Wohnen auf der Insel : Per Hundenase auf der Suche nach Schimmel

„Such Schimmel“: Das ist Jerrys Stichwort.
„Such Schimmel“: Das ist Jerrys Stichwort.

Ein Schimmel-Spürhund soll auf Sylt die unschönen Sporen finden.

shz.de von
11. Mai 2015, 05:16 Uhr

Mit seiner feuchten Nase läuft Schäferhund Jerry durch das Zimmer der Sylter Wohnung. Sein Auftrag: Versteckten Schimmel in Wohnräumen finden, den das menschliche Auge nicht sehen und die Nase nicht riechen kann.

Der drei Jahre alte Schäferhund unterstützt Martin und Bianca Hebig bei ihrer Arbeit, als lebendiges Messinstrument sozusagen. Hebig-Bau heißt ihr Unternehmen für die Erkennung und Sanierung von Schimmelpilzen in Wohnräumen. Auf Sylt wollen sie mit jetzt dauerhaft eine zweite Niederlassung eröffnen. Die Aufträge kommen aber aus ganz Schleswig-Holstein. „Ich war früher schon immer mit meinen Eltern auf der Insel“, erzählt Hebig. Als Maurer– und Hochbaumeister ist der 49-Jährige vom Fach – seine Frau (52) kümmert sich um den Hund.

Der Vorteil des Tieres: Keimbelastungen in der Luft kann man messen und dann im Labor bestimmen, welche Art von Schimmelpilz es ist. Aber man weiß nicht, wo dieser sich befindet. Das ist die Aufgabe von Jerry: Er findet die Pilze auch hinter der Tapete.

Mit ihrem Wohnmobil ist das Ehepaar Hebig aus Nordrhein-Westfalen mit ihrem „Spürhund“ im gesamten Norden unterwegs: Ein mobiles Büro sozusagen, ausgestattet mit allem, was man zum Aufspüren und Abtöten der Pilze braucht.

Auf Sylt gäbe es viel Schimmel, so Hebig, allerdings nicht mehr als anderswo an der der Küste, das bestätigt auch Günter Thomas, Klimamangaer auf Sylt. Ein Sonderfall auf der Insel sind die vielen Keller-und Souterrainwohnungen, die häufig besonders befallen sind. Einen bestimmten Haus-oder Wohnungstyp, auf dem die Pilze bevorzugt sprießen, kann er nicht nennen: „Wenn ich regelmäßig lüfte, kann ich in allen Gebäuden schimmelfrei leben“, sagt Thomas, unabhängig davon ob es sich um einen Alt-oder Neubau handelt.

Um Schimmelpilze zu suchen, braucht der speziell ausgebildete Hund absolute Ruhe. „Das ist richtig anstrengend für ihn, er braucht auch Pausen“, sagt Bianca Hebig. Mehr als einen Einsatz pro Tag würden sie ihrem Tier nicht zumuten, dann dürfe er sich ausruhen. Auf das Stichwort „Such Schimmel“ beginnt der Vierbeiner mit der Arbeit, findet er Pilze, zum Beispiel hinter einer Rigips-Wand, schlägt er an. Auch nach Abschluss der einjährigen Ausbildung muss Jerry jeden Tag trainieren.

Neben der Hundenase braucht es noch andere Messmittel, um Feuchtigkeit und Schimmel festzustellen: Mit einer Wärmebildkamera stellt Martin Hebig fest, wo warme und kalte Stellen im Raum sind und erstellt daraus eine Analyse. Gemessen wird auch die Oberflächen und Tiefenfeuchtigkeit im Mauerwerk sowie mit einem speziellen Gerät der CO2-Gehalt, die Raumluftqualität. Wird Schimmel entdeckt, beseitigen die Experten die lästigen Pilze im Haus und töten diese ab.

Sind die Gewächse entfernt, und die Wände neu gestrichen ist die Arbeit noch nicht ganz getan: Wichtig sei es, zu ergründen, warum es schimmelt, wodurch die Pilze entstanden seien, sagt die 52-jährige Besitzerin des „Schimmelspürhundes: „Ohne eine Feststellung der Ursachen kann man den Schimmel nicht entfernen.“ Sanierungen an den richtigen Stellen können hier helfen.

Die Gründe für Schimmelpilze seien entweder Baumängel oder ein falsches Heiz-Lüftverhältnis des Mieters oder Hausbesitzers. Viele Menschen würden nicht richtig lüften, sagt Martin Hebig. Zu viel lüften könne man nie, das komme allein auf das persönliche Kälteempfinden an. Neubauten würden heute immer dichter Gebaut, die feuchte Luft kann dann nur schwer entweichen, erklärt der Fachmann. Altbauten hingegen würden häufig falsch saniert und dadurch die Entstehung der lästigen schwarzen Flecken begünstigen.

„Wir haben oft Kunden mit Kindern, die zum Beispiel Asthma oder andere Atemwegserkrankungen haben“, erzählt Bianca Hebig. Denen gehe es deutlich besser wenn der Schimmel weg ist. Viele würden auch vor einem geplanten Hauskauf von den Experten prüfen lassen, ob Schimmel in den Wohnräumen ist.

Schimmelkeime und Sporen sind überall vorhanden und sind Teil der natürlichen Umgebung. Damit sie zu einem Pilz wachsen, benötigen sie neben Nährstoffen wie Staub, Putz, Tapeten, Holz vor allem eines: Feuchtigkeit. Schimmel in Wohnräumen ist ein hygienisches Problem, das umgehend beseitigt werden sollte, schreibt die Verbraucherzentrale. Nach Informationen des Umweltbundesamtes kann von Schimmelpilzen eine Gesundheitsgefahr ausgehen, wenn die Sporen in großer Zahl eingeatmet werden.

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