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Sylter Rundschau

12. Dezember 2017 | 11:40 Uhr

Kommentar zum Bordell : Noch mal Glück gehabt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zum Aus für die Bordellpläne: Mit Ruhm bekleckert hat sich auf Sylt in Sachen Edel-Bordell keiner, findet unser Autor.

von
erstellt am 11.Feb.2014 | 13:39 Uhr

Nun kommt er also doch nicht, der vornehm klingende „Gentlemen’s Club“, hinter dessen Plüschvorhängen ein Bordell geplant war. Verhindert wurde es nicht durch Satzungen oder politische Beschlüsse, sondern durch moralische Entrüstung, Unterschriftenlisten und bundesweite Schlagzeilen. Weil eine solche Stimmungslage tödlich fürs Geschäft ist, hat der Betreiber jetzt die Reißleine gezogen – und die Gemeinde als Speerspitze des bürgerlichen Protestes nochmal Glück gehabt. Ein Bordell, und sei es noch so vornehm, wäre als Werbeträger für Westerland der Image-Gau gewesen.

Doch so groß die Erleichterung im Westerländer Rathaus jetzt auch sein mag – Politik und Verwaltung der Gemeinde Sylt haben allen Grund, sich an die eigene Nase zu fassen. Statt das Bordell erst anstandslos durchzuwinken, um sich dann mit einem Jahr Verzögerung lautstark moralisch zu empören, wäre es ein Leichtes gewesen, das Etablissement von Anfang an auszubremsen. Dass dies nicht geschehen ist, fördert nicht gerade das Vertrauen in die Kompetenz der handelnden Personen – im Bauamt, in der Politik und beim Kreis. Hätte man auch nur halb so viel Energie in das Lesen sowie die fachliche wie moralische Beurteilen der Bauvoranfrage investiert, wie hinterher in einen unsinnigen Sperrbezirks-Antrag, wäre Westerland viel erspart geblieben.

So kurios es auch ist: Ausgerechnet die Bordell-Betreiber kommen bei dem Hickhack um das Genehmigungsverfahren moralisch noch am besten weg, weil sie nie einen Hehl daraus gemacht haben, dass es ihnen um „knallharte Prostitution“ geht. Irgendwie erschreckend, oder?

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