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Deutscher Gewerkschaftsbund : Niebüll und Sylt: Große Pendlerbefragung

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Vier Tage lang versucht der Deutsche Gewerkschaftsbund herauszufinden, wie es den Sylt-Pendlern geht.

„Wir möchten mit unserer Umfrage die Sylt-Pendler in den Mittelpunkt stellen: Wie sind ihre Arbeitsbedingungen, werden sie fair bezahlt und wie ist die Wertschätzung ihrer Arbeit?“, sagt Perke Heldt vom Deutschen Gewerkschaftsbund Schleswig-Holstein Nordwest (DGB).

Seit vergangenem Montag stehen frühmorgens Interviewer des DGB mit einem kurzen Fragebogen in Niebüll, Klanxbüll, Keitum und Westerland, um die an- und abreisenden Arbeitnehmer und Auszubildenden nach ihrer Situation, ihren Sorgen und ihren Wünschen zu befragen. Heute war der letzte Tag der Aktion und Heldt zeigt sich zufrieden mit der Beteiligung: Nach zwei Tagen hatten bereits 333 Sylt-Pendler an der anonymen Umfrage beteiligt. „Der Fragebogen kommt bei den Betroffenen offensichtlich gut an. Sie merken dadurch, dass wir sie ernst nehmen und ihnen und ihren Problemen Gehör geben.“ Heldt betont, dass es sich natürlich nicht um eine repräsentative Umfrage handele, dem DGB sei jedoch vor allem die Erfassung eines allgemeines Stimmungsbild wichtig. „Wir erhalten so eine empirische Grundlage und persönliche Fallschilderungen der Arbeitnehmer“, so Heldt.

In der Sommersaison pendeln täglich bis zu 4  000 Menschen zu ihren Arbeitsplätzen auf die Insel. „Arbeiten, wo andere Urlaub machen, ist ganz schön anstrengend und stressig“, sagt DGB-Regiongeschäftsführerin Susanne Uhl, „deshalb wollen wir mit unserer Aktion darauf hinweisen, dass die vielen unsichtbaren Dienstleistungen auf der Insel von fleißigen und hochmotivierten Menschen erbracht werden, die ein Recht auf faire Arbeitsbedingungen haben.“ Gute Arbeit heiße für Uhl: fairer Lohn, faire Arbeitszeiten, soziale Sicherheit, mitreden und mitgestalten, wirksamer Arbeits- und Gesundheitsschutz – und vor allem Wertschätzung und Respekt.

Eine ähnliche Befragung hatte der DGB bereits 2012 durchgeführt und konnte dadurch erhebliche Probleme auf der Insel dokumentieren. Vor allem niedrige Löhne und Überstunden waren für das schlechte Ergebnis vor drei Jahren verantwortlich. „Nun wollen wir sehen, ob sich etwas auf Sylt zum Besseren geändert hat“, sagt Uhl, „denn gute Arbeit, faire Bezahlung und die Zufriedenheit der Arbeitnehmer sind die Schlüssel, um Fachkräfte im Norden zu halten. Das muss auch den Arbeitgebern bewusst sein .“

Auf die Antworten nach der Stundenlohn-Frage ist Perke Heldt besonders gespannt: „Bei unserer Umfrage 2012 gab es den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro noch nicht. Damals zeigte die Umfrage, dass jeder Vierte Sylt-Pendler weniger als 8,50 verdiente. Streng genommen darf das nach der aktuellen Umfrage nicht mehr so sein. “

Je nachdem, wie die Ergebnisse Ausfallen, möchte der DGB nach der Auswertung das Gespräch mit in den problembelasteten Branchen suchen.

Und das sagen die Pendler selbst

Sie möchten anonym bleiben: Für ein eigenes Stimmungsbild unter Pendlern hat die Sylter Rundschau am Westerländer Bahnhof Sylt-Pendler auf ihrem Heimweg aufs Festland zu ihren Arbeitsbedingungen auf der Insel befragt. Alle interviewten Personen wollen ihren Namen in der Zeitung nicht lesen – aus Angst vor der Reaktion ihres Arbeitgebers.

„Ich arbeite in Westerland als Kellner in der Gastronomie und hasse es, dass ich jeden Morgen mit der Bahn auf  die Insel  kommen muss. Eine andere Möglichkeit habe ich im Moment aber nicht. Mein Arbeitgeber zahlt mir keinen Cent zum Bahnticket, ich muss alles aus eigener Tasche zahlen. Wertgeschätzt fühle ich mich dadurch nicht besonders.“

Pendler aus Niebüll, 21 Jahre, Servicekraft in einem Westerländer Restaurant„Auf Sylt arbeite ich eigentlich ganz gerne. Das Hotel, in dem ich angestellt bin,  übernimmt auch zum Glück alle Kosten für die Bahn.  Wenn ich das selbst zahlen müsste, würde ich dort wohl auch nicht arbeiten. Allerdings empfinde ich das Pendeln wirklich als anstrengend. Am liebsten hätte ich einen Zug, der nur für Pendler ist - ohne Urlauber, die einem die Plätze wegnehmen.

Pendlerin aus Niebüll, 24 Jahre, Angestellte in einem Westerländer Hotel

„Ich glaube nicht, dass sich durch die Umfrage etwas für mich  ändert.  Allerdings ist es natürlich gut, dass auf die Probleme der Arbeitnehmer auf der Insel aufmerksam gemacht wird.“ Pendler aus Niebüll, 56 Jahre, Hausmeister auf einem Campingplatz

„Ich fahre lieber mit dem Zug auf die Insel, als mit dem Auto nach Kiel oder Flensburg. Aber ich bin mit meinen Arbeitsbedingungen auch zufrieden und bekomme die Hälfte des Bahntickets von meinem Arbeitgeber erstattet. Würde er das nicht machen, würde ich mir das Pendeln überlegen. “

 

 

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erstellt am 20.Aug.2015 | 05:09 Uhr

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