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Bauarbeiten auf der Marschbahn : Neun Tage ohne Bahn sind ein „No-Go“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im November 2019 muss die Bahnstrecke Richtung Sylt gesperrt werden. Über mögliche Zeitvarianten sind sich Pendler und Touristiker uneins.

Die Deutsche Bahn (DB) AG plant ab 1. November 2019 erneut Bauarbeiten auf der Marschbahn: Im Abschnitt zwischen Klanxbüll und Niebüll müssen umfassend Schotter, Schwellen und Schienen ausgetauscht werden. Zudem soll durch Maßnahmen im Untergrund die Stabilität des Bahndammes erhöht und die Entwässerung verbessert werden. Deshalb kommt es entweder zu einer Vollsperrung der Strecke für eine Dauer von neun Tagen am Stück oder an sechs aufeinanderfolgenden Wochenenden. Dies sind zumindest die beiden Szenarien, die von der zuständigen DB Netz AG bisher bekannt gegeben wurden. Betroffen von der Sperrung sind vor allem Autozüge, aber auch Güterzüge – in den genannten Zeitfenstern käme es zu einem Totalausfall sämtlicher Fahrten zwischen dem Festland und der Insel. Für die Personenzüge zwischen Niebüll und Klanxbüll soll es während den Bauzeiten auf dem Festland einen Schienenersatzverkehr mit Bussen geben. Ab Klanxbüll bis Westerland und in der Gegenrichtung würden alle Nahverkehrszüge jedoch planmäßig fahren (wir berichteten).

Sämtliche wichtigen Institutionen der Insel wie Politik, Verwaltung, Unternehmer und Touristiker wurden diesmal rechtzeitig informiert und haben auf der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses der Gemeinde Sylt erstmals öffentlich ihre Standpunkte zu den beiden Varianten sowie auch alternative Vorschläge diskutiert. Für die von vielen als „härteste Variante“ bezeichnete Neun-Tage-Vollsperrung sprach sich dabei Achim Bonnichsen von der Facebook-Pendlerinitiative aus. Mitarbeiter von Sylter Firmen, die auf dem Festland wohnten, würden zur An- und Abreise entweder den Busersatzverkehr dort nutzen oder – eventuell noch sinnvoller – in den knapp zwei Wochen einfach Urlaub nehmen. Benötigte Baumaterialien könnten vor Beginn der Sperrung ja rechtzeitig bevorratet werden, meinte der Inhaber eines Tinnumer Handwerkerbetriebes. Ein gewichtiges Argument seien aus seiner Sicht die wahrscheinlich doppelten Kosten, die bei anderen Lösungen durch den dann mehrfach notwendigen Auf- und Abbau der Schienenbaustellen entstehen würden.

Für Peter Douven dagegen ist die Neun-Tage-Lösung ein „absolutes No-Go“ – zum Beispiel wegen der Versorgung der Insel-Supermärkte mit Waren des täglichen Bedarfs, aber vor allem wegen der Autoanreise der Touristen in der Nachsaison. „Die Bauarbeiten sollen zwar erst im November stattfinden, aber Sylt entwickelt sich ja immer erfolgreicher zu einer Ganzjahres-Destination.“ Dass neun Tage lang überhaupt keine Autozüge und auch kein Güterwaggons fahren könnten, hält der Geschäftsführer des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS) für völlig ausgeschlossen. Ebenso wenig komme jedoch die Variante der sechs Wochenende in Frage, denn am Sonnabend wäre ja immer Bettenwechsel, so Douven.

In der Diskussion – wie auch in den Vorgesprächen – wurde schnell deutlich, dass aus Inselsicht keine der beiden vorliegenden Varianten empfohlen werden kann. Zu unterschiedlich sind die Interessen und Bedürfnisse der Betroffenen: „Man sieht, die Gegensätze zwischen Berufspendlern und Touristen sind nur schwer bis gar nicht lösbar“, sagte Bürgervorsteher Peter Schnittgard.

ISTS-Chef Peter Douven favorisiert – wie Vertreter der Sylter Wirtschaft - eine dritte Variante, über die allerdings noch nicht offiziell mit der DB Netz AG gesprochen wurde. Die Bahnstrecke würde dann nur werktags von Montagabend bis Freitagmorgen gesperrt. So wären über die längeren Wochenenden An- und Abreisen für Touristen mit dem Autozug möglich und tageweise könnten auch Transportfahrzeuge sowie Güterzüge die Insel erreichen. Für diese Variante sprach sich in der Sitzung auch Birte Dettmers, die Geschäftsführerin der Rømø-Sylt Linie GmbH, aus. Zwar könne die Syltfähre ihres Unternehmens bei einer Neun-Tage-Vollsperrung quasi rund um die Uhr fahren und so einen Großteil des Lkw-Verkehrs übernehmen, aber dann hätten die Privat-Pkw der Urlaubsgäste das Nachsehen. „Hinzu kämen massive Verkehrsprobleme in List“, sagte Dettmers. „Wir haben ja nicht genug Wartespuren am Hafen und müssten Rückstau-Lösungen zum Beispiel am Ortseingang schaffen.“

Bis Ende dieses Jahres sollen weitere Gespräche für die Abgabe einer Empfehlung der Insel geführt werden. Die Politiker erhoffen sich bis dahin auch eine Entscheidung aus dem Bundesverkehrsministerium, ob es zum langersehnten zweigleisigen Ausbau der Strecke Klanxbüll-Niebüll kommen wird, was dann wiederum Auswirkungen auf die für November 2019 geplanten Bauarbeiten haben könnte. Vom Tisch scheint mittlerweile eine Variante, bei der alle Autozüge doch fahren könnten: die Nutzung der alten Verladerampe in Klanxbüll. Dort gibt es laut DB jedoch keine geeigneten Aufstellflächen für die Fahrzeuge. Außerdem reicht die vorhandenen Rampenlänge nicht aus, die Höhenlage zwischen Rampe und Autozug stimmt nicht und notwendige Rangiervorgänge wären nur sehr umständlich durchzuführen.

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erstellt am 16.Mai.2017 | 05:37 Uhr

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