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Bürgermeisterwahl auf Sylt : Pauli: "Ich kann nicht sagen, ob ich Mickey Maus bin"

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Gabriele Pauli hatte in Morsum zum Ting geladen. Dort bekam sie Anerkennung für ihre klaren Positionen, allerdings wurde Kritik an ihrem Auftritt im CCS laut.

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erstellt am 29.Nov.2014 | 05:30 Uhr

Auf der Insel ist es nicht uneingeschränkt positiv aufgenommen worden, dass sie den friesischen Ting als Wahlkampfveranstaltung okkupiert hat, das weiß Gabriele Pauli selbst. Und dann auch nur für Frauen... „Das konnte mancher nicht ganz vertragen“, sagte die fränkische Bürgermeisterkandidatin am Freitagnachmittag im Café von Bäcker Ingwersen in Morsum. Aber – und da benutzt die ehemalige Fürther Landrätin eine Formulierung, die zu ihrem Standardrepertoire gehört: „Das passt schon.“ Schließlich gibt es ja auch für Männer auf den künftigen Veranstaltungen die Chance, sie vor der Wahl am 14. Dezember kennen zu lernen.

Nun präsentiert sich die 57-Jährige erst einmal vor knapp 30 Damen und reißt zunächst die bekannte Biografie an, allerdings ein wenig stärker als sonst auf die vermeintlichen Fraueninteressen gedreht. Zu hören gibt es also die Geschichte der Gabriele Pauli, die als taffe junge Politikerin, die alleinerziehend mit zweijähriger Tochter eine 70-Stunden-Woche im Fürther Landratsamt abriss. Als sie vor der durchaus interessierten Sylter Damenwelt von ihrer Arbeit als Verwaltungschefin berichtet, betont Pauli vor allem die frauenfreundlichen Entwicklungen, die sie in ihren 18 Jahren in Fürth eingeführt hat: Flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, zeitweise von zu Hause aus zu arbeiten. Sie spricht darüber, dass auf Sylt die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder erweitert werden sollten, dass das Ehrenamt gestärkt werden muss, reißt Themen locker an und kommt bei ihren Zuhörerinnen mit der diesmal entspannten Präsentation gut an. „Auch wenn ich eigentlich nicht mag, wie sie ihre Mitbewerber öffentlich runter macht – heute wirkt sie wirklich sympathisch“, findet eine Westerländerin, die auch bei der offiziellen Kandidatenvorstellung im Congress Centrum Sylt gewesen ist. „Da hat sie noch nicht so viel Profil gezeigt.“ Das sahen offenbar einige Besucherinnen ähnlich: Als Pauli im Laufe des Nachmittags immer mehr in Schwung kommt, erfolgt der Zwischenruf: „Hätten Sie so doch am Freitag geredet!“ Ja, hätte sie auch gern, sagt sie. Aber die Form der Veranstaltung, dieser Entertainment-Faktor, den Moderator Carsten Koch da hinein gebracht hätte, der habe „nicht so gepasst“: „Ich kann nicht so gut sagen, ob ich ein Papagei bin oder Micky Maus.“ Ohnehin, stellt Pauli in einem anderen Zusammenhang klar, sei Politik ihr viel zu ernst, als dass sie den Wählern „Luftschlösser versprechen“ wolle.

Große Versprechungen macht sie an diesem Nachmittag dann auch nicht, als die üblichen Wahlkampfthemen abgearbeitet werden: Bei der gemeindlichen Wohnungsvergabe will sie die Kriterien öffentlich machen, um auf Sylt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – gerade für die vielen in der Gastronomie tätigen Frauen – besser zu gestalten, würde sie unter anderem gern das Tagesmütter-System weiter ausbauen. Das kommt bei ihren Zuhörerinnen, von denen einige schon gern aus Prinzip wieder eine Bürgermeisterin hätten, zwar nicht schlecht an, reißt aber auch keine von der Kaffeetafel.

Richtig emotional wird es erst beim Thema Pflege. „Es ist ein Skandal, dass es bald nur noch 77 Pflegeplätze geben wird“, sagt Pauli und ihre Zuhörerinnen stimmen ihr zu. Sie könne nicht verstehen, warum diese Tatsache die Politik nicht stärker auf den Plan rufe, warum zwar Geld in die Hand genommen werde, um die Gebäude der Altenheime zu kaufen, aber nicht, um neue Pflegeplätze zu schaffen. „Warum hat man da nicht früher hingeschaut auf einer Insel, auf der die Bevölkerung deutlich über dem Altersdurchschnitt ist?“, fragt Pauli und schiebt einen der etwas abgedroscheneren Wahlkampfsätze hinterher, die sie gelegentlich auch im Repertoire hat, die ihr ihr Publikum aber zumindest hier zu verzeihen scheint: „Es gibt Bereiche, die sind nicht wirtschaftlich, sondern menschlich.“

Eine Bayerin, die eine urfriesische Tradition wie den Ting für sich ummodelt, und damit offenbar erfolgreich ist: Vielleicht sollte Gabriele Pauli ihr „das passt“ umwandeln in „ was nicht passt, wird passend gemacht.“

 

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