Ministerbesuch auf Sylt : Nur gemeinsam zur Zweigleisigkeit

Während der Podiumsdiskussion im Kursaal³: Moritz Luft (SMG), Minister Bernd Buchholt, Karl Max Hellner und Dirk Erdmann (beide SU) (vl.n.r.).
Während der Podiumsdiskussion im Kursaal³: Moritz Luft (SMG), Minister Bernd Buchholt, Karl Max Hellner und Dirk Erdmann (beide SU) (vl.n.r.).

Bei seinem Besuch bei den Sylter Unternehmern fand Verkehrsminister Bernd Buchholz klare Worte.

shz.de von
06. August 2018, 05:00 Uhr

Am Freitag Mittag entstieg Dr. Bernd Buchholz, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus, bestens gelaunt der Marschbahn und verkündete am Westerländer Bahnhof amüsiert: „Mein Zug war sauber, klimatisiert und pünktlich – Vorführeffekt, wenn der Minister kommt!“ Mit dieser positiven Grundstimmung trat er dann auch die Rundfahrt über die Insel an, zu der die Sylter Unternehmer (SU) eingeladen hatten, die im Anschluss an die Tour im Wenningstedter Kursaal³ ihre Jahreshauptversammlung abhielten.

Nachdem die Tagesordnungspunkte abgehandelt waren und Uschi Schmiedeberg, Harald Lotze, Franz Zöbelein und Dirk Vollquardsen für 25 Jahre Mitgliedschaft im Verein der Sylter Unternehmer geehrt waren, konnte der Minister als Gast auf der Bühne begrüßt werden. Karl Max Hellner (Vorsitzender SU), Dirk Erdmann (Hotel Runghold) und Moritz Luft von der Sylt Marketing Gesellschaft (SMG) eröffneten die Podiumsdiskussion mit dem kurzen Werbefilm, der sich seit drei Wochen schon fast virulent im Netzt verbreitet und über 1,8 Millionen Klicks geerntet hat. „Im hohen Bogen nach Sylt“ lautet der Titel des humorvoll-ironischen Spots der SMG, der den Flug mit „Catapult Air“ als neue Anreise-Alternative vorstellt und am Ende dazu aufruft, die Petition zum zweigleisigen Ausbau der 13 Kilometer langen Marschbahnstrecke Niebüll – Klanxbüll sowie des fünf Kilometer langen Abschnittes zwischen Keitum und Westerland zu unterzeichnen.

Mit diesem Film war man dann auch schon mitten im Thema, denn der Minister wollte an diesem Abend Rede und Antwort zum Thema „Zukunft der Marschbahn“ stehen. Die abwechselnd gestellten Fragen der drei Moderatoren beantwortete Buchholz souverän, jovial und immer noch bestens gelaunt – was womöglich daran lag, dass sein kleines Publikum aus Mitgliedern der Sylter Unternehmer sowie einer Handvoll Menschen der Pendlerinitiative Sylt um Achim Bonnichsen bestand. Unter ihnen befanden sich aber auch DB Regio-Chef Torsten Reh und NAH.SH-Geschäftsfürher Bernhard Wewers, die harsche Kritik von Seiten des Minister einstecken mussten. „Es kann nicht sein, dass im 21. Jahrhundert ein Zug komplett ausfällt, weil das Klo nicht geleert wurde oder der Zugführer Schnupfen hat”, schimpfte Buchholz und warf der DB Regio ein desolates Personalkonzept vor. Doch damit nicht genug, auch das Wartungs- und Reparaturkonzept funktioniere nicht und überhaupt seinen die „Entscheidungsprozesse der DB Regio eine Dokumentation im Fernsehen wert“, stichelte der Minister weiter. Anscheinend fehle es an einer Instanz, die zwischen DB Regio, DB Netzt und NAH.SH vermittele, denn nur alle zusammen könnten die bestehenden Strecken-Probleme in den Griff bekommen und langfristige Konzepte erarbeiten. Buchholz bot an, sich für drei Gespräche im Jahr zur Verfügung zu stellen, die dafür sorgen sollen, dass alle an einem Strang ziehen. An seinen Strafzahlungen, die sich allein im Juli auf 350 000 Euro belaufen, hält der Minister weiterhin fest, denn „DB Regio hat sich vertraglich verpflichtet, auf dieser Strecke zu 93 Prozent pünktlich zu fahren, da lasse ich euch nicht raus und denke gegebenenfalls auch über eine Neuausschreibung für die Strecke nach, wenn das nicht klappt“, drohte Buchholz in Richtung Torsten Reh.

Dank ernteten an diesem Abend lediglich die 4500 Mitglieder der Pendlerinitiative, die auf Facbook dafür sorgen, „dass ich täglich Informationen über den tatsächlichen Stand der Dinge bekomme“, so Buchholz. Lobend erwähnt wurden von ihm auch die 160 Millionen, die von der DB Netzt für die Sanierung der maroden Strecke zur Verfügung gestellt werden. Auf die Frage, ob das nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein wäre antwortete Buchholz: „Das ist ein gewaltiger Schluck aus der Pulle, ein positives Zeichen für die langfristige Planung und gut angelegtes Geld für den Verkehrskörper, der grundsaniert werden muss“. Buchholz wies auch direkt darauf hin, dass dieser gut dreijährige Bauprozess mit Streckensperrungen einhehr gehe, über die sich dann niemand beklagen dürfe. „Ein sauber erarbeitetes Abstimmungs- und Baustellen-Management ist hier nötig, um den totalen Kollaps zu vermeiden“. Nach Meinung der Pendler sei dieser Kollaps allerdings schon passiert und so fragte Achim Bonnichsen nach kurzfristigen Lösungen, wie zum Beispiel nach einer Umstellung der Fahrpläne oder einem Streichen des unbeliebten Sylt Shuttle Plus. Buchholz gab zu, dass „der Sylt Shuttle Plus im normalen Bahnbetrieb nichts zu suchen habe“, doch das liege nicht in seinem Zuständigkeitsbereich. „Das entscheidet die Bundesnetz Agentur, da habe ich Null Einfluss.“ Daher forderte er alle Insulaner und Pendler noch einmal dazu auf, mit einer Stimme zu sprechen und an einem Strang zu ziehen. „Ich will hier keine Kakophonie der Meinungen hören, denn dann hört man uns in Berlin nicht zu“, ermahnte der Minister. Daher müssen auch alle Beteiligten – DB Regio, DB Netz, NAH.SH, Pendler und Insulaner – an einer gemeinsamen Lösung arbeiten. Und diese Lösung könne nur der Ausbau der Strecke zur Zweigleisigkeit sein.

Damit die Insel mit einer Stimme sprechen kann, erinnerte Karl Max Hellner daran, dass wirklich alle die vorliegende Petition zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke unterschreiben sollen, denn „obwohl wir mit dem Film über Catapult Air 1,8 Millionen Klicks erzielt haben, sind bisher lediglich 11 000 Unterschriften für die Petition zusammen gekommen, was ich einfach peinlich finde.“ Benötigt werden bis zum 19. September 50.000 Unterschriften, damit die Insel in Berlin Gehör findet. „Deine Insel braucht dich. Jetzt!“

sylt.de/petition


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