zur Navigation springen

Autozugverkehr von und nach Sylt : Nur wer reserviert, kommt mit

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wählergemeinschaft „Die Insulaner“ präsentiert Forderungskatalog an Autozugbetreiber.

von
erstellt am 19.Okt.2017 | 05:29 Uhr

In der aktuellen Diskussion um die immer wiederkehrenden Probleme rund um den Autozugverkehr von und nach Sylt sowie den teilweise chaotischen Zuständen durch endlose Warteschlangen in Westerland und in Niebüll hat jetzt die Insulaner-Fraktion der Gemeinde Sylt einen Forderungskatalog erstellt, der als Diskussions- und Verhandlungsbasis für eine Lösungsfindung dienen soll. Im Unterschied zu der im Hauptausschuss von vielen Politikern geäußerten Schuldzuweisung an RDC (wir berichteten), ist die Wählergemeinschaft „Die Insulaner“ der Auffassung, dass viele Probleme primär auf einer Blockadehaltung des Sylt Shuttle gegenüber Konkurrent Autozug Sylt, auf einer faktisch nicht existenten Kommunikation zwischen den Autozugbetreibern mit ihren Kunden sowie auf einer geradezu „steinzeitmäßigen Verkehrs- und Kundenlenkung“ durch die Zugbetreiber basieren würden.

Eine deutliche Verbesserung der Beladung der Autozüge und der damit verbundenen Verkehrsprobleme in Westerland sowie auf dem Festland könne aber durch einige relativ einfache und schnell einzuleitende Maßnahmen umgesetzt werden. „Ein erster Schritt muss es sein, lenkend die Nachfrage zu steuern“, sagt Markus Gieppner. „Dies kann beispielsweise dadurch erreicht werden, dass die Kunden über Online-Apps oder einen Telefonservice die zu erwartenden Wartezeiten bereits deutlich früher abschätzen und ihre eigene An- oder Abreise besser und weiträumiger planen können – also nach Möglichkeit gar nicht erst das Bahngelände während der Stoßzeiten anfahren.“ Die Erfahrungswerte aus der Vergangenheit böten dafür eine hervorragende Datengrundlage, auf der es technisch möglich sei, auch langfristige Voraussagen über Wartezeiten zu machen, die dann mit Echtzeitdaten angepasst werden, so der Vorsitzende der Wählergemeinschaft.

Bei großen Abreisewellen an Extremtagen wie nach Neujahr, zu Pfingsten oder dem Surfcup schlagen die „Insulaner“ auf der Sylter Seite eine Reservierungspflicht während der Vormittagsstunden zum Beispiel von 8.30 Uhr bis 13 Uhr vor. Entsprechendes sollte auf der Festlandsseite ebenfalls zu Zeiten mit extremen Anreisen etwa von 13 Uhr bis 16 Uhr eingerichtet werden. Reservierungen könnten je nach Verfügbarkeit auch kurzfristig über die Online-App bestellt werden. „Wer jedoch keine Reservierung hat, kommt gar nicht erst auf das Bahngelände, sondern muss nach Westerland oder Niebüll weiterfahren“, erläutert Gieppner. Damit könnten an diesen Zeiten Rückstaus auf die Lorenz-de-Hahn-Straße in der Westerländer Innenstadt oder die B5 auf dem Festland vermieden werden.

Weil die Anzahl der Züge kaum weiter erhöht werden könne, müssten Wege gefunden werden, die Kapazitäten optimal auszunützen. „So ist es beispielsweise Unsinn, dass während der Hauptverkehrszeiten RDC die Strecke bedient, obwohl die blauen Flachwaggons maximal halb so viele PKW transportieren können wie rote Züge“, sagt der Insulaner-Vorsitzende. „Umgekehrt bleibt der Sylt Shuttle Plus, also der DB-Personenzug an den Autozügen bis Bredstedt, ein völliger Irrsinn, der maßgeblich die Pufferzeiten auf den Strecken verringert und die Bahnhöfe in Niebüll und Westerland durch die Rangiererei unnötig blockiert.“

Als langfristige Ziele sollten die Wiederaufnahme der Überlegungen einer Verlegung der Autozug-Terminals aus dem Innenstadtbereich Westerlands sein – zum Beispiel südlich des Bahndammes zwischen Tinnum und Keitum oder zwischen Keitum und Archsum – sowie eine grundsätzliche Planung, wie man von Seiten der Politik und Kurverwaltungen die alternative Gästeanreise mit Personenzügen und Flugzeugen noch attraktiver machen kann. Die Trassenvergabe dürfe laut Gieppner nicht länger nur ein „Recht“ auf das Betreiben von Autozügen sein, sondern müsse eine „Pflicht“ sein, alle qualitativen Kriterien zu erfüllen. Und Sylt Shuttle ebenso wie RDC dürften nicht länger den öffentlichen Verkehrsraum als kostenlose Warteflächen für ihre Kunden nützen, ohne nicht endlich ernst zunehmende Anstrengungen zu unternehmen, die Situation vor Ort zu verbessern.

Als Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Situation an den Autoverladungen fordern die „Insulaner“ eine gegenseitige Anerkennung der Fahrkarten. Passagiere, die ein RDC-Ticket gelöst hätten, sollen gegen Zahlung der Preisdifferenz auch Züge des Sylt Shuttles nützen dürfen. Umgekehrt könnten DB-Kunden gegen eine Erstattung derselben Differenz wiederum die blauen Züge nutzen. „Das vorrangige Ziel muss es sein, dass alle Pkw an den Verladeterminals schnellstmöglich transportiert werden und nicht unnötig parallele Warteschlangen entstehen“, so Markus Gieppner.

Es sei höchste Zeit, zu handeln, sagt der Insulaner-Vorsitzende. „Zu lange haben Politik, Verwaltung, Unternehmen wie auch die Bürger der Insel das systematische Wegdelegieren von Verantwortlichkeiten hingenommen. Bei einer weiteren Verweigerung der zuständigen Akteure, hier eine merkliche Besserung einzuführen, sollten die Inselgemeinden juristische Schritte prüfen und gegebenenfalls einschreiten.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen