Schulprojekt : Obdachlos auf Sylt – aber nur für ein paar Stunden

Schulprojekt Sylt Obdachlos
Karolin Dankhoff hatte mit der Kälte zu kämpfen als „Obdachlose“.

„Die gucken einfach nur und gehen dann weiter“: Während einer Projektwoche an der Regionalschule in Westerland ging die 15-jährige Karolin Dankhoff als „Obdachlose“ auf die Straße.

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27. März 2014, 06:00 Uhr

Sylt | Der Selbstversuch der 15-jährigen Karolin Dankhoff entstand nicht etwa aus Langeweile, und eine Wette hat die Schülerin auch nicht verloren. Karolin verbrachte (beinahe) einen Tag als „Obdachlose“ in der Friedrichstraße, weil sie und Mitschüler von der Regionalschule in Westerland sich gerade während einer Projektwoche mit dem  Thema „Obdachlosigkeit“ auseinander setzen. Und sie sei die Einzige gewesen, die den Selbstversuch wagen wollte.

Um 9.20 Uhr schlug das Mädchen – mit Schlafsack, Mütze, Pullover, Weste, Jogginghose, Leggins und einer Pappe als Sitzunterlage – ihr Lager am Congress Centrum Sylt auf. Hier war sie wenigstens etwas geschützt vor dem kalten Wind. Schnell wurde ihr dann jedoch bewusst: „Man kann ja einfach nichts machen.“ Ansonsten hätte sie sich wohl die Zeit mit ihrem Smartphone vertrieben, nur hätte das ihre Rolle weniger authentisch gemacht. So musste Karolin die irritierten Blicken der Passanten in der Friedrichstraße ertragen und war schon am Nachmittag sichtlich genervt und erschrocken über die Reaktionen einiger Menschen: „Die Blicke sind wirklich schlimm, die gucken einfach nur und gehen dann weiter.“ Lediglich eine Frau habe nachgefragt, ob dem Mädchen denn nicht kalt sei.

Über den Besuch eines Freundes war sie daher sehr froh. Tom Zschage versorgte Karolin mit Essen – ganz ohne Nahrung konnte es die Schülerin in der Kälte dann doch nicht aushalten. Und eigentlich hatte sie sich auch fest vorgenommen, von morgens bis abends um 19 Uhr auf der Straße auszuharren. Doch aufgrund der Kälte, des Windes  und der Tatsache, dass es einfach nichts zu tun gebe, brach die 15-Jährige nachmittags gegen 15 Uhr ab.

Das Projekt bereut Karolin aber nicht. „Es hat mir schon etwas gebracht. Man kann wirklich dankbar sein für das, was man hat und sollte nicht immer das wollen, was man nicht hat.“ Sie hätte sich gewünscht, dass die Menschen nicht einfach nur gucken, sondern auch ehrliches Interesse zeigen. Das habe Karolin auch einmal gemacht bei einem jungen Obdachlosen auf Sylt.

Im Nachhinein wird die Schülerin eine Mappe zusammenstellen, mit sämtlichen Informationen zum Thema Obdachlosigkeit, und sie ihrer Klasse präsentiert.

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