Marinefliegerhorst auf Sylt : Neues Erholungsgebiet im Zentrum der Insel

Die markante Halle erinnert an die ursprüngliche Nutzung des Gebietes, das nun durch Weiden und den Radweg geprägt wird.

Die markante Halle erinnert an die ursprüngliche Nutzung des Gebietes, das nun durch Weiden und den Radweg geprägt wird.

Gelände des ehemaligen Marinefliegerhorsts in Westerland ist seit Freitag wieder geöffnet und lädt Radfahrer und Spaziergänger zum Verweilen ein.

shz.de von
23. Juli 2018, 05:30 Uhr

Es waren einmal 42,7 Hektar inmitten der Insel, die bis zum Jahr 2005 von der Marineflieger-Lehrgruppe besetzt waren. Als auch das Nachkommando ein Jahr später abgezogen war, stellte man sich auf Sylt die Frage, was nun mit dem Gelände und seinen verlassenen Gebäuden geschehen soll. Als die damalige Gemeinde Sylt-Ost zwei Jahre später das Gelände erwarb, stand fest: hier soll alles dem Erdboden gleich gemacht werden, um die Fläche der Natur zurück zu geben.

Zum obersten Ziel wurde damals die Renaturierung erklärt, um einen Erholungsraum für Flora und Fauna zu schaffen, den auch Insulaner und Gäste für sich nutzen dürfen. Dafür begann man 2011 mit dem Abriss fast aller Gebäude – außer einigen Bunkern und den beiden Hallen 25 und 28, die man per Bürgerentscheid für wichtig und erhaltenswert erklärte und für den Katastrophenschutzfall stehen ließ. Seit 2014 hat das Amt für Umwelt, Landschaft und Küste die Oberaufsicht übernommen, das eine Inventur des Geländes machen ließ, die Pläne für den Abriss erstelle und die Kosten für sämtliche Maßnahmen auf 3,3 Millionen Euro schätze. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Gelände durch ein Tor der Öffentlichkeit unzugänglich gemacht, die nur noch am emsigen Hin und Her der Baufahrzeuge erahnen konnte, wie der Stand der Abrissarbeiten wohl ist. Die Jahre vergingen und auch wenn es von Außen betrachtet nach einem langem Dornröschenschlaf aussah, so herrschte doch reges Treiben auf dem Gelände.
2015 kämpfte man damit, unliebsame Hinterlassenschaften und illegale Verunreinigungen des Geländes zu beseitigen und bis auf die beiden historischen Hallen und die Bunker alles abzureißen. Gemäß dem erstellten Renaturierungsplan wurden die Abrissflächen nachgearbeitet und gesiebt, Freiflächen modelliert, Wälle errichtet und Zäune gebaut. Denn zum Renaturierungsplan gehörte auch die Umwandlung der Flächen in extensiv nutzbare Weiden für Rinderherden, die sich zwischen Brombeerhecken und Rosa Rugosa-Büschen frei auf den wilden Weiden bewegen sollen. Die bestehenden Bunker wurden für Fledermäuse nutzbar gemacht und zwischen kleinen Gewässern, Sand- und Steinhaufen entstanden Lebensräume für Amphibien und Reptilien. Mit dem neuen Landschaftsentwicklungskonzept, das 2016 beschlossen wurde, begann dann die Planung für eine sinnvolle Besucherlenkung, denn Radfahrer und Spaziergänger sollten auf festen Wegen über das Gelände geleitet werden. Dazu wurde im letzten Jahr ein Rad- und Fußweg angelegt, der nun als neue Ost-West-Querung die Inselmitte mit Munkmarsch verbindet und an dort vorhandene Radwege an der K118 anschließt. Dieser neue Weg führt die Besucher sogar über einen Viehtunnel, der es den Rindern ermöglicht, sich innerhalb ihrer Weideflächen völlig frei zu bewegen.

Ruth Weirup und Nikolas Häckel gaben das renaturierte Gelände frei.
Foto: leischmann
Ruth Weirup und Nikolas Häckel gaben das renaturierte Gelände frei.

Am Freitagnachmittag luden der Bürgermeister der Gemeinde Sylt Nikolas Häckel und Ruth Weirup vom Amt für Umwelt, Landschaft und Küste alle Beteiligten des Projektes zur Besichtigung des neuen Erholungsgebietes ein und öffneten symbolisch das grüne Tor, das nur Radfahrer und Spaziergänger passieren lässt. Nach den Dankesworten, die sich an den Landeszweckverband Sylt, sowie alle Gemeindevertreter und Behörden richteten, durften dann auch die Landschaftswarte der Kölner Polizei, die hier einige Wochen gegen das giftige Jakobs-Kreuzkraut gekämpft hatten, als erste die Drahtesel besteigen und den neuen Radweg einweihen. Nachdem auch alle anderen Gäste per Pedes oder Rad die Fläche besichtigt hatten, lud die Sylter Landschlachterei von Familie Andersen zum kalten Buffett ein. Theide Andersen ist nämlich der Pächter der wilden Weidefläche, auf der bereits im letzten Winter zottelige Galloways ihren Dienst an der Natur geleistet haben. Ein Rind pro Quadratmeter Fläche ist hier theoretisch möglich und gemeinsam sollen sie dazu beitragen, die biologische Vielfalt in diesem Gebiet anzukurbeln und das ökologische Gleichgewicht wieder herzustellen. „Dann wird auch die Ursprünglichkeit wieder zurück kommen”, ist sich Ruth Weirup sicher, die schon auf die weitere Entwicklung des Naturraums gespannt ist. „Wir haben hier außerdem mit den über 200 Jahre alte Wäldern Lornsenhain und Friesenhain die älteste Bewaldung der Insel vor uns, die wir schützen müssen”, ergänzt Nikolas Häckel, der sich wünscht, dass „die Menschen jetzt achtsam mit diesem sensiblen Gebiet umgehen”. Darüber wird auch Michael Uekermann wachen, der als Gebietsbetreuer vor allem die Hundehalter im Augen behalten wird, die ihre Vierbeiner hier nur an der Leine spazieren führen dürfen. Die vielen Zäune, die übrigens unter Strom stehen, werden ebenfalls dazu beitragen, dass sich hier nur die Rindviecher frei bewegen werden…

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