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Sylter Rundschau

23. Oktober 2017 | 10:48 Uhr

Parkgewohnheiten

vom

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

"Ich hab Appetit auf was echt versautes", sagt ein Sylter Freund. Wir gucken uns an und schmettern wie aus einem Munde die wohl berühmtesten Fast-Food-Worte der Welt: Pommes und Burger. Mehr geht jetzt gar nicht. Für den Hunger zwischendurch, zwischen Mittag und Abendbrot. "Komm. Lass uns losfahren", ruft mein Kumpel und greift nach seinem Autoschlüssel. Zur Info: wir befinden uns in seiner Wohnung in Alt-Westerland. Ein Fußmarsch zur Innenstadt würde maximal fünf Minuten dauern. Niemand bei uns in Kiel würde jemals auf die Idee kommen, diese Strecke mit dem Auto zurück zu legen. Der Sylter ist da irgendwie anders. Immer rein ins Auto. Und immer rein ins Getümmel.

Minuten später biegen wir in die Käptn- Christiansen- Straße. Ich erlaube mir zu fragen, wo wir den bitteschön parken wollen? Es ist 16 Uhr, Hochsaison, noch dazu leichter Nieselregen, also absolute Shopping-Rush-Hour. Er schaut mich verständnislos an. "Hä? Ich verstehe die Frage nicht. Vor der Tür! Wir parken direkt vor der Tür. Wo denn sonst?" Das scheint er ernst zu meinen.

Ich bin sprachlos, als wir wirklich direkt vor dem Laden (oder sagt man Restaurant?) halten, und zwar in zweiter Reihe. Bedeutet in diesem Fall: mitten auf der Straße. (Unterschied Nummer zwei zu Kiel: keiner bei uns würde auf die Idee kommen, sich so hinzustellen.) "So kannst du unmöglich stehen bleiben. Da kommt kaum einer dran vorbei", rüge ich ihn. "Das ist normal hier auf der Insel. Das passt schon", antwortet er gelassen.

Der Laden ist mäßig gefüllt. Aus unserer Schlange sehe ich, wie sich die Passanten und Radfahrer an unserem Auto vorbeischlängeln. Ich bin mir sicher, gleich kommt die Polizei. Ich werde in den Sylter Knast wandern. Einzelzelle. Bei Wasser und Brot statt Milchshake und Pommes. Hilfe! Mein Kumpel schaut mich an. "Miri, entspann dich. Dir fehlt noch die Sylter Parkgelassenheit", stellt er grinsend fest. Stimmt genau. "Da", sage ich, "jetzt hupt auch noch einer".

Wir verlassen den Laden mit einer dicken braunen Tüte aus der es lecker duftet. Bloß schnell weg hier. Oh nein, auch das noch. Der "Huper" steigt aus seinem Auto. Er ist bestimmt auf 180... bis... "Ach nee, Alter, du bist das. Na?! Schön was von Mäcces zu schnabbulieren geholt? Lasst es euch schmecken. Und nun fahr mal deine Kutsche weg, damit ICH dort parken kann." Ohne Worte. Wir brausen davon. (Unterschied Nummer drei zu Kiel: hier hätten Sie mindestens das Hupkonzert des Jahrhunderts erlebt!)

Ein paar Tage später fahre ich morgens zum Sky-Markt in Tinnum. Ein Großeinkauf steht an. Ich bin extra früh aufgestanden, um vor dem großen Ansturm auf Laden, Kassen und vor allem Parkplatz fertig zu sein. Und siehe da: der Parkplatz ist noch gänzlich leer. Bis auf ein Auto. Es parkt direkt vor der Eingangstür und zwar quer. Und noch viel schlimmer: auf einem Behindertenparkplatz. Ich traue meinen Augen nicht. Das ist doch nicht..? Doch, es ist tatsächlich der Wagen meines Kumpels. Ich schieße mit meinem Handy ein Foto und schicke es ihm mit dem Wortlaut: "Was ist passiert?" Er antwortet sofort: "Hä?" Ich schreibe zurück: "Bist du verletzt? Dein Fahrzeug steht auf einem Behinderten-Parkplatz!!"

Sekunden später kommt mein Freund aus dem Laden gehetzt. "Ich war ja nur ganz kurz....". "Mir egal", antworte ich. "Behindertenparkplatz ist ein absolutes No-Go... auch auf Sylt". Er nickt einsichtig und reumütig. "Sorry, kommt nicht wieder vor. Ich wünsche dir einen schönen Einkauf. Ich muss noch kurz da rüber zur Apotheke, dann gehts nach Hause". Er zeigt auf die ca 30 Meter entfernte Apotheke ... und steigt in sein Auto.

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

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