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Getöteter Koch auf Sylt : Nozawa-Prozess: „Monster mit Babygesicht“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ehemalige Lebensgefährtinnen der Angeklagten belasten diese schwer, berichten von Alkoholexzessen und Gewaltausbrüchen

shz.de von
erstellt am 10.Mär.2015 | 06:00 Uhr

Im Prozess am Flensburger Landgericht um den gewaltsamen Tod des Sylter Kochs Miki Nozawa bestimmten gestern die Aussagen ehemaliger Partnerinnen der beiden Angeklagten den Ablauf. Der 51-Jährige mutmaßliche Tatbeteiligte wurde am zweiten Verhandlungstag von seiner ehemaligen Freundin als extrem aggressiv, eifersüchtig und sehr besitzergreifend beschrieben. „Er ist ein Monster mit einem Babygesicht“, sagte die 46-jährige Altenpflegehelferin im Zeugenstand.

2011 sei sie mit ihm zusammen gekommen, habe ihn zunächst als freundlich und charmant kennen gelernt. Doch schnell sei es zu Gewalt und Drohungen innerhalb der Beziehung gekommen, Alkohol habe ihr damaliger Freund täglich in zum Teil großen Mengen konsumiert. Die massive körperliche Gewalt habe sich dabei nicht auf Schläge beschränkt. Neben Fausthieben habe sie mehrfach Tritte ins Gesicht bekommen, sei gewürgt worden, so dass sie eine Kehlkopfschwellung davon trug. Auch zu sexuellen Übergriffen sei es wiederholt gekommen, Demütigungen seien an der Tagesordnung gewesen. Sie schilderte ihren Ex-Partner zudem als vollkommen unberechenbar, er sei manchmal „aus heiterem Himmel“ ausgerastet. „Ich habe nichts gesagt. Ich hatte Angst um mein Leben“, antwortete sie auf die Frage des Gerichts, wieso sie dieses Martyrium ein halbes Jahr erduldet habe. Zur Beziehung ihres ehemaligen Partners zum jüngeren Angeklagten, dem sie mehrfach begegnet sein will, erklärte sie, die beiden seien selbst erklärte „Busenfreunde“ gewesen. Der Anwalt des betreffenden Angeklagten hatte zuvor versucht, eine Aussage der Frau zu verhindern. Die Begründung: Beide hätten sich mehrfach gegenseitig wegen verschiedener Delikte angezeigt, „so dass eine objektive Aussage nicht zu erwarten ist“.

Auch eine ehemalige Partnerin des 38-jährigen Tatverdächtigen, die mit ihm sechs Jahre liiert war und eine mittlerweile 16-jährige Tochter von ihm hat, berichtete dem Gericht von Phasen, in denen ihr damaliger Lebensgefährte sehr viel Alkohol konsumiert habe. Nüchtern sei er zwar „nett, verlässlich und ehrlich“ gewesen, im alkoholisierten Zustand allerdings „das Gegenteil“. Gewaltausbrüche habe es dann wiederholt gegeben, von denen sie unter anderem ein blaues Auge davon trug. „Er hat auf mir gesessen und mit der Faust zugeschlagen.“ Mehrfach sei es wegen ihres Ex-Partners zu Polizeieinsätzen gekommen. Sie habe ihn schließlich verlassen, „weil ich so nicht mehr weiterleben wollte mit dem Kind“.

Die Ex-Frau des 38-Jährigen, mit der er von 2006 bis 2010 verheiratet war, berichtete hingegen, sie habe nie erlebt, dass er ihr oder anderen Menschen gegenüber gewalttätig war. Der Trennungsgrund sei allein sein hoher Alkoholkonsum gewesen, so die 31-Jährige. Auch eine weitere ehemalige Freundin des jüngeren Angeklagten sagte als Zeugin aus, jener sei innerhalb der zweijährigen Beziehung ihr gegenüber nie gewalttätig gewesen. Sie habe jedoch mehrfach mitbekommen, wie er andere Menschen angegriffen habe. „Ich weiß, dass er ein sehr brutaler Mensch sein kann“, erklärte die 31-Jährige und schilderte mehrere Beispiele, in denen er in Alltagssituationen gegenüber Dritten handgreiflich geworden sei. In einer Bar soll er etwa in ihrer Gegenwart nach einer Beschwerde einer ihm bekannten Tresenkraft über einen Gast dem ihm Fremden ohne Vorwarnung einen Kinnhaken verpasst, dem auf dem Boden Liegenden in den Bauch getreten und ihn aus dem Lokal geschmissen haben. Sie habe zudem Nachhinein herausgefunden, dass er sie „nach Strich und Faden“ in verschiedensten Dingen des Alltags belogen habe.

Den beiden Angeklagten, die während des Prozesses bislang keinerlei Regung gezeigt haben, wird vorgeworfen, im Mai 2013 mit dem 57-jährigen Opfer in Streit geraten zu sein. Im Verlauf der Auseinandersetzung soll der ältere Tatverdächtige den Koch gewürgt, der jüngere ihn brutal geschlagen und getreten haben. Der Mann starb einen Tag später an einer Hirnverletzung.  

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