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Sylter Rundschau

20. August 2017 | 18:11 Uhr

"Novemberkind" in der Kinowelt

vom

Westerland | Roman Polanski, Benedek Fliegauf, Ewan McGregor, Eva Green - 2009 ist das Cineastenjahr für Sylt, und es ist noch nicht zu Ende. Polanski wird - so sagt man - für ein paar Drehs nach Sylt zurückkehren, doch zunächst erwartet die Insel einen wichtigen Vertreter der nationalen Filmwelt, den deutschen Regisseur und Drehbuchautor Christian Schwochow.

Schwochow stellt morgen ab 20 Uhr in der Kinowelt seinen vielfach ausgezeichneten Kinofilm "Novemberkind" vor. Bemerkenswert für einen Ort, der außer einem Kino und einer Videothek nichts für Cineasten zu bieten hat.

"Als die Einladung kam, habe ich sofort zugesagt", sagt der Regiedebütant. Obwohl selbst ein Inselkind - auf Sylt sei er noch nie gewesen. Ihn eingeladen hat Kinoweltbetreiber Matthias Zedlitz, der sich über die prompte Zusage "wahnsinnig gefreut" hat. Zedlitz gehört zu den wenigen Sylter Filmfreunden, die sogar einen direkten, wenn auch einfacheren Bezug zur Filmakademie Baden-Württemberg haben: hier bewarb er sich einmal. Und hier schloss Christian Schwochow 2008 mit "Novemberkind" sein Filmregiestudium ab.

Für den 1978 auf Rügen Geborenen (auf der Nachbarinsel Usedom dreht Roman Polanski zurzeit weiter) waren Flucht und Nicht-Ankommen-Können von jeher ein Thema. Gemeinsam mit seiner Mutter Heide schrieb er das Drehbuch zum Film, für das er "nicht einmal in fremde Welten abtauchen musste", sondern auf persönliche Erfahrungen bauen konnte: Seine Eltern liebten die Heimat und waren dennoch (oder deshalb) in der DDR aktiv im Widerstand, erst 1989 reisten sie aus.

Wie in Polanskis "The Ghost" und Fliegaufs "Womb" spuken auch in "Novemberkind" Phantome und Verstorbene umher. So begegnet die Hauptfigur Inga (Anna Maria Mühe) in ihrem Heimatort Malchow Robert (Ulrich Matthes), der sie zu Recherchen über den Ertrinkungstod ihrer Mutter (Doppelrolle Mühe) ermuntert. Doch der Literaturprofessor verfolgt ganz eigene Interessen, und die entdeckten Wahrheiten über die Mutter sind für Inga nur schwer zu verkraften.

Auch Anna Maria Mühe, die mit dieser Rolle für den Deutschen Filmpreis 2009 nominiert ist, wurde letzten Endes Opfer des Systems: ihre Mutter, die Schauspielerin Jenny Gröllmann, soll für die Stasi ihren Mann - den 2007 verstorbenen Ulrich Mühe - bespitzelt haben. Als einer der Initiatoren der Demonstration vom 4. November war auch Ulrich Mühe eine Art Novemberkind.


Novemberkind: Nominierungen, Preise
Unter anderem sechs Nominierung für den Deutschen Filmpreis (Kategorie Bestes Drehbuch, Beste Hauptdarstellerin), „Prädikat besonders wertvoll“, (Filmbewertungsstelle Wiesbaden), DEFA Förderpreis, Preis in der Kategorie Bestes Spielfilmdebut Hachenburger Filmfest 2008, Silberner Löwe als Bester Nachwuchsfilm, MfG-Star, Fernsehfilm-Festival Baden-Baden 2008, First Steps Award 2008, Publikumspreis Festival Max Ophüls Preis 2008, Drehbuchpreis Baden-Württemberg 2007.

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erstellt am 30.Mär.2009 | 11:13 Uhr

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