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Flüchtlinge Auf Sylt : Neues Konzept für Asylsuchende

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Verwaltung stellt verschiedene Unterbringungspläne für Flüchtlinge vor. Ein Deal in Sachen Haus Quickborn scheint möglich ...

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2015 | 05:30 Uhr

Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen hat die Inselverwaltung Sylt ein neues Konzept erarbeitet, wie die Menschen künftig auf der Insel untergebracht werden könnten. Knackpunkt des Ganzen: Dass die Menschen weiterhin dezentral, also in kleineren Wohneinheiten, leben können, hält die Verwaltung nicht mehr für umsetzbar. In ihrem Modell sollen die Asylsuchenden deshalb zunächst zentral untergebracht werden, um erst später in kleinere Wohneinheiten umziehen zu können. Dieses Konzept wird in den kommenden Wochen den politischen Gremien der Insel vorgestellt.

In der neunseitigen Vorlage zu diesen neuen Planungen werden verschiedene Möglichkeiten der Flüchtlingsunterbringung verglichen. Dabei wird von Seiten der Verwaltung deutlich gemacht: Die Flüchtlinge weiterhin nur dezentral unterzubringen, ist zu teuer und zudem zu zeitaufwändig. Verglichen wird in der Vorlage, wie praktisch und wie teuer es wäre, Asylsuchende zunächst im ehemaligen Jugendaufbauheim in Hörnum (JAW-Heim), in der leer stehenden Westerländer Klinik Haus Quickborn oder in Containern unterzubringen. Deutlich wird, dass alle drei Varianten ihre Vor- und Nachteile haben (siehe Grafik).

So stellt sich unter anderem beim JAW–Heim die Frage, ob die Insel das Gebäude nicht besser zuerst vom Land kaufen sollte. Denn für die Flüchtlingsunterbringung würde das Gebäude zwar kostenfrei zur Verfügung gestellt, die Insel müsste jedoch knapp eine Millionen Euro in das Haus investieren. Das lohnt sich eher, wenn die Insel das Gebäude später auch anderweitig nutzen könnte. Im Fall JAW-Heim weist die Verwaltung zudem darauf hin, dass in unmittelbarer Nachbarschaft mindestens 300 Flüchtlinge aus dem Kreis Pinneberg im Fünf-Städte-Heim untergebracht werden sollen. Sollte sich die Insel also auch dazu entschließen, ihre Asylsuchenden im Inselsüden gesammelt leben zu lassen, „bedeutet dies ein Bevölkerungsanstieg um annähernd 50 Prozent“ in Hörnum.

Auch wieder im Rennen ist das leer stehende Haus Quickborn in Westerland. Das wollte die DAK an einen süddeutschen Investoren verkaufen. Dieser Investor ist nun in Verhandlungen mit einem Hamburger Immobilienkaufmann, der im Haus Quickborn gern seniorengerechtes Wohnen anbieten möchte. Momentan ist das aber nach dem dortigen Bebauungsplan nicht möglich, die Gemeinde müsste einer Nutzungsänderung zustimmen.

Laut Bürgermeister Nikolas Häckel könnte sich die Gemeinde nun für einen Deal entscheiden: Sie signalisiert, dass sie den B-Plan ändert, dafür kann sie in den kommenden fünf Jahren Flüchtlinge zu recht günstigen Mietbedingungen im Haus Quickborn unterbringen. Ob sich die Insel – zunächst einmal der Finanzausschuss der Gemeinde Sylt – überhaupt auf so ein Geschäft einlassen würde, ist allerdings vollkommen unklar. Nikolas Häckel selbst hat zumindest grundsätzlich nichts gegen mehr Pflegeangebote auf der Insel – so sie denn für die Senioren bezahlbar sind. Er sieht das Konzept auch nicht als drohende Konkurrenz für die zwei jüngst von der Gemeinde angekauften Seniorenheime: „Angesichts des demografischen Wandels brauchen wir weitere Pflegeplätze, auch im Bereich der Tages- oder der Demenzpflege.“

Während also die Frage, ob im Haus Quickborn wirklich Flüchtlinge untergebracht werden können, noch recht offen erscheint, präsentiert die Verwaltung als dritte Möglichkeit, 85 Container für 100 Asylsuchende anzumieten: Es gebe genügend Flächen, um sie aufzustellen – allerdings ist unklar, wie schnell sie angemietet werden könnten. Was sich zwischen den Zeilen auch lesen lässt: Mittelfristig muss sich die Insel aus Sicht der Verwaltung wohl ohnehin für mehrere Wege gleichzeitig entscheiden: „Empfohlen wird eine Mischform der Unterbringung dahingehend, dass sowohl Gebäude- wie auch Containerlösungen angestrebt werden.“

Nun müssen die Kommunalpolitiker in den kommenden Wochen darüber entscheiden, ob sie den vorgeschlagenen Weg der Verwaltung gehen wollen.

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