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Zoff um Strandsause : Party contra Küstenschutz

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Die Firma Bulgari lädt am Wochenende zu einer Party an den Südstrand Westerlands. Dafür wird dort - zum Entsetzen der Urlauber - seit vorgestern gebuddelt beziehungsweise gebaut. Während TSW-Chef Douven das Event verteidigt, wurde die Küstenschutzbehörde offenbar gar nicht informiert.

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erstellt am 31.Jul.2008 | 07:05 Uhr

Westerland | "Küstenschutz - bitte beachten Sie, dass der Bau von Strandburgen hier nicht gestattet ist..." Ein Schild mit diesem Aufdruck steht direkt an der Treppe des FKK-Strands im Süden Westerlands. Aber genau neben diesem Schild wird seit vorgestern eifrig gebaut - und zwar nicht nur eine Strandburg, sondern am Fuß der Düne ein kleines Zelt-Dorf. Grund: Die Firma Bulgari (Schmuck, Taschen, Hotels...), die jedes Jahr auf Sylt feiert, lädt am kommenden Wochenende um die 200 Personen zu einer Party mit Meeresblick.
Baufahrzeuge wühlten den Strand auf

Vermietete Strandkörbe wurden dafür beiseite geräumt, Arbeiter schoben mit Baufahrzeugen Sand zusammen, wühlten dabei den Strand, an dem Gäste badeten und Kinder spielten, auf.

"Da werden wir zu Spenden für den Küstenschutz aufgerufen und dann darf ein Unternehmen für eine private Party hier den Strand verwüsten", ärgern sich beispielsweise Urlauber wie Gudrun Richter aus Lörrach, Dieter und Christel Wolf aus Berlin, Klaus-Dieter Rausch aus Goslar oder auch Christel Poesdorf aus Bielefeld. Sie alle mieten seit vielen Jahren einen oder mehrere der insgesamt 89 Strandkörbe an dem betroffenen Abschnitt zwischen Campingplatz und Oase zur Sonne, beklagen seit Dienstag die Verletzung ihrer Intimsphäre ("Immerhin ist das hier ein FKK-Strand") und fragen sich, wer den Aufbau einer kompletten Party-Infrastruktur im sensiblen Küstenbereich wohl gestattet hat.
Warum nicht auf dem Parkplatz?

Frank Barten von der Unteren Küstenschutzbehörde in Husum war es jedenfalls nicht. Er sagt: "Ich weiß von diesem Event gar nichts, obwohl es nach den mir bisher vorliegenden Informationen eine genehmigungspflichtige Veranstaltung gemäß Paragraf 78, Landeswassergesetz, zu sein scheint." Diesem Paragrafen nach ist es verboten, in Dünen und auf Strandwällen "Anlagen jeder Art" zu errichten, Abgrabungen, Aufschüttungen und ähnliches vorzunehmen.

Genau deshalb versteht beispielsweise Monika Hubler aus Basel nicht, warum Veranstaltungen auf Sylt "immer noch toller, größer und näher am Wasser" sein müssten: "Warum baut Bulgari seine Zelte nicht auf dem Parkplatz in den Dünen auf? Da ist es schön, niemand würde gestört und es gäbe keine Probleme mit dem Natur- und Küstenschutz."
Als die Arbeiten anfingen, wurde ein Flugblatt verteilt

Gleichzeitig beklagt sie einen "gewissen Niedergang", den sie seit einigen Jahren auf Sylt beobachte: "Dazu passt, dass man Millionen zahlt, um die Insel zu erhalten, gleichzeitig aber solche Maßnahmen genehmigt und uns Urlauber, die wir Kurtaxe und Strandkorbmiete zahlen, vorher nicht einmal informiert."

Westerlands Tourismus-Direktor Peter Douven dagegen sagt, dass diese Information erfolgt sei und den Gästen ein Umsetzen ihrer Strandkörbe angeboten wurde. Eine Aussage, über die die Urlauber nur müde lächeln. Ingrid Ernst aus Bonn: "Als die Arbeiten angefangen hatten und wir uns beschwerten, wurde ein Flugblatt verteilt."
Gäste wurden am Strand abgekanzelt

Andere Gäste beklagen, von einem Mitarbeiter des Tourismus Services am Mittwoch am Strand abgekanzelt worden zu sein: "Man sagte uns, wir hätten hier gar keine Rechte und außerdem müsse auch die Kasse des Kurbetriebs stimmen."

Und was sagt man bei Bulgari? In einem Statement heißt es, die Veranstaltungsorte des Hauses würden sorgfältig geprüft, der betreffende Strandabschnitt sei als städtischer Veranstaltungsplatz ausgewiesen und für Entschädigungen der gestörten Urlauber habe der TSW Vorkehrungen getroffen.

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