Home Staging : Neuer Trend auf Sylt: Lars Neugebauer möbelt Häuser auf

Lars Neugebauer im neu eingerichteten Schlafzimmer: Das Bett hat er bewusst etwas kleiner als üblich gewählt – so wirkt der Raum größer. Durch geschickte Beleuchtung soll der Raum gemütlicher wirken, das Frühstückstablett auf dem Bett beim Besucher schöne Assoziationen wecken.
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Lars Neugebauer im neu eingerichteten Schlafzimmer: Das Bett hat er bewusst etwas kleiner als üblich gewählt – so wirkt der Raum größer. Durch geschickte Beleuchtung soll der Raum gemütlicher wirken, das Frühstückstablett auf dem Bett beim Besucher schöne Assoziationen wecken.

Damit sich Häuser und Wohnungen besser verkaufen, werden sie von sogenannten Homestagern aufgehübscht.

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18. Dezember 2014, 05:36 Uhr

Sylt | Ein Sternen-Muster ist in Ordnung, sagt Lars Neugebauer mit Blick auf die Bezüge der Sofakissen. Sterne, weiß er, mögen die meisten Menschen. Nicht okay wären, in ungeordneter Reihenfolge: Ein Kreuz über der Wohnzimmertür, knall-lila Wände oder andere farbliche Geschmacksfragen, Pornos neben dem Fernseher oder ein Hundekorb im Flur. Alles Dinge also, zu denen Menschen eine dezidierte Meinung haben, die sie entweder wunderschön oder grottenhäßlich finden könnten.

Lars Neugebauer und seine Frau Inken setzen auf Massenkompatibles, wenn sie ihren Beruf ausüben: Sie richten Häuser so her, dass sie sich besser verkaufen. Und das funktioniert offenbar am besten, wenn die Einrichtung zwar irgendwie angenehm rüber kommt, dabei aber keine allzu großen Emotionen hervorruft.

Home Staging nennt sich diese Dienstleistung, die in den USA schon länger ein Trend ist. In Deutschland ist diese Mischung aus Marketing und Inneneinrichtung noch nicht so bekannt. Lars und Inken Neugebauer sind die ersten, die Home Staging auf Sylt anbieten.

Den Beruf hat Lars Neugebauer kennengelernt, als er als Unternehmensberater in Kanada arbeitete – und er war sofort begeistert: „Diese Mischung aus Kreativität, Handwerk und Marketing macht einfach Spaß.“ Seit diesem Sommer bietet er mit seiner Frau Home Staging auf Sylt an – schon jetzt recht erfolgreich, „auch wenn sich die Idee noch ein wenig durchsetzen muss“.

Womit aber verdienen die Neugebauers genau ihr Honorar, das ein bis drei Prozent des Verkaufspreises beträgt? Beispielsweise bei einer Tinnumer Reihenhaus-Wohnung, die leer stand, war das Ehepaar gut fünf Tage beschäftigt: Sie arrangierten nette, neutrale Möbel und eine ansprechende Beleuchtung in den Zimmern. Damit potenzielle Kunden nicht nur kahle Räume vorfinden, sondern ein Gespür dafür bekommen, was sie aus ihnen machen könnten.

Gleichzeitig wurde alles entfernt, was die Wohnung in irgendeiner Form unattraktiver machen könnte: Das Gerümpel hinter dem Gartenhaus, der leicht vergilbte Briefkasten, das Kabel, das unmotiviert aus einer Wand hing. Auf das Ergebnis ist Lars Neugebauer stolz: Nachdem die Wohnung monatelang keinen Käufer gefunden hatte, sei sie nach dem fünftägigen Einsatz der Homestager innerhalb kürzester Zeit vom Markt gewesen.

Ein Homestager bestitzt in der Regel „Möbel-Garnituren“ für acht Häuser oder Wohnungen, weiß der 42-Jährige. Er und seine Frau sind noch dabei, sich ihren Bestand aufzubauen. Neben dem Gesichtspunkt der Massenkompatibilität wird die Einrichtung auch nach dem Standard des Hauses ausgesucht: Die Möbel sollten immer eine Stufe hochwertiger wirken.

Neben dem Aufhübschen einer leeren Unterkunft kümmern sich Homestager auch um Häuser, in denen die verkaufswilligen Besitzer noch leben. Da ist anfangs Fingerspitzengefühl gefragt: Nach der Lehre der Homestager wird das Haus entpersonalisiert – persönliche Fotos, Zahnbürsten, Müslibehälter werden weggeräumt, die Wohnung wird entrümpelt, ein großer Teil der Möbel fliegt raus.

„Die Käufer sollen sich vorstellen können, wie sie die Zimmer nach ihrem eigenen Geschmack einrichten“, sagt Neugebauer. Damit sie ein gutes, heimeliges Gefühl haben, wenn sie ankommen, lässt der Homestager schon mal eine Ladung Kekse backen oder brüht kurz vor der Ankunft frischen Kaffee auf.

Wem das zu sehr nach tricksen klingt, dem widerspricht der Vater zweier Kinder. Aus seiner Sicht heben die Homestager lediglich die positiven Aspekte eines Hauses hervor. Die negativen Seiten aber würden nicht aktiv verdeckt. Dies verbiete ihnen auch der Ehrenkodex des Homestager-Verbands, in dem rund 200 deutsche Homestager Mitglied sind. Bei Neugebauers zu Hause darf übrigens auch mal was unvorteilhaft rumliegen. Aber nicht zu viel – das bringt der Beruf mit sich.

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