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Verkehr auf Sylt : Neues Projekt gegen zu viel Wasser

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Mit einem unterirdischen Auffangbecken soll künftig ein Verkehrchaos zwischen Kirchenweg und Busbahnhof bei Starkregenfällen verhindert werden

von
erstellt am 21.Dez.2015 | 18:26 Uhr

Jedes Jahr kommt es bei Starkregen zu Überschwemmungen im Bereich Kirchenweg und Trift bis hinunter zum Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB). Um die Wassermassen künftig stärker zu reduzieren und schneller ableiten zu können, soll unter dem Parkplatz am Bahnhof hinter dem ehemaligen Schwennsen-Grundstück ein großes Regenwasser-Rückhaltebecken errichtet werden, teilte Tiefbauamtsmitarbeiter Dirk Russkamp auf der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses der Gemeinde Sylt mit.

Bereits seit der Jahrtausendwende wird zwischen Verwaltung und Politik über verschiedene, dringend erforderliche Maßnahme für die Oberflächenentwässerung in der Westerländer Innenstadt diskutiert. Die Pläne zur Verlegung einer neuen Rohrleitung für das Regenwasser, eines so genannten Hauptsammlers, zum ZOB wurde allerdings in den zuständigen Ausschüssen immer wieder verschoben. Bauchschmerzen bereiteten den Gemeindevertretern vor allem die veranschlagten Bau- und Planungskosten in Höhe von zirka sieben Millionen Euro. Diese Variante ist nunmehr zwar nicht endgültig vom Tisch, soll aber auch nicht – wie vom Bauamt bisher angedacht – noch vor den umfangreichen Bau- und Sanierungsarbeiten der Fahrbahndecke der L24 (wir berichteten) ab Ostern 2016 durchgeführt werden.

Stattdessen hat der Bauausschuss einstimmig dem Einbau von Speicherblöcken aus Kunststoff auf dem Schwennsen-Grundstück zugestimmt, die bereits seit der Sanierung des Andreas-Nielsen-Parkplatzes dort erfolgreich eingesetzt werden. Das unterirdische Wasserbecken wird aus knapp 4  000 Kunststoffbehälter bestehen, die zusammen ein Speichervolumens von rund 1  500 Kubikmetern haben und über eine Gesamtfläche von 1  250 Quadratmetern verteilt sind. Für den Betrieb der Anlage werden außerdem ein so genanntes Entleerungspumpwerk sowie eine Druckleitung zu den angrenzenden Straßen gebaut. Darüberhinaus dient dieses Rückhaltebecken auch zur Versickerung von „normalem“ Niederschlagswasser, weil der Untergrund nicht mit Folie ausgelegt, sondern der Einbau eines Filtervlieses vorgesehen ist. Eine grundsätzliche Zustimmung des Kreises Nordfriesland zu der gewählten Bauweise liege bereits vor, erklärte Dirk Russkamp vom Tiefbauamt.

Die Gesamtkosten der unterirdischen Wasserbeckenlösung werden ungefähr 1,3 Millionen Euro betragen und sind für den Haushalt 2016 bereits angemeldet. Die Hälfte der Baukosten soll durch Entwässerungsgebühren refinanziert werden, die von der Gemeinde auf Grundlage einer künftig neuen Oberflächenentwässerungssatzung eingenommen werden können. Wenn alle Voraussetzungen – wie die wasserrechtliche Genehmigung oder die Abstimmung der Bauausführung mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) – vorliegen, soll mit dem Bau des Rückhaltebeckens bereits im Frühjahr 2016 begonnen werden, sagte Reiner Brudnitzki gegenüber der Sylter Rundschau. Mit der Fertigstellung sei dann zum Saisonbeginn im kommenden Jahr zu rechnen, so der Leiter des Tiefbauamts der Gemeinde Sylt.

Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen und die Oberflächen wieder hergestellt sind, besteht laut Bauamt auch die Möglichkeit, die bisherige Gestaltung des Parkplatzes durch überdachte Fahrradabstellplätze weiter zu optimieren. Eine entsprechende Planung werde von der Verwaltung zur Zeit erstellt und dann im Ortsbeirat Westerland sowie im Bau- und Planungsausschuss vorgestellt, so Brudnitzki. Die Umgestaltung könne unter Umständen einhergehen mit dem Baubeginn des Büro- und Geschäftshauses zwischen Parkplatz und Kirchenweg. In dem Gebäude sind zumindest nach bisherigen Plänen auch Pkw-Stellplätze in überirdischen Geschossen vorgesehen. Eine Bestätigung des Bauherren hat die Sylter Rundschau auf Anfrage dafür allerdings nicht erhalten.

Der Bau des Wasserrückhaltebeckens sei allerdings nur eine weitere vieler erforderlicher Maßnahmen, um gegen künftige Überschwemmungen im Westerländer Innenstadtbereich besser gewappnet zu sein, betont Brudnitzki. Denn durch die jedes Jahr auftretenden Starkregenfälle bestehe ein erhebliches Gefährdungspotenzial für den öffentlichen Verkehr – ob für Fußgänger oder für Rad- und Autofahrer. Außerdem wäre es in der Vergangenheit wiederholt zu Schäden an und innerhalb der umliegenden Gebäude gekommen, für welche die Gemeinde auf Schadensersatz verklagt worden sei. Seit 2008 seien zwar 3,5 Millionen für Baumaßnahmen zur Verbesserung der Oberflächenentwässerung investiert worden, so der Tiefbauamtsleiter. „Aber das reicht nicht. In den nächsten Jahren werden wir doch den Bau eines größeren Regenwasserkanals zum ZOB angehen müssen“.

 

 

 

 

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