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Bürgermeisterwahl auf Sylt : Nikolas Häckel: Zurück in die Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ein Besuch: Ein paar Tage ist er noch Bauamtsleiter von Kronshagen, dann bricht für den künftigen Bürgermeister der Gemeinde Sylt eine neue Zeit an.

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erstellt am 07.Mär.2015 | 05:29 Uhr

Die Kartons sind gepackt, der neue Nachfolger künftige Bürgermeister voller Tatendrang: Noch 13 Arbeitstage, dann beendet Nikolas Häckel einen Teil seines bisherigen Berufslebens. Elf Jahre lang war er Bauamtsleiter der Gemeinde Kronshagen, ab dem ersten Mai ist er der Bürgermeister der Gemeinde Sylt.

In seinem Büro sitzt Häckel bei einer Tasse Kaffee. An der Wand ein paar Bilder, das ziselierte Wappen seiner bisherigen Gemeinde. Ansonsten findet sich außer der klassischen Büroeinrichtung hier nichts. Hat er das Arbeitszimmer im Zuge des anstehenden Umzugs schon leer geräumt? Nein, sagt Häckel, so arbeite er immer, alles Wichtige bewahrt er abgespeichert im Computer auf. Petra Reiber habe er auch schon darum gebeten, den schweren Aktenschrank aus ihrem Büro räumen zu lassen: Wie Häckel bereits im Wahlkampf betonte, propagiert er eine digitalere Verwaltung.

 


Sport mit den Mitarbeitern


Auf seine Person und zumindest auf eine Spur Privates deuten in dem Büro nur zwei Sportmatten hin, die sorgfältig zusammengerollt hinter einer Garderobe lehnen. Auf ihnen hat der begeisterte Sportfan einmal pro Woche mit seinen Mitarbeitern geturnt – wer wollte, konnte sich mit dem 40-Jährigen auf eine halbe Stunde gemeinsames Rückentraining im Kronshagener Sitzungssaal treffen. Häckel kann sich auch vorstellen, die Sylter Verwaltung ins Schwitzen zu bringen: „Es gab früher zumindest mal eine Fußballgruppe, vielleicht lässt sich da auch sonst etwas organisieren.“ Selbst sportlich aktiv will der Junggeselle auch als Bürgermeister bleiben – und weiterhin regelmäßig „sein“ Westerländer Fitnessstudio besuchen. Angst davor, zwischen Crosstrainer und Hantelbank ständig auf politische Themen angequatscht zu werden, habe er nicht. Generell aber müsse er sich in seiner neuen Rolle als „erster Bürger der Gemeinde Sylt“ aber schon noch finden.

Generell scheint Häckel in seiner Arbeit voll aufzugehen: „Wenn mir ein Gedanke im Kopf herumschwirrt, gehe ich schon mal sonntags ins Büro.“ Unter der Woche sitzt er in der Regel ab halb sieben hinter seinem Schreibtisch: „Dann habe ich Ruhe zum Arbeiten.“ Sind abends Sitzungen anberaumt, zieht sich der Arbeitstag des Bauamtsleiters auch mal bis halb elf hin. Apropos Sitzungen: Die Kronshagener scheinen ihm das mit dem Sylter Bürgermeisteramt zu gönnen. Der Umweltausschuss hat Häckel zum Abschied eine selbstgebastelte Bürgermeisterkette geschenkt, das hat ihn sichtlich gefreut. Auch während des Wahlkampfs habe ihn sein Kronshagener Bürgermeister und die dortige Verwaltung gut unterstützt.

Wie lief das überhaupt: Gleichzeitig Bauamtsleiter einer knapp 12  000 Einwohner starken Gemeinde zu sein und parallel einen Wahlkampf zu veranstalten? Auf diese Frage gibt Häckel eine recht förmliche Antwort: „Ich habe versucht, hier eine hohe Präsenz aufrecht zu erhalten.“


Stressiger Wahlkampf


Alles in allem, und bei diesem Thema merkt man dem heute entspannt wirkenden Häckel den Stress der vergangenen Monate doch an, sei der Wahlkampf eine „emotional fordernde Zeit“ gewesen – phasenweise sei er mental so erschöpft gewesen, dass er sich nicht einmal mehr aufraffen konnte, zum Sport zu gehen. „Das hat mich erschreckt.“ Und: „Freunde haben mich schon gefragt, warum ich mir das antun würde.“ Und warum hat er sich das angetan? „Ich bin wirklich getragen von dem Wunsch, auf der Insel gemeinsam etwas zu bewegen, Sylt besser zu machen.“ Was ihn geärgert hat: Wenn er von Leuten hörte, die Entscheidung zwischen ihm und Gabriele Pauli in der Stichwahl sei „wie zwischen Pest und Cholera“ gewesen. Solche Sprüche haben den künftigen Bürgermeister enttäuscht: „Ich rufe jeden Meckerpott auf: Engagieren Sie sich selbst, kommen Sie aus der Deckung und stellen Sie sich selbst zur Wahl.“

