zur Navigation springen

Keine Entbindung auf Sylt : Nordseeklinik: Geburten nur auf dem Festland möglich

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der Asklepios Nordseeklinik auf Sylt konnten in den letzten zwei Wochen keine Kinder zur Welt gebracht werden. Der Grund: Die einzige Hebamme der Klinik ist krank. Auch die Stelle einer Vertretung ist seit einem Jahr unbesetzt.

Hochschwangere Frauen haben in diesen Tagen keine Wahl – Entbinden ist für sie nur auf dem Festland möglich. Der Grund: Seit zwei Wochen ist die einzige Hebamme der Asklepios Nordseeklinik krankheitsbedingt nicht im Dienst. Eine Vertretung für die Fachkraft gibt es nicht. Die Position einer Stellvertreterin ist seit rund einem Jahr nicht besetzt.

Bärbel Noack-Stürck, Vorsitzende des Hebammenbundes Schleswig-Holstein fehlen bei solchen Zuständen fast die Worte: „Eine solche Ausnahmesituation ist meiner Kenntnis nach in Deutschland einmalig – ein absolutes No Go.“ Auch das mögliche Argument, an der Klinik gebe es Fachärzte, die notfalls eine Geburt begleiten könnten, will die Hebamme nicht gelten lassen: „Ein Arzt darf keine Geburt ohne Hebamme durchführen. So ist es gesetzlich geregelt.“

Aus der Klinik heißt es derweil, dass in dieser Woche keine Geburten vorgesehen seien. Zudem arbeite man mit Hochdruck an einer Lösung des Problems: „Wir sind in Gesprächen mit Bewerberinnen“, sagt Klinik-Sprecherin Miriam Kretschmer. „Wir hoffen, dass wir die Stelle schnell neu besetzen.“ Die Situation sei damit unter Kontrolle.

Auch diese Aussagen will Bärbel Noack-Stürck nicht unkommentiert lassen. Bereits in der Vergangenheit habe es sich gezeigt, dass es für Hebammen sehr schwierig sei, sich mit dem Konzern zu einigen. „Die Versicherungskosten in Höhe von 4 242 Euro pro Jahr müssen die Frauen selber tragen. Das ist in der Sylter Situation nicht gerade einfach.“

Auch der Sozial- und Gesundheitsausschuss der Gemeinde Sylt hat sich jetzt erneut mit dem Thema beschäftigt. Bereits im vergangenen Jahr luden die Kommunalpolitiker die Hebammen in den Ausschuss ein und informierten sich über deren Arbeitsbedingungen. „Nun zeigt sich, dass sich nichts verändert hat“, sagt der Ausschussvorsitzende Eberhard Eberle (SPD). „Die Klinik muss sich schnellstens darum kümmern, dass diese Missstände abgestellt werden.“

Für die Vorsitzende des Hebammenbundes Schleswig-Holstein Bärbel Noack-Stürck steht unabhängig von der jetzigen Situation fest, dass es an der Nordseeklinik mit rund „100 Geburten im Jahr und der anfallenden Nachsorge und Beratung, genug Arbeit anfällt, damit sie sich drei Kolleginnen gut teilen könnten“.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Sep.2013 | 15:26 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen