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Engpass bei Pflegeheimen auf Sylt : Pflege wieder in Sylter Hand?

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nachdem die Johanniter sich aus dem Pflegeauftrag für das Altenzentrum in der Steinmannstraße zurückgezogen haben, sitzt die Enttäuschung über die großen Pflegeheimbetreiber vom Festland tief.

Das Desaster um die Sylter Pflegeplätze schlägt hohe Wellen, zehn Bewohner stehen zum Monatsende auf der Straße, wenn nicht bald eine Lösung gefunden ist. Nachdem die Johanniter sich aus dem Pflegeauftrag für das Altenzentrum in der Steinmannstraße zurückgezogen haben, sitzt die Enttäuschung über die großen Pflegeheimbetreiber vom Festland tief. Sollten die Sylter das Thema nun selbst in die Hand nehmen? Heiner Jensen, gesetzlich bestellter Betreuer, brachte den Vorschlag gestern im Arbeitskreis Demenz auf: „Können wir uns vorstellen, eine GmbH oder einen Verein zu gründen, um ambulant betreutes Wohnen ins Leben zu rufen?“

Ein Plan, den sich auch die Johanniter auf die Fahnen geschrieben hatten, der aber mangels Unterstützung durch einen Partner für die ambulante Pflege nur schwer umzusetzen sein dürfte. „Die haben zwar die Kompetenz, aber keine Ahnung von Sylt“, meinte Jensen. „Wir hätten die Kompetenz“, erklärte Jensen mit Blick auf die im Arbeitskreis Demenz vertretenen Hilfsorganisationen, „und müssen sie nur bündeln.“

Einer insularen Lösung konnte auch Lebenshilfe-Geschäftsführer Oliver Marco Pohl etwas abgewinnen: „Wir schieben keinen Riesen-Wasserkopf vor uns her, der finanziert werden muss.“

Sozialausschuss-Vorsitzender Eberhard Eberle hat „die Hoffnung nicht aufgegeben, dass nicht alle zehn Bewohner aufs Festland müssen.“ Es würden derzeit viele Gespräche im kleinen Kreis geführt, um das Problem zu lösen.

„Bei der Diakonie und der Arbeiterwohlfahrt gab es damals auch Probleme“, erinnerte Eberle, „aber es ist nicht so eskaliert wie jetzt bei den Johannitern.“ Bei der Kündigung der „scheinselbstständigen“ Honorarkräfte durch die Johanniter seien „fünf bis sechs Pflegekräfte weggefallen – eine gewaltige Lücke.“

Diese Pflegekräfte hätten bis zu 8000 Euro in Rechnung gestellt und diese Summe auch versteuert, stellte Heiner Jensen klar. „Von so einem Betrag kann man sich gut selbst versichern und für die Rente sparen.“ „Dass die Heime die Scheinselbstständigen eingestellt haben, war aus der Not geboren“, erinnerte Angelica Lorenzen vom Pflegestützpunkt des Kreises Nordfriesland. „Das kann man nicht verurteilen.“

„Die Kündigung der Bewohner war heute in der Post“, berichtete Heiner Jensen, der für zwei alte Menschen in der Steinmannstraße als Betreuer bestellt ist. Mittlerweile sei aber ein Pflegeplatz am Wenningstedter Weg frei geworden. Die Reihenfolge für eine Rückführung der Bewohner dorthin lege ein Arbeitskreis fest – bestehend aus einer Bewohnerin, drei Angehörigen, der Geschäftsführung, der Heimleitung und Jensen selbst. Die Kriterien dafür würden noch festgelegt. Auf jeden Fall sei dessen Ranking für die Geschäftsführung bindend. Für alle zehn Bewohner gelte eine Rückkehroption in den Wenningstedter Weg – „wenn sie denn wollen.“ Es stünde aber auch eine Einrichtung in Niebüll bereit, die zehn Bewohner aufnehmen könnte, berichtete Jensen. „Das Haus hat zwar nicht den besten Ruf – aber das ist immer noch besser als das, was hier derzeit auf Sylt läuft.“

Zuvor hatte schon Sozialausschuss-Vorsitzender Eberhard Eberle im Gespräch mit unserer Zeitung den Gedanken geäußert, dass eine kommunale Trägerschaft eine Lösung für den Sylter Pflegenotstand darstellen könnte. „Es war ein Fehler, dass man diesen Bereich privatisiert hat“, meinte Eberle.

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erstellt am 02.Jun.2016 | 05:26 Uhr

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