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Erdaushub und Bauschutt : Öko-Krise auf dem Fliegerhorst

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das Thema Marinefliegerhorst kommt nicht zur Ruhe: Jetzt deutet sich ein weiteres finanzielles und auch ökologisches Debakel im Zusammenhang mit dem Gelände an.

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erstellt am 04.Mär.2015 | 05:59 Uhr

Das Thema Marinefliegerhorst kommt nicht zur Ruhe: Jetzt deutet ein weiteres finanzielles und auch ökologisches Debakel im Zusammenhang mit dem Gelände an.

Offenbar völlig legal und überwiegend im Auftrag der Gemeinde sei bis in die jüngste Vergangenheit immer wieder Erdaushub und Bauschutt vom Straßen- oder Wohnungsbau entsorgt worden, kritisierten Vertreter mehrerer Parteien am Montagabend in der Sitzung des Umweltausschusses. Erschwerend käme hinzu, dass Unbefugte das in der Vergangenheit schlecht gesicherte Gelände zur Entsorgung von Müll und Schrott allerlei Art missbraucht hätten. „Der gesamte Fliegerhorst ist ein einziger Sauhaufen“, mit diesen drastischen Worte kommentierte Roland Klockenhoff (Bündnis 90/Grüne) die jetzt bekannt gewordenen Tatsachen. „Jahrelang ist geradezu systematisch verschleiert worden, was dort alles entsorgt wurde.“

Peter Jacobsen, der Geschäftsführer des gleichnamigen Straßen- und Tiefbau-Unternehmens, bestätigte auf Anfrage der Sylter Rundschau, dass seine Firma in den vergangenen Jahren häufiger Aufträge der Gemeinde Sylt erhalten habe, um Erdaushub von Baustellen wie der neuen Westerländer Feuerwache, den Sylter Werkstätten oder der Steinmannstraße auf das Fliegerhorstgelände zu transportieren und dort abzuladen. „Aber das ist alles ganz offen und offiziell über das Tiefbauamt gelaufen“, sagte Jacobsen. Außer der Lagerung des Erdaushubs habe sein Unternehmen – ebenfalls im Gemeindeauftrag – wiederholt Teile des Fliegerhorstgeländes, auf denen sich Bauschutt, Müll oder Reste von abgerissenen Gebäuden befanden, mit Sand abgedeckt.

Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Klockenhoff befürchtet aber nicht nur, dass sich „trotz aller Sorgfalt der tätigen Firmen“ in den mittlerweile hunderten Erd-, Lehm- und Sandhügeln ökologisch bedenkliche Stoffe befinden könnten. „Wenn Teile des Fliegerhorstes wirklich zu einer Deponie für alle möglichen Arten von Müll verkommen, könnten wir zum Beispiel von der Naturschutzbehörde gezwungen werden, alles fachgerecht zu entsorgen.“ Dann kämen Sanierungskosten in Millionenhöhe auf die Gemeinde zu, so Klockenhoff – „und das alles für Schäden, die wir selbst verursacht haben.“

Die gesamte Thematik kam überhaupt erst im Umweltausschuss zur Sprache, weil die Verwaltung dort ein neues Konzept für ein Ökokonto der Gemeinde vorgelegt hat. Ursprünglich sollten mit solch einem Konzept alle für das Fliegerhorstgelände entstehenden Abriss- und Renaturierungskosten, die geschätzt drei Millionen Euro betragen, über den Verkauf so genannter Ökopunkte refinanziert werden. Umweltamtschefin Ruth Weirup teilte jetzt mit, dass dieser Beschluss so nicht umsetzbar ist. Nicht nur, weil derzeit magere 95  000 Euro Einnahmen zirka zwei Millionen Euro Ausgaben für Abrisse gegenüberstehen.

Auf dem Gelände hätten sich, insbesondere durch eine Begehung der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Nordfriesland, schwerwiegende inhaltliche Konflikte ergeben. Denn die UNB ist mit den Erd- und Schuttablagerungen ganz und gar nicht einverstanden: „Die geschützten Biotopbereiche sind durch Baumaßnahmen, und insbesondere durch nicht genehmigte Aufschüttungen stark beeinträchtigt oder zerstört. Eine Duldung kann nicht in Rede stehen“, bemängelt die Behörde in einer ersten Einschätzung. Die Biotope müssten von den Ablagerungen befreit und wieder hergestellt werden. Und deshalb stehen die bisher angemeldeten Ökokonto-Flächen nur unvollständig zur Verfügung, denn sie genügen den Qualitätsansprüchen nicht.

Der Umweltausschuss fordert seitens der Verwaltung dringend eine transparente Aufarbeitung aller Verantwortlichkeiten und dass aufgeklärt wird, welche finanziellen Folgen das mögliche Debakel für die Gemeinde haben kann.

 

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