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Ostern 1971: „Ein Gedränge wie in der Hochsaison“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Über 260 000 Menschen kamen im April 1971 nach Sylt / Doch nicht nur nette Touristen besuchten in diesem Jahr die Insel ...

Wie Sylt wurde, was es ist: In unserer Serie „Zurückgeblättert!“ lässt Autor Frank Deppe anhand von archivierten Zeitungsbänden die jüngere Vergangenheit der Insel wieder lebendig werden.

Sylt im April 1971. Die „Sylter Rundschau“ vermeldet eine neue Rekordzahl: Über 26 000 Gäste hätten die Insel über Ostern besucht – „die Fremdenverkehrsexperten Sylts sind sich darin einig, dass sie keinen so starken Besucherstrom wie in diesem Jahr registrierten“.

In Westerland, so die Zeitung weiter, „herrschte zeitweilig ein Gedränge wie in der Hochsaison. Man musste Glück haben, wenn man zur Mittags- oder Abendbrotzeit einen Parkplatz finden wollte.“ Reger Andrang auch auf den Autozügen: Diese transportierten 3200 Fahrzeuge – und damit 800 mehr als zu den Festtagen des Vorjahres – von Niebüll nach Westerland. Die Röm-Sylt-Linie setzte derweil gleich drei Fähren ein.

Doch nicht nur erwünschte Gäste kamen auf die Insel: Profi-Einbrecher suchten die Orte Westerland, Wenningstedt und Kampen heim. Ihr größter Coup: In der Westerländer Bismarckstraße brachen die Täter mittels einer Brechstange in ein Juweliergeschäft ein und räumten die Schaufenster aus. Wert der Beute: über 120 000 Mark.

Die Diebesbande hatte an der heißen Ware jedoch nicht lange Freude: In Hamburg wurden zwei Täter dingfest gemacht, zwei weitere Beteiligte waren noch flüchtig. Die vier Italiener wurden zudem verdächtigt, auch für Einbrüche in Kiel und Hamburg verantwortlich zu sein.

Keine gewieften Einbrecher, sondern harmlose Schmuggler deutlich kleineren Formats hatten indes die Zöllner am Lister Hafen im Visier. Doch eine Lockerung der Einfuhrbestimmungen machte die Fahrt mit der Fähre noch attraktiver. So durften künftig pro Person unter anderem zwei Schachteln Zigaretten, 50 Milliliter Parfüm und bis zu fünf Kilo Butter zollfrei eingekauft werden. Spirituosen blieben zum Leidwesen vieler Passagiere von dieser Regelung ausgeschlossen.

Doch nicht nur die Menschen suchten die Urlaubsinsel auf. Der Frühling machte sich auch im Rantum-Becken lautstark bemerkbar: Immer mehr Vögel trudelten ein. In den kommenden Wochen, so der Vogelwart des Vereins Jordsand, seien hier nahezu 60 Vogelarten versammelt, darunter so seltene Arten wie die Rohrweihe. Einige Vögel wurden zudem mit Netzen eingefangen, um diese zu beringen.

Personalien: Eine Ära geht zu Ende. 52 Jahre lang hatte Dr. Knud Ahlborn die heutige Heimvolkshochschule Klappholttal geleitet, wobei das ehemalige Barackenlager des Ersten Weltkriegs zunächst ein Refugium „für Deutschlands gebildete Jugend und im Herzen jung gebliebene Erwachsene“ darstellte. Nun folgte ihm in seinem Amt Dr. Manfred Wedemeyer, 39 Jahre alt, studierter Volkswirtschaftler.

Einen neuen Posten übernahm derweil Knud Ahlborns Sohn: Im Rahmen der Hauptversammlung der Kommunalen Wählervereinigung Kampen wählten die Mitglieder Dr. Thorwald Ahlborn zum neuen Vorsitzenden, der auf Max Knudsen folgte.

Grund zur Freude hatte auch der bekannte Künstler Siegward Sprotte. Er wurde von der internationalen Kunstvereinigung „Temple of Art“ zu einem ihrer handverlesenen Repräsentanten ernannt.

Und sonst? Auch ein populärer Schauspieler mischte sich unter die Ostergäste. Die „Sylter Rundschau“ notierte „Wenn sich Willy Millowitsch in der Öffentlichkeit zeigte, wurde er sofort erkannt und von zahlreichen Schaulustigen eingekesselt.“

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