"Oft wusste ich nicht, woher eine Melodie kam"

Klaus Hoffmann tritt am 10. August im Meerkabarett auf. Foto: Malene
Klaus Hoffmann tritt am 10. August im Meerkabarett auf. Foto: Malene

Eine Begegnung mit dem Sänger, Schauspieler und Poeten Klaus Hoffmann, der demnächst im Sylter Meerkabarett auftritt

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20. Juli 2013, 04:59 Uhr

kampen | Die Sonne hat sein Gesicht leicht gerötet, die Zeit am Strand ihn entspannt. Sylt ist für Klaus Hoffmann Fluchtpunkt, Inspiration, Erinnerung an Jugendtage, Begegnung mit Freunden wie Reinhard Mey. Wir treffen uns im Kampener Kult-Lokal Manne Pahl. Es ist Jahre her, dass wir uns schon mal zum Interview trafen. Vielleicht sind es zehn Jahre, vielleicht auch mehr. Doch wir treffen uns wie zwei, die sich häufiger sehen, gern mit einander plaudern. "Wir haben uns damals geduzt", erinnert sich Klaus Hoffmann. Also bleiben wir dabei. Nicht kumpelhaft, sondern vertraut.

Mir wird schnell klar: Ein Frage-Antwortspiel wird dies hier nicht. Ein anregendes Gespräch vielleicht. "Wir müssten uns eigentlich beständig darüber unterhalten. So wie die Franzosen, beim Wein, im Strandkorb in der Kneipe". Klaus Hoffmann meint die Endlichkeit. Den schwierigen Umgang mit der Tatsache, dass wir sterben müssen, dass geliebte Menschen tot sind, für uns nicht mehr erreichbar, "dass wir einander nicht mehr wiedersehen".

Pathos, Theatralik, die große Gesten, aber auch die leisen Töne, die nachdenklichen Texte und die heiteren, die Ironie und die Melancholie werden bei Hoffmann zu Liedern, die mit Band, Orchester oder nur mit einfühlsamen Klavierbegleitung seines musikalischen Leiters und Freund Hawo Bleich ihren ganz eigenen Sog entwickeln. Als 1975 sein erstes Album erscheint, überraschte die Melange auch weil Liedermacher eigentlich solche waren, die mit politischen Texten die Zeitstimmung aufgriffen. Man war links und trug die Gesinnung deutlich vor. Hoffmann wurde zum Vertreter einer neuen Romantik. "Für das Innere haben sie mir immer eine geklatscht. Aber sie konnten nicht so viel klatschen, weil ich auf der Bühne zu überzeugend war in meiner Traurigkeit, meiner Sentimentalität, in meinen Gefühlen."

Der Rückblick auf die Anfänge geht weit zurück. "Der Schlüssel für alles liegt in der Kindheit". In seiner im vergangenen Jahr erschienenen Autobiografie "Als wenn es gar nichts wär" begegnet man dem Klaus Hoffmann, der in Berlin als vom Kino besessenes, schüchternes Einzelkind in kleinbürgerlichen Verhältnissen aufwächst, denen er entkommen will. "Ich war ein einsames Kind. Ich war der Junge, der sich selbst erzog, wie meine Mutter mir einmal sagte. Meine Einsamkeit machte mir nichts aus. Im Gegenteil, sie war meine Verbündete und deshalb nicht unangenehm. Erst nach Vaters Tod wurde sie für mich bedrohlich." Hoffmann ist noch keine zehn Jahre alt als der Vater stirbt.

"Die Stille nach seinem Tod ertrug ich nicht. Ich gewöhnte mich daran, sie zu füllen, mit seiner Stimme, seinem Lachen, seinem Gesicht - und mit Musik. Oft wusste ich nicht, woher eine Melodie kam", schreibt der heute 62-Jährige in seiner sehr aufrichtigen Selbstbetrachtung. Doch bevor er als Musiker bekannt wird, wird er es als Schauspieler. Für seine Rolle in der Verfilmung des Ulrich Plenzdorf Romans "Die neuen Leiden des jungen W." wurde er 1974 mit dem "Bambi" und der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet. Dann erfand er für sich "die Rolle des Sängers". Es ist sein Weg, auf der Bühne zu bleiben. Bis heute bekommt er Rollenangebote. Meistens lehnt er ab, weil "nach all den TV- und Filmrollen bis heute nichts dabei war." Aber er wartet noch "würde gern wieder drehen". Den alternden Sänger Phillip aus seinem dritten Roman "Phillip und die Frauen", könnte er sich vorstellen. "Was ich sonst gern spielen würde? Gangster, Ärzte und Priester."

Das Aufnahmegerät läuft, aber es wird kein Interview. Wir plaudern, tauchen immer wieder gemeinsam ab in Betrachtungen über Literatur, Vorbilder und Lebensläufe, tasten ab, welche Musik einem gefällt, welche Romane und Gedichte, sind bei den Beatles, David Bowie und Rod Stewart, bei Hermann Hesse, Franz Kafka und Rainer Maria Rilke. "Ich glaube, ich bin ein meandernder Vielredner. Das darfst du aber nicht als Headline nehmen. Aber ich bin manisch. Ich rede auch sehr gern - auch viel drum rum." Schreiben ist das Gegengewicht, die innere Einkehr. "Aber das verinselt leider auch so, dass man dich da kaum wieder raus bekommt."

Es waren "die Männer in den Anzügen", die ihn früh faszinierten, ihn animierten, als Sänger der Bühne treu zu bleiben. Jacques Brel und Charles Aznavour sind zwei von ihnen. "So fing es mal an vor 40 Jahren. Und jetzt singe ich immer noch diese komischen Texte, von denen die in der Plattenfirma damals sagten: Er neigt zu philosophischen Betrachtungen". Seine Fans feiern ihn als Sänger, der mit seinen Texten und seiner Musik eine Atmosphäre erzeugt, die ebenso nachdenklich stimmt, wie sie es vermag, einen beschwingt zu entlassen. "Was würde ich ändern wollen? Gar nichts!" Das heißt für Klaus Hoffmann auch, dass er seine Kindheit nicht ändern wollte. Nicht den Schmerz über Verlust, die Trauer und den Drang weg zu wollen. "Mein Leben lang habe ich versuche, die Lücke zu schließen, die der frühe Tod meines Vaters hinterlassen hat. Es gelingt mir manchmal, meistens aber nicht. Am besten, man versucht es erst gar nicht, dann ist es gut, so wie es ist."

Klaus Hoffmann tritt in Begleitung mit seinem Pianisten Hawo Bleich am 10. August im Meerkabarett Sylt mit seinem Programm "Als wenn es gar nichts wär" auf. Unter dem Titel ist auch seine Autobiografie (Ullstein-Verlag) und seine CD als Live-Mitschnitt aus dem Hamburger Thalia Theater erschienen

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