Schulzentrum Sylt : „Ohne Mobbing ist die Welt schöner!”

Gemeinsam machen sich die 5. Klassen stark gegen Mobbing in der Schule
Gemeinsam machen sich die 5. Klassen stark gegen Mobbing in der Schule

Schulsozialarbeiter lassen am Schulzentrum Sylt Anti-Mobbing-Mauer bauen.

shz.de von
28. Mai 2018, 05:30 Uhr

Es gibt zwar keine allgemein anerkannte Definition von Mobbing, doch jeder weiß, was damit gemeint ist. „To mob” heißt so viel wie „anpöbeln” und bezeichnet böswilliges Verhalten, das allein darauf ausgerichtet ist, andere Menschen bewusst fertig zu machen. Es bedeutet auch ständige Schikane, Diskreditierung und Diskriminierung – sei es am Arbeitsplatz oder in der Schule.

Gerade im Schulalltag gehören kleine Reibereien auf dem Pausenhof dazu. „Dass ein Schüler häufig geärgert wird, bedeutet aber nicht gleich, dass er gemobbt wird”, gibt Schulsozialarbeiterin Alexandra Berendes zu bedenken. „Zum Mobbing wird das Ganze erst, wenn das Opfer über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder attackiert wird, wenn sich die Intensität steigert und das Opfer leidet.” Das Leiden ist dabei immer psychischer Art und manchmal wird daraus auch noch zusätzliches physisches Leid. Denn nicht selten wird über die verbalen Attacken hinaus auch körperliche Gewalt zum Einsatz gebracht, um einen Menschen in seiner Würde zu verletzen. Geschichten über Schüler, die mit dem Kopf in die Schultoilette getaucht oder im Schrank eingesperrt wurden, sind auch an deutschen Schulen keine Ausnahme. „Mobbing zieht sich durch alle sozialen Schichten und Altersklassen und es beginnt immer früher”, weiß Alexandra Berendes aus Erfahrung. „Außerdem werden Kinder immer früher mit Smartphones ausgestattet und werden somit auch mit einer weiteren Form des Mobbings konfrontiert nämlich mit dem Cyber-Mobbing, bei dem die Schikane über die digitalen Kanäle des Internets und der WhatsApp-Gruppen verläuft.”

Nach dem Sozialen Training kleben die Schüler ihre Mauersteine an die Wand.
Nach dem Sozialen Training kleben die Schüler ihre Mauersteine an die Wand.

Um bereits die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft stark zu machen gegen Anfeindungen aller Art, hat das Schulzentrum Sylt ein Anti-Mobbing-Projekt für alle 5.Klassen etabliert. Im Rahmen des Sozialen Trainings wird ein Mal pro Woche über kritische Themen, wie Medienkonsum, Alkohol oder Drogen gesprochen und natürlich auch über Mobbing. „Dabei machen wir den Kindern und Jugendlichen auch klar, dass Mobbing eine Straftat ist, die in schweren Fällen auch angezeigt werden kann”, so Berendes. Gemeinsam mit ihren Kollegen aus dem „Holzhaus”, Agniezka Seeger und Peer Claußen, wurde in den letzten acht Wochen mit allen Fünftklässlern an einer Anti-Mobbing-Mauer gearbeitet, die am vergangenen Freitag fertig gestellt wurde.
Rund 100 Mauersteine aus Papier, zieren nun die Wand des Holzhauses und machen deutlich, was die Kids nach ihrem Training von Mobbing halten: „Mobbing ist Scheiße”, „Stoppt Mobbing!”, „Ohne Mobbing ist die Welt schöner”, „Mobbing ist sinnlos und verletzt Menschen” ist dort an der Wand zu lesen. „Schau nicht weg, sondern hilf!”, schrieb Leon auf seinen Mauerstein und ein anderer Schüler schrieb: „Stellt euch vor das Opfer und haltet den Täter auf!” Denn das beherzte Eingreifen und Helfen ist die beste Möglichkeit, um Mobbing gar nicht erst entstehen zu lassen. „Das erfordert eine gewisse Achtsamkeit im Umgang miteinander und natürlich ganz viel Mut, denn manchmal muss man einfach gegen den Strom schwimmen und sich schützend vor das Opfer stellen”, so Alexandra Berendes.

Peer Claußen, Agniezka Seeger und Alexandra Berendes machen die Kids der 5. Klasse stark gegen Mobbing.
Peer Claußen, Agniezka Seeger und Alexandra Berendes machen die Kids der 5. Klasse stark gegen Mobbing.

Und tatsächlich zeigen sich die Schüler nach dem Projekt sichtlich gestärkt, selbstbewusster, sensibler und hilfsbereiter und bringen Mobbing-Versuche meist direkt zur Anzeige. „Das ist natürlich keine offizielle Anzeige”, so die Schulsozialarbeiterin, „die Kinder kommen zu uns oder zu den Lehrern und berichten uns von Vorfällen, die wir dann im Auge behalten können”. Mobbing kann durchaus zur Straftat werden, nämlich dann, wenn die Handlungen schwere Formen von Körperverletzung, Beleidigung, Verleumdung oder Nötigung zeigen, was laut Strafgesetzbuch rechtlich verfolgt werden kann. Peer Claußen fügt hinzu: „So weit muss es aber nicht kommen. Jeder kann helfen, jeder kann sich stark machen für Schwächere und daran haben wir mit den Kindern gearbeitet. Helfen geht sogar ganz anonym, denn wir haben für solche Zwecke einen Briefkasten, in den man uns Nachrichten zukommen lassen kann, ohne sich selbst erkennen geben zu müssen.”

Bleibt nur zu hoffen, dass der Schulhof Dank dieser Maßnahmen bald wieder zur Mobbing-freien Zone wird…



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