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Bürgermeister der Gemeinde Sylt : Nikolas Häckels 100-Tage-Bilanz

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nikolas Häckel hat seine 100-Tage-Bilanz selbst geschrieben. Die Sylter Rundschau hat sie ein wenig erweitert.

von
erstellt am 05.Aug.2015 | 05:39 Uhr

Am kommenden Sonnabend ist Nikolas Häckel 100 Tage im Amt: Umtriebig, wie der Bürgermeister der Gemeinde Sylt ist, hat er seine 100-Tage-Bilanz gleich selbst aufgeschrieben. Wir haben uns das Schriftstück angeguckt und Häckels Eindrücke stellenweise ergänzt.

Auch wenn der 41-Jährige in seiner persönlichen Bilanz betont, wie viel Freude ihm das neue Amt bereitet, erlaubt er sich auch ein paar selbstkritische Töne, die allerdings recht positiv verpackt sind: Der eine oder die andere muss sich vielleicht noch an meine bodenständige gradlinige Art gewöhnen, an mein persönliches Arbeitstempo, und ich muss lernen, damit zurecht zu kommen, dass der Tag nur 24 Stunden hat und ich noch nicht für alles und jeden die Zeit habe, die ich gern hätte.

Kernstück seiner Bilanz sind allerdings verschiedene Felder, die er in den vergangenen hundert Tagen beackert hat. Was auffällt: Die „Aufregerthemen“, beispielsweise die 40-60-Regelung oder die Unruhe um die Neustrukturierung der Verwaltung, werden in der Häckel-Bilanz gar nicht, nur zwischen den Zeilen oder sehr distanziert behandelt.

Neuorganisation der Verwaltung
Der Ist-Zustand wurde analysiert. Derzeit erarbeiten wir in der Verwaltung in Kooperation mit dem Personalrat ein neues Verwaltungskonzept, prozessorientiert und transparent, das schließlich zunächst im Hauptausschuss erörtert und in der Gemeindevertretung vorgestellt werden wird - voraussichtlich nach Ende der Sommerpause.

Dass Häckel in seinen Worten zur Neustrukturierung der Verwaltung nun das transparente und abgestimmte Vorgehen besonders betont, überrascht nicht: Das Thema gehört wahrscheinlich zu den Dingen, die in Häckels bisheriger Amtszeit zumindest innerhalb der Mitarbeiterschaft für die größte Unruhe gesorgt hat: Statt der bisherigen sieben Ämter soll es künftig nur noch drei sogenannte Superämter geben. Bisherige Amtsleiter bekommen teilweise neue Vorgesetzte, das Bauamt soll „zerschlagen“ und auf zwei der drei „Superämter“ aufgeteilt werden. Als diese Pläne Ende Juni öffentlich wurden, kritisierte der Personalrat, dass er an diesen Prozessen nicht beteiligt werde. Die Politik monierte, sie sei über die Pläne nur knapp informiert worden – stellte aber gleichzeitig fraktionsübergreifend fest, dass eine Verwaltungsneuordnung wahrscheinlich Sinn mache.

Mehr Bürgerbeteiligung
Die politische wie die Verwaltungsarbeit muss in der Gemeinde Rückhalt haben, die Menschen mitnehmen: Seit meinem Amtsantritt binden wir die Bürger beispielsweise bei städtebaulichen Planungen frühzeitig ein, wie bei der Aufstellung beziehungsweise Änderung von Bebauungsplänen in Tinnum, Morsum und Westerland. Nur wer wirklich Bescheid weiß, kann mitreden und -gestalten: Auf www.gemeinde-sylt.de informieren wir jetzt außerdem bereits seit drei Monaten regelmäßig über laufende Prozesse.