Jetzt befindet sich Häckel in einer Art Zwischenzustand – in Kronshagen versucht er, seine Aufgaben sinnvoll für den Nachfolger vorzubereiten, gleichzeitig verfolgt er über Presse und persönliche Kontakte, was sich auf der Insel alles tut. Ganz leicht fällt ihm dieses tatenlose Abwarten nicht: „Ich freue mich schon darauf, mich dann auf der Insel austoben zu können“, sagt Häckel, um sich dann schnell zu korrigieren: „Austoben“ wäre das falsche Wort, er wolle doch gemeinsam mit den Syltern voran gehen. Was stimmt denn nicht mit ein bisschen spontanem Ausgetobe? „Das entspricht nicht meinem Naturell.“ Er auch habe gelernt, dass es bei wichtigen Themen eher darauf ankomme, auch mal die Bremse zu ziehen, zu reflektieren und dann geordnet weiter zu machen. „Dadurch wirke ich vielleicht manchmal etwas reserviert und steif.“

Mit der amtierenden Bürgermeisterin Petra Reiber stehe er in stetigem Kontakt, sagt Häckel. „Wir wollen auch bei der Amtsübergabe keinen harten Schnitt machen, sondern bereiten einen fließenden Übergang vor.“


Vorfreude auf Männer-WG


In Westerland wird Häckel zurück in sein Elternhaus ziehen. Sein verwitweter Vater lebt im Erdgeschoss, der künftige Bürgermeister kommt in einer Wohnung im zweiten Stock unter. Diese Männer-WG in getrennten Wohnungen sagt Häckel zu: „Mein Vater und ich haben kein Gluck-Verhältnis, wir brauchen beide unseren Freiraum. Aber ich freue mich darauf, abends gemeinsam im Gespräch mit ihm den Tag Revue passiert zu lassen.“ Er freue sich darauf, seinen Vater später im Alter unterstützen zu können – und hat dessen Rat und Hilfe auch während des Wahlkampfs sehr geschätzt.

 


Leichter Abschied von Kiel


Während seiner Zeit in Kronshagen hat Häckel in Kiel gewohnt, in schöner Lage in einer hellen Altbauwohnung. Auch hier deutet alles auf einen sehr organisierten, vielleicht schon akribischen Menschen hin: Alle bereits gepackten Kartons sind sorgfältig aufgestapelt, sortiert, genau beschriftet und markiert, wo sie in der Westerländer Wohnung stehen wollen. Viele Möbel stehen nicht mehr auf dem Parkettboden – er habe einen großen Teil an die Kronshagener Asylbewerber verschenkt, erklärt Häckel. Auch wenn ihm der Abschied von seinen Kronshagenern schwer fallen mag, mit der Landeshauptstadt scheint sich Häckel nie wirklich angefreundet zu haben, vielleicht auch, weil er jedes Wochenende auf Sylt verbrachte. Fehlen, sagt er, wird ihm die zumindest theoretische Chance, schnell in Hamburg oder Lübeck sein zu können: „Aber wann nutzt man diese Möglichkeit schon mal.“ Weniger fehlen wird ihm das kulturelle Leben, das Kiel zu bieten hat: „Die Theaterinszenierungen haben meinen Geschmack nicht getroffen.“ Alles in allem, so scheint es, gibt er die Nähe zur Landeshauptstadt leicht auf.

Ein Gedankenspiel: Häckel gibt kein Interview vor dem Amtsantritt, sondern äußert sich nach den ersten 100 Tagen im Amt. Was will er bis dahin geschafft haben? Einen neuen „Ton“ zwischen Politk und Verwaltung, nennt Häckel als eines seiner Ziele. „Und dass wir die Öffentlichkeit besser und transparenter informieren.“

Gemeinsam mit der Politik möchte er eine Agenda erarbeiten, welche Prioritäten 2015/2016 gesetzt werden sollen – verbunden mit einer Auseinandersetzung darüber, wie die Projekte finanziert werden können. „Wir müssen das Bewusstsein dafür schärfen, wie die Gemeinde Sylt finanziell steht.“ Zudem hofft Häckel, innerhalb der ersten zweieinhalb Monate seiner Amtszeit, für die wichtigsten Themen, wie Thermen-Abriss oder Halle 28 eine „grobe, abgestimmte Linie“ gemeinsam mit der Politik zu erarbeiten.

 

 

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