Sylter Bürgermeisteramt : Petra Reiber: 2015 ist definitiv Schluss

Im vergangenen Jahr blickte Petra Reiber anlässlich ihres Dienstjubiläums auf 20 Jahre als Bürgermeisterin zurück.  Foto: sr
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Im vergangenen Jahr blickte Petra Reiber anlässlich ihres Dienstjubiläums auf 20 Jahre als Bürgermeisterin zurück. Foto: sr

Nach dann fast 24 Jahren will die hauptamtliche Bürgermeister 2015 nicht erneut kandidieren / Politik setzt Hoffnungen in einen Neuanfang

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31. Oktober 2012, 07:59 Uhr

Westerland | Sie ist die dienstälteste hauptamtliche Bürgermeisterin in Schleswig-Holstein. Seit dem 1. September 1991 bekleidet Petra Reiber diesen Posten zunächst in der Stadt Westerland, seit 1. Mai 2009 in der Großgemeinde Sylt. Doch nach 21 Jahren ist die 54-jährige parteilose Juristin nun offenbar amtsmüde. Kürzlich teilte sie den Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen mit, dass sie nach Ende ihrer Amtszeit am 30. April 2015 nicht wieder kandidieren werde.

"Ich merke, dass meine Kraftreserven zur Neige gehen und ich nicht als Bürgermeister-Dino enden möchte", begründet Reiber auf Nachfrage der Sylter Rundschau ihre in den letzten Monaten gereifte Entscheidung. "Vielleicht muss hier ins Rathaus mal frischer Wind rein - irgendwann wird jeder betriebsblind", sagt die nach einer Knie-OP noch dienstunfähige Verwaltungschefin. Neben der eigenen Gesundheit dürfte gerade nach den letzten Jahren seit der Fusion und der Entstehung einer zentralen Inselverwaltung auch das zunehmend schwierigere Verhältnis zwischen ihr und der Politik eine entscheidende Rolle spielen.

Dennoch, oder gerade deswegen, will Reiber die Politik in der noch verbleibenden Amtszeit verstärkt auch in Verwaltungsentscheidungen einbinden. Beispielsweise bei der bevorstehenden Neubesetzung der Bauamtsleitung. "Ich möchte, dass die Politik zumindest eine moralische Mitverantwortung übernimmt", erklärt Reiber. Sie reagiert damit auch auf einen vermeintlichen "Systemfehler", der einem Bürgermeister zwar die alleinige Verantwortung für seine Amtsleiter aufbürdet, der Politik jedoch die Möglichkeit gibt, Personalentscheidungen zu blockieren. "So etwas kann wie zuletzt bei der KLM-Leitung gut gehen, muss es aber nicht." Als ein Opfer der von ihr massiv vorangetriebenen Fusion sieht sich Petra Reiber zwar nicht, gesteht jedoch offen ein, nicht damit gerechnet zu haben, "wie lange es dauert, bis alle an einem Strang ziehen".

Bei der Reaktion auf Petra Reibers Entschluss war bei den Spitzen der fünf Gemeinderatsfraktionen gestern zumindest eine Grund-Einigkeit deutlich erkennbar: Das Bedauern hielt sich durch die Bank in Grenzen.

Klaus Jensen (SSW): "Ich denke, es ist an der Zeit, dass jemand anderes das Ruder übernimmt. Dass Petra Reiber die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt getroffen hat, halte ich für richtig. Der SSW hätte sich ohnehin überlegt, ob wir sie nochmal bei der Wahl unterstützen. So bleibt der Politik genug Zeit, nach möglichen Kandidaten zu suchen."

Mario Pennino (SWG), kommentierte als stellvertretender Fraktionschef die Entscheidung Reibers: "Wir zollen Petra Reiber für ihre Arbeit und ihre Ausdauer im Interesse der Bürger unseren größten Respekt. Ich denke, dass sie die Gemeinde Sylt nach außen sehr gut vertritt. Dass es intern zwischen Verwaltung und Politik nicht so gut läuft, ist vielleicht kein typisches Sylt-Problem, aber ich habe doch die Hoffnung, dass sich daran durch einen neuen Kopf an der Spitze etwas ändert. Die SWG wünscht sich dafür jemanden, der die Befindlichkeiten der Insel kennt und weiß, worauf er sich einlässt."

Maria Andresen (Grüne): "Ich finde diese Entscheidung den richtigen Weg. Die Grünen hatten Petra Reiber bei ihrer letzten Wahl unterstützt, aber die Arbeit nach der Fusion haben sich wohl alle etwas anders vorgestellt. Vielleicht ist ein Neuanfang 2015 der richtige Weg."

Wolfgang Jensen (CDU): "Wir haben bis auf ein paar Reibereien eigentlich immer gut zusammengearbeitet, auch wenn es zuletzt einige Irritationen gab. Dass sie uns ihre Entscheidung so früh mitgeteilt hat, finde ich gut. Das gibt uns Zeit und Raum, in Ruhe zu überlegen, wie es weitergehen soll, und einige Dinge noch vernünftig abzuarbeiten."

Gerd Nielsen (SPD): "Trotz der Bemühungen, das Verhältnis zwischen Politik und Verwaltung zu verbessern, gab und gibt es intern einfach zu viele Streitpunkte. Natürlich ist in der Gemeinde nicht alles schlecht, aber es läuft momentan auch nicht wirklich rund. Sich über eine Nachfolge Gedanken zu machen ist jetzt noch viel zu früh, wir sollten viel mehr zusehen, die verbleibenden zweieinhalb Jahre vernünftig zu nutzen."

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