In der Tat tut sich auf der Homepage der Gemeinde Sylt seit dem Amtsantritt von Nikolas Häckel deutlich mehr als vorher. Auch die öffentlichen Informationsveranstaltungen zu den einzelnen B-Plänen sind neu, allerdings auch dringend von Nöten. Denn – darauf geht Häckel in seiner Bilanz mit keiner Zeile ein – mit seinem Amtsantritt wird in den B-Plänen die 40-60-Regelung umgesetzt. Heißt: Nach massiven Umbauten oder Neubauten müssen in bestimmten Gebieten 40 Prozent der Geschossfläche an Dauerwohner vermietet werden. Die Haltung der Insulaner dazu ist gespalten – die einen schätzen die Maßnahme zur Sicherung von Dauerwohnraum, die anderen befürchten unter anderem, dass sie ihre Gebäude dadurch an Wert verlieren. Die Politik, vor allem aus Reihen der CDU, kritisiert auch in diesem Fall, dass die neue Regelung mit ihr zu wenig besprochen und abgestimmt worden ist. Zudem kündigt Häckel weitere Veränderungen in Sachen „mehr Transparenz“ an: Zur Verbesserung der Transparenz nach innen und außen habe ich in den vergangenen Wochen neue Konzepte für ein Quartalsberichtswesen und eine übersichtlichere Beschlusskontrolle entwickelt. Beide werden in Kürze dem Hauptausschuss zur Beratung vorgestellt werden.

Gesamtinsulares Handeln

Mit dem Amtsantritt habe ich auch die Funktion des leitenden Verwaltungsbeamten des Amtes Landschaft Sylt übernommen. Mein Ziel ist es, durch die Begleitung der Verwaltungsprozesse der Amtsverwaltung den Amtsbürgermeistern Kollege und Partner zu sein, damit wir alle endlich über die Gemeindegrenzen hinaus wirklich insular handeln.

Wir haben die Bürgermeisterdienstversammlung wieder eingeführt, um unpolitisch Verwaltungsprozesse abzustimmen. Leider gab es dabei einen bedauerlichen, Vertrauen kostenden Rückschlag in der Kooperation, als die bisherige Praxis der Sitzungsvorbereitung an das geltende Recht angepasst werden sollte. Aber sachlich geführte Auseinandersetzungen sind notwendig, um bestehende Muster aufzubrechen, Verwaltungshandeln und politische Entscheidungen rechtlich korrekt, transparent und nachvollziehbar zu gestalten.

Dass er das angeschlagene Verhältnis zwischen den Inselgemeinden verbessern will, hat Häckel von Anfang an glaubwürdig vermittelt. Die Tatsache, dass sich die Sylter Bürgermeister nun wieder regelmäßig an einen Tisch setzen, scheint für dieses Ziel ein geradezu unumgänglicher Schritt zu sein. Bei dem von ihm erwähnten „Rückschlag“ in der Zusammenarbeit handelt es sich darum, dass Häckel einen zusätzlichen Tagesordnungspunkt in eine Tagesordnung der Wenningstedter eingefügt hatte. Dieses Vorgehen hatte bei der Wenningstedter Bürgermeisterin und einigen Gemeindevertretern für Empörung gesorgt.

Dass er auf der zwischenmenschlichen Ebene nicht immer taktisch geschickt vorgeht, ist dem neuen Bürgermeister offenbar selbst bewusst. Das geht aus den Schlussworten hervor, mit denen er seine Bilanz abschließt:

Ich bin zwar Perfektionist, aber nicht immer perfekt. Bei Reden vor großem Publikum fehlt mir noch die Routine, da bin ich schon etwas aufgeregt, klar, da ist noch Luft nach oben. Und ich muss bei einigen Themen noch lernen, dass es zwar um die Sache geht, sie aber auch diplomatisch vertreten werden will, um alle mitzunehmen und Missverständnisse vermeiden zu können. Ich arbeite dran. Aber vor allem freue ich mich und bin sehr dankbar, dass ich in der Inselverwaltung ein starkes Team und viele verlässliche Partner habe, mit denen ich die Zukunft gemeinsam für die Sylter mitgestalten darf.




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