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Sylter Rundschau

19. August 2017 | 00:30 Uhr

Miris Sylt : Nicht Fisch, nicht Fleisch

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

An diesem Wochenende macht sich unsere Kolumnistin Miriam Köthe so ihre Gedanken über den Sinn und Zweck von Westen als Kleidungsstück.

Uneinigkeit direkt beim Frühstück. Stressiger kann ein Tag kaum beginnen. Carsten hämmert auf seinem Frühstücksei herum und versucht mich zu einem Strandspaziergang zu überreden. Ich köpfe mein Ei und halte mit den Vorzügen einer Radtour entgegen. „15 Grad, Sonne und kaum Wind. Das wird einer der letzten Tage sein, an denen wir uns in diesem Jahr noch mal aufs Fahrrad schwingen können. Irgendwann wird’s zu kalt“, erkläre ich. Er hält mir sein Handy entgegen. „Guck! Ein Strandspaziergang würde gleich super passen. Es ist nämlich gerade Niedrigwasser.“ Konter! „Niedrigwasser haben wir noch das ganze Jahr“. Er schweigt. Strike. Klingt nach einem klaren Punktsieg. „Also gut, dann machen wir halt ne Radtour.“ Na bitte, wer sagt’s denn?!

Während Carsten bereits abfahrbereit im Flur steht, wühle ich weiterhin im Kleiderschrank herum. „Jetzt sag nicht, dass du nicht weißt, was du zu einer Radtour anziehen sollst“, ruft er Richtung Schlafzimmer. Richtig. Jeans, Sweatshirt und Turnschuhe sind klar, aber was soll ich darüber anziehen? „Was hast du oben herum an?“ rufe ich runter. Mittlerweile bellt der Nachbarhund. „Nichts. Ich bin nackt. Ist ja so warm und windstill, hast du gesagt“, ruft Carsten zurück. Ich bin nun wirklich nicht zu Scherzen aufgelegt und marschiere nach unten. Carsten trägt über seinem Pulli eine Daunenweste. Westen sind für mich ein Rätsel. Ich finde, dass man eine Weste mit Menschen vergleichen kann, die abends vor einem Club in der Schlange anstehen. Der eine Teil darf rein ins Warme, der andere muss in der Kälte draußen stehen bleiben. Der Oberkörper darf es muschelig warm haben, und die Arme dagegen müssen frieren. Nein, ich bin definitiv kein Westen-Typ. Ich will Ihnen Westen jetzt wahrlich nicht schlecht reden, aber mal ehrlich, Westen sind doch nicht Fisch nicht Fleisch, oder?!

Selbstverständlich habe ich es einmal ausprobiert. Vor einigen Jahren gab es auf Sylt eine Klamottenkette, die Daunenwesten in allen erdenklichen Farben zu einem unschlagbar günstigen Preis verkauft hat. Ende vom Lied: ganz Sylt lief in dieser Weste herum. Auch ich habe mir diese Sylter „Einheitsweste“ gekauft, da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine besaß und Carsten seine so sehr liebte. Meine Weste war hellblau und ich habe sie auf genau einer Radtour getragen. Seitdem hängt sie unberührt im Kleiderschrank. Am Oberkörper lief mir der Schweiß in Rinnsalen über den Körper, und an den Armen habe ich gefroren wie ein Schneider. Ende vom Lied war eine fette Erkältung. Seitdem sind Westen und ich regelrechte Feinde.

„Also ne Weste ist perfekt bei dem Wetter“, freut Carsten sich. Ich dagegen entscheide mich für meine grüne Sommerdaunenjacke. Natürlich auf Sylt gekauft.

Los geht’s. Ich muss Ihnen sagen: meine Sommerdaune ist ne Macht. Ich möchte sie an dieser Stelle allerdings in „Herbstdaune“ umbenennen, denn auch in dieser Jahreszeit ist sie ein wunderbar funktionelles und weiterhin flottes Kleidungsstück, nicht zu warm, nicht zu kalt, dazu federleicht und zudem kann man sie so klein zusammenfalten, dass sie in jede Handtasche passt. Ich schwärme während der kompletten Radtour.


„Wenn du sie so sehr liebst, solltest du dir eine zweite anschaffen“, sagt Carsten. Gleich am nächsten Tag habe ich mir eine zweite gekauft (im Camouflage-Look) und sie sofort mit Stolz getragen - bei unserem Strandspaziergang bei Ebbe!

 

 

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

 

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