Sylter Köpfe : „Ohne Teppiche wäre es langweilig“

Mehran Soltani-Farschi  zeigt stolz einen kleinen Zierteppich.
Mehran Soltani-Farschi zeigt stolz einen kleinen Zierteppich.

Ein bewegtes Leben hat den Iraner Mehran Soltani-Farschi nach Sylt geführt.

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11. Juni 2019, 12:02 Uhr

Westerland | Durch Zufall sei er auf die Insel gekommen, erzählt Mehran Soltani-Farschi. „Vielleicht um Sie kennenzulernen“, fügt er augenzwinkernd hinzu. Soltani-Farschi hat einen Kaffeebecher vor sich stehen, daneben liegt sein Handy, das immer mal wieder klingelt – wofür er sich auch stets freundlich entschuldigt. Er ist nun mal ein viel beschäftigter Mann.


Teppiche sind seine Leidenschaft

Soltani-Farschi bedeutet im Persischen „Der König der Teppiche“, erklärt er. Ein Nachname, der zu dem Mann mit den freundlichen Augen passt wie kein zweiter. „Mein Name ist überall bekannt“, sagt er. Denn neben dem kleinen Teppichladen in der Bismarckstraße, besitzt der Teppichhändler deutschlandweit eine Vielzahl an Geschäften. Bereits in der vierten Generation vertreibt der 55-Jährige Orientteppiche. Die Leidenschaft dafür habe er schon „mit der Muttermilch aufgesogen“, wie er sagt. Schon als kleiner Junge hilft Mehran dem Vater im Familienbetrieb in seiner Heimat, dem Iran.


Seit 120 Jahren im Geschäft

Dann wird der Schah in Persien gestürzt, übernehmen Ajatollah Khomeini und seine Mitstreiter die Macht, rufen die „iranische Revolution“ und die „Islamische Republik“ aus . Soltani-Farschi ist da 16 Jahre alt . Er verlässt das Land und zieht gemeinsam mit einem Teil der Familie nach Frankfurt, wo er Anfang der achtziger Jahre in den Großhandel seines Vaters einsteigt.

Im Jahr 1994 macht sich Mehran im Einzelhandel selbstständig. Er erinnert sich, wie er einmal ein Mädchen aus Würzburg beeindrucken wollte und ihr erzählte, dass er in der Nähe ihrer Stadt einen Laden habe. „Hatte ich gar nicht“, lacht er. „Aber dann habe ich eben einen dort aufgemacht.“


Im Besitz von über 5000 Teppichen

Knapp fünf Jahre später nehmen seine Teppiche in Scharbeutz ganze 1000 Quadratmeter Ladenfläche ein. Insgesamt befinden sich über 5000 Schätze im Besitz des 55-Jährigen, der sich mit seinen Teppichen mittlerweile europaweit einen Namen gemacht hat.

Studiert hat Mehran Soltani-Farschi in Italien: Innenarchitektur. Erzählt er davon, beginnt er zu lächeln:„Ich liebe Italien über alles“, sagt er dann. Er zeigt Bilder seiner Terrasse in Scharbeutz, wo er mit seiner Familie lebt: Begeistert erzählt er von seinem Zitronenbaum in der Ecke der Terrasse und dem kleinen „Lavendelfeld“ neben dran, von den Weintrauben, die über der Terrasse entlang wuchern und seinem mediterranen Steingrill. Es ist ein Stück Italien, nur für ihn.

Gerade einmal 30 Quadratmeter Ladenflächen füllt der Iraner auf Sylt; es ist sein kleinster Laden. Hier sitzt er und wartet auf Kundschaft, um die feinen Handarbeiten an den Mann zu bringen. Seine Mutter habe ihm stets geraten zu untertreiben – und diese Philosophie hat er verinnerlicht. „Ich will die Leute nicht mit Worten überzeugen“, sagt Mehran Soltani-Farschi. „Ich will, dass meine Teppiche überzeugen.“ Und das klappt, sein Sylter Laden läuft gut: „Ich bin gerne hier und habe guten Erfolg hier“, freut er sich.


Auf Sylt findet sich gute Kundschaft

Es sei die „Qualitätsgeneration“, wie Soltani-Farschi sagt, die hier auf Sylt vertreten sei. Menschen, die Luxusgüter wie Orientteppiche und Meißner Porzellan zu schätzen wüssten. Sylter, Gäste und Zweitwohnungsbesitzer kommen gerne vorbei – und meist verlassen sie den Laden mit einem Teppich. „Drei große Teppiche habe ich diese Woche schon verkauft“, erzählt der gebürtiger Iraner freudig.

Besonders stolz ist der 55-Jährige auf einen kleinen Zierteppich, der auffallend fein gearbeitet ist: 12 Millionen Knoten pro Quadratmeter hat dieser Teppich, erklärt Mehran Soltani-Farschi. Die meisten anderen hätten „nur eine Millionen Knoten pro Quadratmeter“.

Dann wird der umtriebige Teppichhändler nachdenklich. Früher habe er zu viel gearbeitet, das wisse er. Doch die Arbeit liegt ihm im Blut, er arbeitet gerne. Auch jetzt, ein Jahr nach seinem Schlaganfall ist an ein Aufhören nicht zu denken.„Ohne Teppiche wäre es ja auch langweilig“, so der Unternehmer. Er ist sich sicher:„Ich werde arbeiten, bis ich tot umfalle“. Dennoch sei im vergangenen Jahr einiges anders geworden:„Ich denke zwei mal über etwas nach, bevor ich es tue“, erzählt er. Langsamer sei er geworden.


Die Ruhe findet man am Meer

Mehran Soltani-Farschi ist mal hier auf der Insel, mal in Scharbeutz bei Frau und Kindern. Immer so, wie es gerade am besten passt. Gerne nimmt er sich Zeit für die kleine Tochter und spielt mit ihr. „Ich bin im Kopf immer noch ein Kind“, gibt er zu – für jeden Spaß zu haben. Doch heute sucht er vermehrt Ruhe. Man hat den Eindruck, er findet sie am Meer – ob an der Ostsee oder an der Nordsee auf Sylt scheint ganz egal zu sein.

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