zur Navigation springen
Sylter Rundschau

22. Oktober 2017 | 10:45 Uhr

Bahnchaos auf Sylt : Neun Tage ohne Autozug?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im November 2019 sollen die Gleise zwischen Klanxbüll und Niebüll erneuert werden. Für den Auto- und Güterzugverkehr von und nach Sylt hat das erhebliche Auswirkungen.

von
erstellt am 25.Apr.2017 | 05:06 Uhr

Sylt | Kaum sind die umfangreichen Arbeiten der Deutschen Bahn für das elektronische Stellwerk sowie an den Gleisen, Signalanlagen und Bahnübergängen zwischen Morsum und Keitum beendet, kündigt das Unternehmen weitere Maßnahmen auf der Marschbahn an. Ab November 2019 sind erneut aufwändige Bauarbeiten geplant – diesmal betrifft es den Streckenabschnitt auf dem Festland zwischen Klanxbüll und Niebüll. Dort müssen Schotter, Schwellen und Schienen ausgetauscht werden. Diese Arbeiten wären notwendig, weil die bestehenden Gleisanlagen das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht hätten und damit eine Sanierung dringend geboten sei, heißt es von der DB AG. Nur so könne in Zukunft ein sicherer und verlässlicher Eisenbahnverkehr gewährleistet werden.

Die Baumaßnahmen werden wesentlich stärkere Auswirkungen auf den Bahnverkehr in Richtung Sylt haben als zurückliegende Streckensperrungen. Zur Disposition hinsichtlich der Zeitplanung stehen bisher folgende zwei Szenarios:

Variante 1 – eine einmalige durchgehende Vollsperrung der Strecke mit einer Dauer von neun Tagen, beginnend an einem Freitag ab Betriebsschluss bis zum Betriebsbeginn am übernächsten Montag. Für die Personenzüge zwischen Niebüll und Klanxbüll gibt es in dieser Zeit einen Schienenersatzverkehr mit Bussen. Von Klanxbüll bis Westerland und umgekehrt sollen die Nahverkehrszüge fahrplanmäßig fahren. Für Autozüge und auch für Güter- und Fernverkehrszüge würde es bei dieser Variante jedoch zu einem neuntägigen Totalausfall kommen.

Variante 2 – Vollsperrung der Strecke an sechs aufeinanderfolgenden Wochenenden, nach Abfahrt des letzten Autozuges am Freitag bis zum Betriebsbeginn des ersten Autozuges am Montag. Bei dieser „gestreckten Variante“ ist ein Ende der Baumaßnahmen jedoch nicht vor dem 9. Dezember zu erwarten – damit besteht durch Frostgefahr das Risiko einer Verlängerung der Bauzeit. Wie bei Variante 1 sollen zwischen Niebüll und Klanxbüll Busse fahren, ab dort bis Westerland dann Personenzüge. Alle anderen Züge würden an den sechs Wochenende total ausfallen.

„Gott sei Dank können wir diese neue Herausforderung gemeinsam angehen“, sagt Peter Schnittgard. Im Unterschied zu den Arbeiten der Bahn in der Vergangenheit seien alle wichtigen Institutionen der Insel frühzeitig informiert worden und würden in die Diskussionen um eine bestmögliche Lösung eingebunden, so der Bürgervorsteher der Gemeinde Sylt. Vertreter aus Politik und Verwaltung, vom Verein Sylter Unternehmer, des Dehoga, der Tourismusbranche sowie der Pendlerinitiative fragen zur Zeit intern Stimmungsbilder ab und formulieren Empfehlungen, die dann auf der nächsten Sitzung des Hauptausschusses am 9. Mai im öffentlichen Teil näher erläutert und ausführlich diskutiert werden sollen, wie der Ausschussvorsitzende Carsten Kerkamm gegenüber der Sylter Rundschau mitteilte.

Gegen Variante 1 – also eine Vollsperrung an neun Tagen hintereinander – regt sich vor allem aus der Sylter Wirtschaft massiver Widerstand. Weil dann weder Auto- noch Güterzüge fahren könnten, sei die Versorgung der Insel akut gefährdet. In den Lebensmittel- und Getränkemärkten müssten große Vorräte angelegt werden, die Lieferung von Frischwaren sowie so genannte Just-in-time-Bestellungen seien schwierig bis unmöglich.

Zwar sei für Transport-Lkw teilweise ein Ausweichen auf die Syltfähre möglich, doch damit wären auf keinen Fall die Kapazitäten zu erreichen, die der Sylt Shuttle bietet. Das bestätigt auch der Marketingchef der Rømø-Sylt Linie: „Neun Tage das gesamte Volumen der Autozüge abzufangen, das schaffen wir nicht“, sagte Tim Kunstmann. Sein Unternehmen habe jedoch angeboten, dann den Fahrplan erheblich zu erweitern. „Wir könnten mit zwei Crews in zwei Schichten 24 Stunden am Tag durchfahren.“ Allerdings hofft auch Kunstmann auf eine Lösung, die allen Beteiligten weniger Probleme macht.

So könnte eine dritte Variante ins Spiel kommen: Die Bahnstrecke würde werktags von Montagabend bis Freitagmorgen gesperrt. Damit wären von Freitag- bis Montagmittag sowohl An- und Abreisen der Touristen als auch der Lkw-Transport möglich und es könnte zumindest ein Teil der Güterzüge fahren.

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen