Neues Konzept: Bahn will Personenwaggons an den Syltshuttle hängen

So ein Dieseltriebwagen  soll künftig hinten an die Autozüge der DB Fernverkehre angekoppelt werden und hinter Niebüll eigenständig Personen weiter nach Hamburg befördern.
So ein Dieseltriebwagen soll künftig hinten an die Autozüge der DB Fernverkehre angekoppelt werden und hinter Niebüll eigenständig Personen weiter nach Hamburg befördern.

shz.de von
17. Juni 2015, 14:52 Uhr

Konkurrenz belebt das Geschäft: Diese Binsenweisheit bewahrheitetet sich offenbar gerade im Kampf um den Hindenburgdamm. Nachdem nun feststeht, dass DB-Konkurrent RDC ab Dezember 18 Fahrten von oder nach Niebüll anbieten darf, legt nun die DB Fernverkehr nach: Künftig sollen die Autozüge des Unternehmens zwischen fünf Uhr morgens und 22 Uhr abends öfter, nämlich zweimal stündlich fahren und sie sollen zusätzlich auch Fahrgäste transportieren. Das verkündeten Vertreter der DB Fernverkehr gestern während einer Pressekonferenz.

Und so stellt sich die DB Fernverkehr das neue Konzept vor: Hinten an den Autozug wird ein Triebwagen angekoppelt, in den zwei Waggons können bis zu 140 Menschen sitzen. Nachdem dieser Personen-Autozug Niebüll erreicht hat, wird der angehängte Personenzug abgekoppelt und soll dann bis Husum und einmal pro Stunde auch bis Hamburg-Altona weiterfahren. Halten soll er unter anderem in Bredstedt, Husum und Itzehoe. Die Preise für den Autozug sollen laut Bahn bleiben wie bisher, die Preise für Sitzplätze in den angehängten Personenzügen von oder nach Husum oder Hamburg sollen „unterhalb des IC-Preises“ liegen.

Der Grund für diese etwas ungewöhnliche Koppelung von Auto- mit Personenzug liegt in der Konkurrenz zu Mitbewerber Railroad Development Deutschland (RDC) und dem laufenden Trassenvergabeverfahren für das kommende Jahr begründet: Wenn zwei oder mehr Unternehmen zum gleichen Zeitpunkt Züge fahren lassen möchten, bekommt derjenige die Trasse zugesprochen, der seine Züge über eine längere Strecke rollen lassen will. Heißt: Anmeldungen für eine Fahrt von Westerland nach Hamburg übertrumpfen Anmeldungen für die Fahrt Westerland nach Niebüll. Um im Vergabeverfahren also sicher zu gehen, dass die DB bei möglichst vielen Verbindungen gegen das amerikanische Unternehmen gewinnt, hatte die DB die längeren Trassen bis nach Husum oder Hamburg bestellt. Das Verfahren läuft noch – aber dass die DB durch diesen „Trick“ einen großen Teil der Autozugverbindungen erhalten wird, scheint wahrscheinlich. Konkurrent RDC hatte angekündigt, das Vorgehen der Bahn juristisch prüfen zu lassen.

Ob die DB Netz AG wirklich alle angemeldeten Fahrten der Auto-Personen-Züge (die DB nennt es „Syltshuttle Plus“) genehmigen wird, ist wohl fraglich, ließ sich in der Pressekonferenz heraus hören. Doch auch wenn lediglich die Hälfte dieser Zugfahrten erlaubt wird, würde sich die Zahl der Personenzüge zwischen Westerland und Hamburg deutlich erhöhen. Damit könnten die Auto-Personen-Züge zu einer Konkurrenz für die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) werden, die derzeit den Nahverkehr zwischen Hamburg und Westerland betreibt. Ein NOB-Sprecher sagte gestern, das DB-Konzept sei der NOB bisher nicht bekannt. Deshalb wolle man noch keine Stellungnahme zu den Vorgängen abgeben.

Ohnehin sieht es laut Insidern so aus, als würde das Land Schleswig-Holstein im Herbst dieses Jahres entscheiden, dass die NOB den Nahverkehr zwischen Hamburg und Westerland an die Deutsche Bahn verlieren wird (wir berichteten). Ob und wie die DB in diesem Fall den klassischen Nahverkehr mit den Auto-Personenzügen abstimmt, dazu wollte sich das Unternehmen gestern nicht äußern.

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