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Pflege auf Sylt : Neues Konzept für Seniorenheime: Mehr Angebote, aber weniger Plätze

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Fragen und Antworten: So soll es künftig in den Senioreneinrichtungen Steinmannstraße und Wenningstedter Weg weitergehen.

von
erstellt am 06.Okt.2015 | 05:10 Uhr

Wie sollen die beiden Seniorenheime betrieben werden, die die Gemeinde Sylt in den vergangenen Wochen von der AWO und der Diakonie gekauft hat? Das wollten die Johanniter als neue Betreiber und das Kommunale Liegenschafts-Management (KLM) gestern in einer Pressekonferenz erklären. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengetragen.

 

Was ist das neue Konzept?

Nachdem nun die Diakonie und die AWO ihre Seniorenheime auf der Insel aufgegeben haben und beide Gebäude von den Johannitern betrieben werden, sollen neben den bisherigen auch neue Pflege-Wege beschritten werden. Das heißt konkret: Es soll künftig statt 119 nur noch 55 vollstationäre Pflegeplätze geben, die sich alle in der Einrichtung am Wenningstedter Weg befinden. In der Steinmannstraße können Menschen zudem Tagespflege (neu) in Anspruch nehmen. Außerdem soll es dort zwei ambulante Wohngruppen geben, in denen Menschen leben können, die zwar nicht mehr komplett eigenständig wohnen können, aber auch noch nicht auf vollstationäre Pflege angewiesen sind. Auch diese Form der Pflege gab es auf Sylt bisher noch nicht. An die noch eigenständigeren Senioren sollen in der Steinmannstraße 60 Seniorenwohnungen vermietet werden (bisher: 49). Durch diese größere Bandbreite an Pflege-Angeboten wollen die Betreiber künftig besser in der Lage sein, auf Veränderungen in der Nachfrage zu reagieren.

 

Das heißt, die Zahl der vollstationären Pflegeplätze auf Sylt wird deutlich weniger. Ist das nicht problematisch?

Ja, sagen die Insulaner-Piraten. „Angesichts des demografischen Wandels werden wir mittelfristig zu wenig vollstationäre Pflegeplätze auf Sylt haben“, glaubt Pirat Christian Thiessen.

Nein, heißt es von KLM und den Johannitern. Die 119 Plätze, die die beiden Einrichtungen bisher vorgehalten haben, seien lange nicht alle belegt gewesen. „Die Folge war, dass beide Träger hohe Verluste machten“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Zudem könnten einige der Bewohner, die aktuell in der vollstationären Pflege untergebracht sind, bei Wunsch auch in eine der neuen ambulanten Wohngruppen ziehen.

 

Wenn sich so viel ändert: Müssen Bewohner der Pflegeheime umziehen?

Ja, allerdings nicht alle. Geplant ist, dass die 42 Menschen, die momentan in der stationären Pflege in der Steinmannstraße leben, in die Einrichtung am Wenningstedter Weg umziehen. Dort sollen sie entweder in der stationären Pflege oder in einer der Wohngruppen untergebracht werden.

Eigentlich sollen diese Umzüge in den nächsten drei Monaten stattfinden - dass das wahrscheinlich nicht funktionieren wird, deutete sich bei der Vorstellung des Konzepts aber schon an. Zudem betonten die Verantwortlichen, dass keiner der Senioren zum Umzug gezwungen werde.

 

Wird die Gemeinde den Kauf der Seniorenheime (Kostenpunkt: knapp 13 Millionen Euro) refinanzieren können?

Bürgervorsteher Peter Schnittgard stellte als Antwort auf diese Frage klar, dass es aus seiner Sicht eine Refinanzierung der Einrichtungen nicht im Vordergrund stünde. Sondern dass die Insel durch den Kauf der Häuser dazu beitrage, Syltern ein würdiges Lebensende auf der Insel zu ermöglichen. KLM-Leiter Marcus Kopplin betonte dagegen, dass sich die Anlangen mittelfristig eigenständig rechnen sollen und werden.

 

Warum haben AWO und Diakonie ihre beiden Sylter Einrichtungen überhaupt verkauft?

Weil sie die Einrichtungen nicht mehr wirtschaftlich betreiben können, war die Begründung, als der Verkauf der beiden Häuser erstmals öffentlich thematisiert wurde. Dass die Gemeinde Sylt eingesprungen ist und die beiden Häuser übernommen hat, liegt daran, dass ein Investor die beiden Gebäude kaufen wollte, um in einem der Häuser luxuriöse Seniorenwohnungen zu errichten (wir berichteten). Henrik Meyer, Geschäftsführer der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie, ließ es sich gestern auch nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass die Diakonie deutlich mehr Geld erhalten hätte, wenn sie an den Investor und nicht an die Gemeinde verkauft hätte. Auf diese Äußerung reagierte Gemeindevertreter Gerd Nielsen mit Unmut: „Das ist ja wohl nicht im Sinne des christlichen Gedankens, oder?“

 

 

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