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Wetterfühlige ausgepasst : Ostwind auf Sylt – Fluch oder Segen?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die SR hat sich umgehört und verschiedenste Antworten bekommen

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 06:17 Uhr

„Der Wind kommt von der falschen Seite“ oder „Was ist denn hier los? Sieht ja aus wie an der Ostsee“ – diese enttäuschten Sätze sind immer dann zu hören, wenn Gäste am Weststrand stehen, vor einer spiegelglatten See – bei Wind aus Ost.

Auch einige Sylter werden vom Ostwind regelmäßig auf dem falschen Fuß erwischt. Gerd P. Werner, Heilpraktiker aus Braderup, weiß: „Der Ostwind auf Sylt soll vergleichbar sein mit dem Föhn in München.“ Wetterfühlige Menschen können darauf mit Kopfschmerzen und Mattigkeit reagieren. Diesen rät der Heilpraktiker, sich zu schonen und die Tage ruhig angehen zu lassen. Der besondere Klimafaktor auf Sylt sei nicht zu unterschätzen. Höherer Blutdruck nach Ankunft auf der Insel oder vermehrte Schilddrüsensymptome durch die jodhaltige Luft seien häufig zu beobachten. Aber er ist trotzdem davon überzeugt, dass Sylt auch wie ein gutes Naturheilkundemittel wirken kann.

„Einleuchtend erscheint mir, dass der Ostwind die Pollen vom Festland in leicht gefilterter Form auf die Insel trägt“, erklärt der Sylter Allgemeinmediziner Felix Tragatschnig. Pollenallergiker könnten somit bei Ostwind verstärkt unter Symptomen leiden. Dass der Ostwind aber auch für andere Gebrechen verantwortlich sein könnte, daran zweifle er.

Yoga-Lehrerin Maren Schulz schwärmt von der Ruhe und der Sanftheit, die der Ostwind an den Weststrand bringt. „Ich meine, der Wind fördert das Gleichgewicht, weil die Ruhe da ist, sich nach innen zu kehren.“ Sie erlebe das besonders bei ihren Yoga-Schülern am Strand. Dass der Wind vom Festland Kopfschmerzen und Pollen mit sich bringe, habe sie ebenfalls schon von mehreren Seiten vernommen – dennoch steht für sie die positive Begleiterscheinung, die Ruhe, im Vordergrund.

Regelmäßig bei Ostwind haben es Insulaner und Gäste mit einer regelrechten Insekteninvasion zu tun. „Sie werden vom Festland rüber geweht und enden oft im Spülsaum liegend“, erklärt Rainer Borcherding, Biologe bei der Schutzstation Wattenmeer. Dabei seien es keinesfalls nur Insekten aus Niebüll oder anderen küstennahen Gebieten – die Tiere kommen aus ganz Schleswig-Holstein. Eine regelrechte Katastrophe für Millionen von liebestollen Insekten sei der Ostwind im Frühjahr. „Sie halten sich dann mit aller Kraft an jedem Grashalm fest und scheuen die große Wasserfläche der Nordsee.“

Wal-Sichtungen vor der Westküste sind bei Ostwind keine Seltenheit, weiß Diane Seidel vom Erlebniszentrum Naturgewalten. Die markante, dreieckige Rückenflosse sei bei ruhiger See deutlich zu erkennen, da es keine Wellen gebe, die Schatten werfen und das Auge des Betrachters stören. „Jetzt im Sommer halten sich Schweinswal-Mütter und ihre Kälber eher in Küstennähe auf, vermutlich, weil sie im ruhigeren Wasser besser Nahrung finden können.“ Wer die Meeressäuger entdeckt, sollte sich gern Ort, Zeit, Datum, Entfernung zur Küste und Notizen zum Verhalten aufschreiben und die Daten ans Erlebniszentrum per Mail schicken: info@naturgewalten-sylt.de.

Bis zum Wochenende bleibt der Ostwind laut übereinstimmender Wetterprognosen der Insel erhalten. In der Nacht zu Sonnabend beziehungsweise im Laufe des Sonnabends soll der Wind dann aber kurzzeitig auf Nord und anschließend auf West drehen und im Laufe der kommenden Woche dazu noch kräftig auffrischen.

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