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35 Jahre Club Rotes Kliff in Kampen : Peter Kliem: "Ich bin eine Rampensau"

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Peter Kliem arbeitet seit vielen Jahren im Club Rotes Kliff in Kampen. Anlässlich des 35. Geburtstages erzählt er von seinen Anfängen im Club.

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2015 | 05:31 Uhr

Einen Menschen, der seit über 35 Jahren im Kampener Nachtleben arbeitet, stellt man sich anders vor. Vor allem nicht so frisch. Peter Kliem könnte glatt Golf-Lehrer sein, Herz-Chirurg oder etwas ähnlich Cleanes. Das Klischee des „Bilderbuch-Nachtleben-Beglücker-DJs“ erfüllt „der Pedder“ jedoch auf Knopfdruck. So wie Schauspieler das können, die für ihren Job brennen und wissen, was sie ihrem Publikum schuldig sind. Peter kriegt jeden – darauf kann man sich verlassen. „Natürlich bin ich eine Rampensau und brauche meine Bühne, sonst hätte ich meine Arbeit nicht so erfolgreich machen können in all den Jahren. Mein Motor ist und bleibt die Musik und was sie mit den Menschen macht“, meint Peter Kliem (56) am Esszimmertisch bei einer Tasse Tee.

Esszimmertisch, Tasse Tee, Hundespaziergänge, Gemütlichkeit – all das hätte man vor ein paar Jahren noch zuletzt mit ihm in Verbindung gebracht. Die einzige Peter-Assoziation waren rauschende Nächte und er als Dramaturg mittendrin. Dabei wirkt die Tasse Tee an ihm gar nicht fremd. Geschweige denn albern. „Ja, da hat sich was geändert“, grinst der Meister der Turntables. „Diese neue Facette beruht schlicht auf der Erkenntnis, dass ich mein privates Glück genießen kann und dafür natürlich auch was tun muss. Im Leben ist nichts One-Way. Deshalb gibt es inzwischen Nächte, in denen ich im Club nicht mehr der Letzte bin.“

Auf der Suche nach der Lösung für das „Mysterium des ewigen Kliems“ ergeben sich also schon zwei Ansätze. Punkt 1: Ein erfülltes Leben bewahrt nachhaltig vor Elend und hält frisch. Punkt 2: Der Club-Chef verfügt über ein gutes Bauchgefühl. „Das zieht sich durch wie ein Roter Faden, ich habe mich immer auf meine innere Stimme verlassen können und habe - zwar nicht ununterbrochen, aber an den entscheidenden Stellen - auf sie gehört“, sagt er nachdenklich.

Das begann schon in den späten 1970er Jahren, als aus einem braven Sohn ein Junger Wilder wurde: Peter Kliem wuchs in durch und durch bürgerlichen Verhältnissen auf, entschied sich zunächst für eine Ausbildung zum Textilkaufmann. Doch er löste sich von den elterlichen Erwartungen, pflegte seine Liebe zu schwarzer Musik, trug wilde Mode. Auch die Tatsache, dass er sich zu Männern stärker hingezogen fühlte als zu Frauen, lebte er offen – obwohl das damals noch ein echter Tabubruch war.

1979 lud ihn ein Freund zu einem Kurztrip nach Kampen ein. Peter spürte sofort, dass dieser Ort für ihn die pure Magie war und der wilde, freilassende Spirit der Insel viel besser zu ihm passte als das Ambiente der Provinzhauptstadt Hannover.

Er suchte und fand auf Sylt sein Glück, in dem er jede Chance ergriff, die sich ihm bot. Im „Walter’s Hof“ als Saisonkraft, als DJ in den Westerländer Nachtläden dieser Jahre – im „Crazy Island“, im „Nanu“.

Rolf Seiche fand ihn „cool“ und ließ ihn im „Village“ an die Plattenteller, was aber beim ersten Versuch nicht von größtmöglichem Erfolg gekrönt war. Dafür aber der zweite Anlauf: Eine weitere Lichtgestalt dieser Ära, Wolfgang Strümpell, hatte ein Gespür dafür, welches Talent in Peter schlummerte, er holte ihn in seinen „Club Rotes Kliff“, gab ihm vom ersten Moment an jede Freiheit und viel Verantwortung. Er tat gut daran. „Gleich in der ersten Nacht, es war Pfingsten 1982, tanzten die Leute auf den Tischen“, meint Peter über den Anfang einer legendären Zusammenarbeit. Bis heute schwärmt er von dem glamourösen Nährboden, den das Sylter Nachtleben in diesen Jahren bot. „Es gab damals einfach weniger Grenzen. Das Leben war nicht so stark reglementiert – auf individueller wie auf insularer Ebene. Für unser Business ist Freiheit elementar wichtig, die Lust am Experiment. Das fehlt mir heute manchmal“, sagt Peter und dokumentiert mit Fotos von schrägen Mottopartys aus dieser Zeit, was er meint. Die Tatsache, das Leben vor allem auch Veränderung ist, hat er nie ignoriert. Im Gegenteil: Peter ist bis heute immer der erste, der die neueste Technik nutzt und einen untrüglichen Instinkt für Musik und richtige unternehmerische Entscheidungen hat.

Er entschied sich auch – allen Unkenrufen zum Trotz – den Laden zusammen mit Beate Stoltenberg 1991 zu übernehmen, nachdem Wolfgang Strümpell aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste. Seine innere Stimme erwies sich als weise, als er zusammen mit Beate und Barkeeper Stefan entschied, den Club 2010 von einer legendären Dorfdisko in ein „rotes Spektakel mit urbanem Charakter“ zu verwandeln. Ein Laden, der keinen Vergleich mit Clubs in London oder New York scheut. „Es war mutig, so viel Geld in die Hand zu nehmen und diesen Stil zu etablieren. Aber, es war genau richtig.“

Schlau ist auch Peters Marketing und der direkte Draht zu seinen Gästen. Das richtige Gespür bewies er mit seiner CD-Kollektion „Kampen grooves“ oder mit Party-Ideen wie die „Ich-kenn-Peter-Sause“ auf dem Sturmhauben-Parkplatz Pfingsten 2012, die für viel Polemik sorgte, aber eben auch alles andere als brav war, denn davon nährt sich schließlich Kampens Image.

Der Club ist irgendwie immer der letzte Schrei – auch oder gerade nach 35 Jahren. Eine Meisterleistung. „Ich bin sehr dankbar für das, was da geglückt ist. Was nächstes Jahr sein wird? Ich weiß es nicht. Man muss immer wach bleiben, ich halte keine Veränderung für ausgeschlossen, sonst wird es langweilig. Was klar ist: Dieses Jahr feiern wir den 35. Geburtstag des Clubs – nach allen Regeln der Kunst“, versichert Peter mit leuchtenden Augen und hebt die Teetasse.

Info: Drei Tage Party

Kampen Seinen 35-jährigen Geburtstag will  der Club Rotes Kliff mit einer drei Tage dauernden Party feiern. Los geht es morgen Abend um 23 Uhr mit Musik von DJ David Puentez. Am Freitag, 7. August, geht die große Sause weiter: Bei der Charity-Party wird ein Teil des Eintrittsgeldes  für einen gemeinnützigen Zweck gespendet. Der Dresscode dann :„Sexy und casual, elegant und stylish“. Am Sonnabend, 8. August, steigt das Haupt-Event im legendären Kampener Club. Ab 19 Uhr soll dann mit geladenen Gästen bei der  „Highlight Party“ gejubelt werden. Infos  www.club-rotes-kliff.desr

 

 

 

 

 

 


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