Mit der Bibel am Ball : Pastors Rat: Erden, nicht abheben

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Vor jedem WM-Spiel der Deutschen schreibt Wenningstedts Pastor Rainer Chinnow eine Kolumne für die Sylter Rundschau. Bei ihm im Pastorat können die Spiele übrigens auch geguckt werden. Und eine Halbzeit vor dem Spiel findet in der Friesenkapelle eine Fußballandacht statt.

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20. Juni 2014, 18:15 Uhr

„Wir dürfen uns nicht blenden lassen, von dem was passiert ist. Noch haben wir nichts erreicht. Es geht nichts von alleine“, erdete Manuel Neuer die euphorischen Fußballexperten nach dem Spiel gegen Portugal. Die gleichen Experten, die drei Stunden zuvor einen Sieg gegen Portugal für unwahrscheinlich hielten, das Spielsystem des Trainers für ungeeignet und die Auswahl der Spieler für schlecht befunden hatten.

Die deutsche Nummer Eins im Tor spielt auf die Bibel an. Dort heißt es: „Seid allesamt demütig.“ (1. Petrus, 3,8). Diese christliche Tugend hilft uns, unsere Situation richtig einzuschätzen. Dazu gehört Mut – der Mut, sich wahrhaftig anzuschauen. Sich nicht größer zu machen als man ist. Wer anderen etwas vorspielt, wird immer an den zu hoch gesetzten Ansprüchen scheitern.

Auch das Gegenteil ist nicht hilfreich. Sich immer klein zu machen und ständig zu wiederholen: Ich kann nichts. Wer so lebt, strengt sich nicht an, sondern bleibt weit hinter dem, was er im Leben erreichen kann.

Demut meint dagegen den Mut, sich als Gottes Geschöpf zu betrachten. Wir sind weder die Größten noch die Kleinsten, sondern Geschöpfe des Gottes, der weit größer ist als wir selbst. Wir sind nicht perfekt, sondern fehlerhaft. Wer demütig lebt, buckelt niemals vor anderen und tritt nicht nach unten. Vielmehr hat er große innere Kraft, weil er sich mit Abstand betrachten kann. Er lebt fröhlich, kann über sich selbst lachen und erfrischt die Welt mit nüchternen Analysen – wie ein Manuel. Dessen Name übrigens bedeutet: „Gott sei mit uns.“

Was heißt das für das Spiel heute gegen die Fußballkünstler aus Ghana? Nicht abheben ist angesagt, sondern Erdverbundenheit. So schön das Spiel gegen Portugal anzusehen war: Nicht jeder Schubser führt zum Elfmeter, nicht jede Kopfberührung zur roten Karte für den Gegenspieler. Der Schiri-Bonus ist für diese WM womöglich aufgebraucht. Wenn aber Jerome Boateng Bruder Kevin-Prince die Show stiehlt, Kroos den Müller bedient und Klose ins Tor trifft, dann ist das Achtelfinale ganz nah – und die zweite Stufe zum Fußballthron erreicht.

Unter dem Motto „Jogis Buben in Gottes Stuben“ findet heute Abend um 20.15 Uhr ein Fußballgottesdienst mit Pastor Rainer Chinnow in der Friesenkapelle am Wenningstedter Dorfteich statt. Anschließend werden die Spiele auf der Großbildleinwand im Wenningstedter Pastorat übertragen

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