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Offshore-Windpark vor Sylt : „Ökonomischer und ökologischer Blödsinn“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das am Wochenende vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) veröffentlichte Gutachten gegen den Offshore-Windpark Butendiek bestärkt Sylter Gegner in ihrer Kritik. Neben den Naturschutzbedenken sehen sie auch große Gefahren für die Schifffahrt.

Der erneute Vorstoß des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) gegen den in Sichtweite vor Sylt geplanten Offshore-Windpark Butendiek ist Wasser auf die Mühlen der Sylter Butendiek-Gegner. Wie berichtet, hat der Nabu ein Gutachten vorgelegt, das im Falle Butendieks eklatante Verstöße gegen Naturschutzrecht aufzeigt, und eine erneute Klage in Erwägung gezogen. „Wir würden uns sehr freuen, wenn sich der Windpark vor unserer Haustür noch verhindern ließe, nachdem unsere Klage damals vom Gericht abgeschmettert wurde“, sagte Kampens Bürgermeisterin Steffi Böhm.

Nachdem Butendiek Ende 2002 genehmigt worden war, hatte die Gemeinde Kampen 2003 beim Verwaltungsgericht Hamburg Klage gegen die Entscheidung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie eingereicht, die – wie die Klagen von Nabu und Bund – als unzulässig abgewiesen wurde. An der Haltung Kampens gegenüber dem nur 34 Kilometer entfernten Windpark, mit dessen Bau nach jahrelangen Verzögerungen in diesem Frühjahr begonnen werden soll, hat sich seither nichts geändert: Böhm: „Wir halten die Gefahren für die Tierwelt, die Schifffahrt und damit auch für unsere Insel für zu groß. Das Ganze ist einfach nicht ausgereift.“

Nachdem der Windpark vor der Sylter Westküste vor zehn Jahren auf der Insel sehr kontrovers und leidenschaftlich diskutiert wurde, ist es seit einigen Jahren ruhig um das Thema geworden. Seitdem fest steht, dass die Kabeltrasse nicht über die Insel, sondern nach Büsum führen wird, haben sich auch keine politischen Gremien mehr mit Butendiek beschäftigt. Zuvor versprach man sich vor allem in Westerland von einer direkten Anbindung wirtschaftliche Vorteile, während die damaligen Amtsgemeinden versuchten, die Kabeltrasse zu verhindern.

Als einziger aktiver Gegner ist bis heute der Verein Gegenwind übrig geblieben. Dessen Vorsitzender, Dr. Hans-Joachim Zielinski, kritisierte den jüngsten Nabu-Vorstoß als „reichlich spät“, zumal die Fakten des Gutachtens nicht überraschend, sondern seit 2011 bekannt seien. „Die größere Katastrophe ist aus unserer Sicht jedoch die laxe Handhabung der Abstände zu Schifffahrtswegen. Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis der erste Tanker mit so einem Windkraftwerk kollidiert.“ Aus diesem Grunde werde sein Verein auch weiterhin gegen den „ökonomischen und ökologischen Blödsinn“ kämpfen. Die realistischste Chance, dass Butendiek nicht gebaut wird, sieht Zielinski darin, dass die Betreiber an der Finanzierung des 700-Millionen-Euro-Objektes scheitern. „Auch wenn es für mich erschreckend ist, das etwas am Geld scheitert und nicht an der Vernunft der Menschen.“

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erstellt am 04.Feb.2014 | 06:00 Uhr

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