Ökologie, Ökonomie und Humanität

Unter dem Motto „Im Zeichen der Nachhaltigkeit“ fand in dieser Woche die Sylter Gastromesse statt / Podiumsdiskussion zum Thema Nachhaltigkeit

Avatar_shz von
21. Februar 2019, 11:12 Uhr

Was bedeutet nachhaltig leben? Muss man dafür vegan leben, Deo selbst herstellen und eine Bambuszahnbürste benutzen?

Nachhaltigkeit fängt beim Konsumverhalten des Menschen an. Es hilft unnötige Plastikverpackungen zu vermeiden und beim Kauf des Duschgel darauf zu achten, dass kein Mikroplastik enthalten ist. Liegt Müll am Strand kann man diesen aufheben und wegwerfen. Doch wie verhält es sich mit der Nachhaltigkeit in der Gastronomie? Wie nachhaltig sind die Sylter, Gäste und Gastronomen?

Vergangenen Dienstag fand genau zu diesem Thema im rahmen der diesjährigen Gastromesse eine Podiumsdiskussion statt. Teilnehmer waren der Meeresbiologe Wolfgang Götze, Hotelier Andreas Tedsen, Gastronom Jens Lund und Bloggerin Louisa Dellert. Ziel der Veranstaltung war es das Thema „Nachhaltigkeit“ Aus Sicht des Konsumenten, des Vertreibers und des Erzeugers zu beleuchten. Den Einstieg macht Louisa Dellert: Die Autorin des Buches „Mein Herz schlägt grün“ erklärt, dass es nicht darum ginge zu 100 Prozent „ grün zu leben“, das sei unmöglich. Sonder darum, dass man sich seiner Verantwortung bewusst werde und Nachhaltigkeit dort einbaue, wo es passt. In der Runde gilt Dellert als „Sprachrohr der jungen Generation“. Sie erreicht über 300 000 Menschen über die Social Media App Instagram, weitere 80 000 lesen monatlich ihren Blog. „Viele meiner Leser zeigen sich sehr engagiert und fragen, was sie tun können, um nachhaltiger zu leben“ – sie schätzt, dass besonders die jüngeren Generationen sich ihrer Verantwortung für die Umwelt immer mehr bewusst werden und aktiv etwas zur Erhaltung des Planeten beisteuern.

Wolfgang Götze stimmt ihr in diesem Punkt zu. der studierte Meeresbiologe gilt als Impulgeber der feinheimisch e.V. und somit Verfechter von der Herstellung nachhaltiger und faierer Lebensmittel. „Wenn man sich mal die Statistiken anschaut, dann legen weit über 50% der jungen Menschen Wert auf nachhaltigkeit. Ander ist es bei der Generation Ü40 – da sind über 50% der Meinung, dass Nachhaltigkeit sie nichts angeht“. Auf die Frage, ob es denn schon „fünf vor zwölf“ sei, antwortet Götze, dass es längst 12 Uhr ist. Auch wenn wir jetzt aufhören Plastikmüll zu produzieren und den CO2 Ausstoß verringern würden – mit den Folgen werden wir auch noch in 30 Jahren zu kämpfen haben, da ist sich Götze sicher. „Wir müssen jetzt etwas tun! Es ist schön, dass die jungen Leute privat so engagiert sind, doch es wird Zeit, dass sie politisch werden. Anders können sie die Situation nur bedingt ändern“.

Dellert und Götze sehen die Verantwortung bei der Gastronomie – es sei der Job des jeweiligen Gastronoms die Gäste zu „erziehen“ und als Vorbild voran zugehen.

Gastronom Jens Lund, der in Hörnum das Cafe Lund führt und damit Teil des ReCup-Projekts ist erklärt, dass es nicht nur eine Frage des Wollens sei. Besonders auf sylt sei es in der gastronomie schwer immer nachhaltig zu sein, da man abhängig von Lieferanten und herstellern ist „Im Sommer bekomme ich manchmal einfach keine frische Biomilch oder Sahne und dann bin ich gezwungen auf weniger nachhaltige Produkte zurückzugreifen“ Das ist für ihn jedoch kein Grund dne Kopf in den sand zu stecken. Lund lege Wert darauf, den Betrieb so zu führen, dass er es vor sich selbst verantworten könne. „Rein wirtschaftlich ist unser Biozertifikat nicht nötig, es ist mir aber wichtig, dass ich möglichst nachhaltige Produkte vertreibe.“

„Ein reines Biorestaurant ist auf Sylt einfach nicht möglich“.

Für Tedsen bedeutet Nachhaltigkeit vor allem eines: Ökonomie, Ökologie und Humanität.

Im Gegensatz zu seinen drei Mitrednern bezweifelt er allerdings, dass Gäste bereit sind für nachhaltige Nahrung mehr zu zahlen.

Götze „Nachhaltigkeit bedeutet auch Gerechtigkeit und das wiederum heißt wir brauchen auch faire Preise.“

Ökologisierung der konventionellen Landwirtschaft

Ein weiteres Problem sehen die Beteiligten darin, dass viele Bestandteile des großen Themas Nachhaltigkeit nicht greifbar seien. „Klar, Berge von Plastik kann man in den Medien gut ablichten, aber der CO2 Ausstoß lässt sich bildlich nicht so schön verdeutlichen und ist daher in den Medien auch weniger präsent“ so Dellert. Fragen, die wir uns stellen müssten seien unter anderem auch wie man Häuser, Luft- und Straßenverkehr nachhaltiger gestalten könne.

Eine Maßnahme sei mehr Transparenz.

Tedsen „Gastronomie und Hotelerie werden auch in zehn Jahren noch Spaß machen. Wichtig ist nur, dass wir auf beiden Seiten menschlich bleiben„.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert