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Zum Weltposttag : „Nichts ist schlimmer als Massenmails“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wer geht in Zeiten von Mails und Telefon eigentlich noch zum Briefkasten? Auf Sylt zumindest nicht ganz wenige, hat die Sylter Rundschau anlässlich des heutigen Weltposttag gemerkt.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Sarah-Louisa schreibt sich regelmäßig Briefe mit ihrem Klassenkameraden, in denen es meist um dessen neues Kaninchen geht. Die Briefe wirft die Neunjährige dann auf dem Weg zur Schule in den Kasten ein. „Es ist schön, Post zu bekommen“, sagt sie. So sehen es auch die meisten anderen, die ihre Briefe und Postkarten gestern im Laufe des Tages dem kanariengelben Kasten in der Friedrichstraße anvertrauten. Briefe seien persönlicher als E-Mails und SMS, sagen sie, und man könne damit Freunden und Verwandten ohne viel Aufwand eine große Freude machen. Die Zeiten von Füllfeder und Tinte scheinen offenbar doch noch nicht ganz vorbei zu sein. Nach Auskunft der Deutschen Post sind immerhin noch rund 15 Prozent der 64 Millionen Briefe, die die Deutschen täglich mit der Post verschicken, privat.

Für eine Lehrerin vom schleswig-holsteinischen Festland, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist es sogar ein großer Affront, wenn jemand ihr Weihnachtsgrüße per Mail schickt. „Für mich gibt es nichts schlimmeres als diese Grüße per Massenmail – das ist so unpersönlich.“ Sie selber schreibt deshalb Briefe, „aber nur an Leute die es zu schätzen wissen.“

Für Erika Clar aus Nordhessen ist es besonders schön, wenn ein Brief von ihrem Sohn im Briefkasten liegt. Er ist mit seiner Familie nach Neuseeland ausgewandert und schickt per Post Fotos von seinem Sohn. „Die klebe ich dann immer sofort in mein Album ein“, sagt Erika Clar. Zwar nutzt sie auch den Videotelefonie-Dienst Skype, um den Kontakt zur anderen Seite der Welt zu halten, „aber Briefe sind etwas ganz Besonderes“. Aus ihrem Sylt-Urlaub schreibt sie Postkarten an ihre Kinder. Briefe verschickt sie selber eher selten.

Auch Bernd Steubler nutzt die Post, um mit seinem Kind in Kontakt zu bleiben. Der Sylter ist Page im Hotel Miramar und schreibt regelmäßig seiner Tochter, die in Göttingen studiert. „Wir telefonieren zwar ständig, aber ich finde trotzdem immer noch etwas, das ich in den Brief schreiben kann.“ Dafür nimmt er sich dann richtig Zeit. „Das ist nichts, was man mal eben in der Mittagspause machen kann.“

Gleich mit einem ganzen Stapel Postkarten kommt Christina Kapp zum Briefkasten. Die Journalistin aus Koblenz hat in ihren 14 Urlaubstagen bereits 15 Karten verschickt. „Ich finde es super, wenn ich in den Briefkasten schaue und dort etwas Persönliches finde. Das ist auch der Grund, warum ich regelmäßig Briefe und Postkarten schreibe.“ In ihnen erzählt sie Freunden und Verwandten, wie ihr Urlaub ist und wie es ihr geht. „Die Karten werden dann an den Kühlschrank oder die Pinnwand gehängt, damit bleibe ich auch meinen Leuten in Erinnerung.“

Für Regina Wiedemann aus Berlin wäre es „schrecklich, wenn es keine Stifte oder Postkarten mehr gäbe“. Mit dem Computer erledigt sie nur Geschäftliches, aber alles Persönliche erledigt sie per Hand. „Ich schreibe an alle möglichen Leute, an Freunde, Sportkameraden oder Familienmitglieder. Viele antworten dann auch.“ Nur ihre Söhne halten sich meist an die elektronischen Medien. „Aber der Älteste lebt noch zu Hause und manchmal legt er mir einen Zettel hin, auf den er zum Beispiel ,herzlich Willkommen’ schreibt, weil er weiß, wie sehr ich mich darüber freue.“

Nachdem die meisten Menschen, die an diesem Dienstagmittag ihre Briefe eingeworfen haben, weiblich und mittleren Alters waren, bildeten Franziska Brandenburg und Michael Grube eine echte Ausnahme. Die beiden sind 24 und 26 Jahre alt und wollen Postkarten an ihre Freunde schicken. „Die Post nutze ich eigentlich nur für offizielle Briefe oder Postkarten“, erzählt Franziska. „Sonst nutze ich eigentlich immer E-Mails. Hauptsächlich aus Bequemlichkeit, denn das geht einfach schneller.“ Für Urlaubsgrüße kommen die elektronischen Medien für sie aber nicht in Frage. „Allein schon wegen der Bilder. Außerdem bewahren meine Freunde die Postkarten auf, die E-Mails nicht.“

Gerade als die neunjährigen Zwillinge Sarah-Louisa und Anna-Sophia mit ihrer Großmutter Renate Wallmann ihre Urlaubskarten einwerfen wollen, fährt Holger Caspersen mit dem Postauto vor. Der Briefträger will den Briefkasten entleeren, die Kinder dürfen ihre Karten aber direkt in den Postsack werfen, der etwa zu einem Viertel voll ist. Rund 12 000 Briefe werden jeden Tag von der Insel aus verschickt, erzählt er. „Im Sommer sind es viel mehr Briefe als jetzt, dann ist der Sack immer voll.“ Er müsse aber schnell wieder los – schließlich wollen auch noch andere Leute, dass ihre Briefe rechtzeitig zum Weltposttag ausgeliefert werden.

 

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