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Ehemaliger Militärflughafen auf Sylt : Ökokonzept trotz Bürgerbegehren

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das Gelände des Fliegerhorstes soll renaturiert werden. Umweltausschuss beschließt Entwicklungspläne.

von
erstellt am 07.Apr.2016 | 05:30 Uhr

Trotz des Bürgerbegehrens zum Erhalt der Hallen 25 und 28 soll die Renaturierung des Marinefliegerhorstes wie geplant fortgesetzt werden. Mit knapper Mehrheit hat der Umweltausschuss der Gemeinde Sylt am Montagabend ein Landschaftsentwicklungskonzept (LEK) für das ehemalige Militärgelände am Sylter Flughafen beschlossen. Den Gemeindevertretern wurde empfohlen, dem Vorschlag zu folgen und dafür – über die bereits verwendeten 250  000 Euro hinaus – bis 2018 weitere Haushaltsmittel in Höhe von einer dreiviertel Million Euro bereitzustellen.

Auf Antrag von Manfred Uekermann (CDU) wurde in den Beschlussvorschlag allerdings ein Vorbehalt aufgenommen. Demnach muss bei einem Votum über das LEK berücksichtigt werden, wie sich das oberste Gremium der Sylter Politik zu den Zielen des Bürgerbegehrens verhält. Darüber soll bereits auf der Sitzung am 21. April beraten werden: Entweder folgen die Gemeindevertreter dem Willen der Unterzeichner und bringen eine Bauleitplanung mit dem Ziel auf den Weg, die Hallen sowie das Vorfeld dauerhaft zu erhalten. Oder es kommt zu einem Bürgerentscheid, bei dem die Wahlberechtigten der Gemeinde Sylt noch im Sommer dieses Jahres an die Urnen und um ein Ja oder Nein zu der heftig umstrittenen Frage einer weiteren Nutzung der Katastrophenschutzhalle gebeten werden – siehe auch Artikel unten auf dieser Seite.

 

Deshalb wies Umweltamtschefin Ruth Weirup während ihrer Erläuterungen zu dem umfangreichen, 60 A4-Seiten umfassenden Konzept immer wieder ausdrücklich darauf hin, dass das Areal der beiden Hallen und des Vorfelds bislang in den Planungen der Landschaftsentwicklung nicht enthalten sei. Der überwiegende Teil der Flächen auf dem knapp 32 Hektar großen Gelände soll künftig im Sinne eines nachhaltigen Naturschutzes bewirtschaftet und teilweise auch für die Bevölkerung zugängig gemacht werden: Zwei größere Bereiche sollen als extensive Weidefläche genutzt, zwei in der Mitte gelegene Waldflächen sollen vergrößert werden.

Ursprünglich war dieser zentrale Bereich der Insel eine „bewegte Landschaft“, die aber besonders durch die Bundeswehr stark eingeebnet wurde und dadurch deutlich an Strukturreichtum verloren hat, heißt es in dem Konzept. Vorgesehen sei deshalb, das natürliche Relief durch dünenartigen Hügel und so genannte Verwallungen auf dem Gelände zumindest teilweise wiederherzustellen. Auch hier wird offensichtlich davon ausgegangen, dass das Bürgerbegehren Wirkung zeigen könnte: Denn die Wälle sollen außerdem als „Sichtverschattung“ für die noch auf dem Fliegerhorst stehenden Gebäude dienen – außer den Hallen 25 und 28 in der Mitte des früheren Militärflughafens betrifft das auch die Sporthalle im Norden.

Auf den „wilden Weideflächen“ im Nordosten und im Süden sollen Robustrinder angesiedelt und beide Bereiche durch einen Viehtunnel aus Beton miteinander verbunden werden. Damit würde ein weitläufiger Beweidungskomplex von fast 25 Hektar entstehen. Auch an die Wanderung von Amphibien wurde gedacht: Im See auf dem benachbarten Golfplatz leben Erdkröten und Moorfrösche, erläuterte Ruth Weirup. Deshalb soll dort unter dem Zaun ein Zugang zum Fliegerhorst geschaffen werden. Probleme könnte es jedoch mit den vierbeinigen Begleitern der Besucher des künftigen „Ökoparks Sylt“ geben: „Freilaufende Rinder ja, Hunde aber nein – das Naturschutzgebiet soll kein neuer Hundeplatz werden“, forderte Roland Klockenhoff, der Vorsitzende der Sylter Naturschutzgemeinschaft. Auch die Frage, ob außer Spaziergängern und Radfahrern künftig Reiter mit ihren Pferden das renaturierte Areal durchqueren dürfen, ist bislang ungeklärt.

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