend Pflegekräfte haben, um ihre Leistung aufrecht zu erhalten. Deshalb die Kündigung der Bewohner des Altenzentrums.

„Es lief nicht gut. Der ursprüngliche Plan ist nicht aufgegangen“, gab Carsten Kerkamm unumwunden zu. Doch für den stellvertretenden Bürgermeister steht auch fest: „Es wird eine Lösung geben“. Davon sind auch KLM-Chef Marcus Kopplin und der Vorsitzende des Sozialausschusses der Gemeinde Sylt, Eberhardt Eberle, überzeugt. „Wir prüfen verschiedene Möglichkeiten“, unterstrich Carsten Kerkamm und betonte dabei wie auch die anderen Gemeindevertreter, dass man diese Lösung weiterhin mit den Johannitern als Partner anstrebt. Denen schrieb allerdings Eberhardt Eberle noch ins Stammbuch, „dass sie das Arbeitsklima deutlich verbessern müssen“.
 

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