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Fliegerhorst auf Sylt : Ökokonto der Gemeinde gesperrt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bei der Debatte um die Ablagerungen von Erd- und Bauschutt auf dem Fliegerhorstgelände meldet sich nun die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland zu Wort.

Bei der Debatte um die Ablagerungen von Erd- und Bauschutt auf dem Fliegerhorstgelände meldet sich nun die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Nordfriesland zu Wort.

Auf Anfrage der Sylter Rundschau teilte die UNB Details zu einer Begehung der Flächen auf dem Marinefliegerhorst mit, die Anfang 2015 stattgefunden hat. Die Ergebnisse dieser Begehung sind offenbar der entscheidende Auslöser für die aktuellen Auseinandersetzungen zwischen Verwaltung und Politik, bei der es auch darum geht, dass die erhofften Einnahmen der Gemeinde über das so genannte Ökokonto (siehe Infokasten) durch die Ablagerungen drastisch geringer ausfielen als erwartet. Festgestellt wurde durch die Fachaufsicht, dass auf geschützten Biotopflächen und auf einem Teil der als Ökokonto der Gemeinde Sylt ausgewiesenen Flächen Erdaushub von Baustellen mit einem geringen Anteil an Bauschutt ausgebracht wurde. An manchen Stellen wurde das Bodenniveau dadurch um geschätzte anderthalb Meter angehoben.

Die Naturschutzbehörde kündigt an, dass die Gemeinde aufgefordert wird, den ursprünglichen Zustand des Geländes wiederherzustellen. Darüber hinaus weist die UNB darauf hin, dass das Gelände in einem Wasserschutzgebiet liegt.

„Wir gehen zwar davon aus, dass keine wassergefährdenden Stoffe ausgebracht worden sind, aber sicherheitshalber muss auch diese Frage geprüft werden“, teilte ein Behördensprecher mit. Diese Prüfung könne dazu führen, dass auch die Aufschüttungen auf den Restflächen entfernt werden müssen. Der Kreis hat der Gemeinde den Verkauf weiterer Ökopunkte so lange untersagt, bis der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt ist.

Offen blieben gestern die Fragen, warum das Tiefbauamt der Gemeinde auf dem Gelände überhaupt Erdaushub und Bauschutt ablagern ließ, obwohl dies dem Ökopunkte-Konzept widerspricht und auch, welchen finanziellen Schaden die Gemeinde davonträgt. Ob das Vorgefallene auf eine mangelnde Absprache zwischen Tiefbau- und Umweltamt zurückzuführen ist und ob es sich um den Alleingang einzelner Mitarbeiter handelt, dazu nahm Petra Reiber gestern keine Stellung. Sie befrage momentan Mitarbeiter und werde einen Gesamtbericht zu der Thematik erstellen, so die Bürgermeisterin .

Info: Was ist ein Ökokonto?

 Die Naturschutzgesetze des Bundes und der Länder schreiben vor, dass bei allen Eingriffen in Natur und Landschaft – zum Beispiel durch Bauarbeiten oder Versiegelungen – Ausgleichsmaßnahmen fällig werden.   Als Ökokonto wird die gezielte Bevorratung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen bezeichnet, die bei späteren Eingriffen in Natur und Landschaft als Kompensationsmaßnahmen angerechnet werden können. Im Rahmen eines gemeindlichen „Ökokontos“ werden Flächen in Form von „Ökopunkten“ gehandelt, die jeder Bauherr  erwerben muss, der an anderer Stelle Naturflächen vernichtet. Für jedes Bauvorhaben wird von der Naturschutzbehörde die Anzahl an Ökopunkten festgelegt, die als Ausgleich erworben werden müssen. Kommunen wie die Gemeinde Sylt bringen bei Ökokonten in der Regel Flächen ein, die ökologisch aufgewertet  werden. Die auf den Konten enthaltenen Punkte können regional frei gehandelt werden. Mit den Einnahmen werden die Flächen unter Naturschutz-Gesichtspunkten aufgewertet. Dabei legt die Naturschutzbehörde fest, wie viele Ökopunkte eine Fläche wert ist. Das Problem der Gemeinde Sylt ist nun, dass sie für die mit Bauschutt „verunreinigten“ Flächen keine Ökopunkte mehr verkaufen darf und so Ökopunkte verliert, durch die sie Abrissarbeiten auf dem Fliegerhorst finanzieren wollte. sr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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erstellt am 06.Mär.2015 | 05:52 Uhr

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