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Sandvorspülungen : Neuer Sand für Sylter Strand

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bis Mitte Oktober sind an der Westküste wieder die Baggerschiffe im Einsatz. Dann beginnt die nächste Sturmsaison.

von
erstellt am 03.Mai.2017 | 10:29 Uhr

Westerland | Der Westerländer Hauptstrand ist derzeit um eine Attraktion reicher: Direkt vor den Augen unzähliger Touristen hat am Sonntag die Sandvorspülung begonnen. Rund 20.000 Kubikmeter Sand wurden bereits angeschwemmt. Damit haben die Sandvorspüler noch viel vor sich: Bis zur nächsten Sturmsaison ab Mitte Oktober soll die Sylter Westküste mit insgesamt 1,7 Millionen Kubikmeter Sand verstärkt werden.

Während Das Meer nagt an den Küsten Schleswig-Holsteins. Doch nur an der Nordsee wird aufgespült. An der Ostseeküste verlieren Eigentümer ihr Land. Naturschutz prallt hier auf Küstenschutz.

Das Wasser-Sand-Gemisch, das aus den dicken Rohren an den Strand spritzt, wird acht Kilometer vor der Küste vom Baggerschiff „Idun R“ aufgenommen, einige Kilometer Richtung Insel transportiert und schließlich über eine 1,2 Kilometer lange Druckrohrleitung vor die Westerländer Ufermauer gespült. Am Strand wird der Sand dann von Baggern und Raupen verteilt. Am Westerländer Hauptstrand sind die Mitarbeiter der dänischen Firma Rohde Nielsen voraussichtlich noch bis zu diesem Wochenende im Einsatz. Dann wird die Dükerleitung nach Rantum an den Aufspülabschnitt Puan Klent verlegt, der als nächstes mit Sand versorgt wird.

Mit Baggern wird der angespülte Sand verteilt.
Mit Baggern wird der angespülte Sand verteilt. Foto: Syltpicture

Aber auch ein Stück südlich von der Westerländer Kurpromenade, am Strand von Dikjendeel, waren die Sandvorspüler am Dienstag im Einsatz. Dort wurde eine zweite Dükerleitung verlegt. Hier werde ab kommenden Sonnabend das Baggerschiff „Njord R“ den Strand eine Woche lang mit Sand versorgen, erläuterte gestern Ole Martens vom Husumer Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN).

Der Auftakt der diesjährigen Sandvorspülungen sei schon mal gelungen, sagte Projektleiter Ole Martens: „Wie in den vergangenen Jahren laufen die Spülarbeiten problemlos. Wegen der ruhigen Wetterlage ist die Leistung des eingesetzten Schiffs sehr hoch, weshalb die pro Tag eingespülte Sandmenge sehr groß ist.“

Der Sand stammt aus einem acht Kilometer westlich von Westerland gelegenen Gewinnungsfeld, der sogenannten Teilfläche 1b. Aus Teilfläche 1a, die sich südwestlich daran anschließt, wurden in den vergangenen acht Jahren 9,45 Millionen Kubikmeter Sand abgebaut – damit gilt sie als „restentsandet“. Beide Abbauflächen sind mit rund 1,1 Quadratkilometern gleich groß.

Nach jetziger Planung ziehen die Sandvorspüler in dieser Reihenfolge über die Sylter Westküste:

Ort der Sandaufspülung Menge geplant in Kubikmeter
Westerland, Ufermauer 80.000
Dikjendeel, Oase 110.000
Puan Klent, Klatigdeel 70.000
Hörnum, Steintal 110.000
Hörnum, Hauptstrand 70.000
Klappholttal 140.000
List, FKK-Strand Nord 80.000
List, Strandtal 100.000
List, Hauptstrand 80.000

Die Vorstrandaufspülung ist unabhängig von den Aufspülungen am Strand – hier werden ab 15. Juli zwei zusätzliche Baggerschiffe eingesetzt. Los geht’s am Hörnumer Vorstrand (geplant: 400.000 Kubikmeter), dann folgen der Westerländer Vorstrand (250.000 Kubikmeter) und der Kampener Vorstrand (250.000 Kubikmeter).

Sandvorrat auch für Föhr

Alles in allem sollen in diesem Jahr 1,7 Millionen Kubikmeter Sand vorgespült werden, 400.000 Kubikmeter davon sind als Vorrat für Föhr geplant. Die Vorspülungen sichern die Ortslagen von List, Westerland, Hörnum und Kampen. Dafür stellt das Land Schleswig-Holstein in den kommenden vier Jahren insgesamt rund 26 Millionen Euro bereit. Das reicht jährlich für 0,8 bis 1,2 Millionen Kubikmeter Sand. Der Auftrag hat eine Laufzeit bis zum Jahr 2020 und wurde an die dänische Firma Rohde Nielsen mit Hauptsitz in Kopenhagen vergeben, die die Sandvorspülungen vor Sylt schon seit 14 Jahren ausführt.

In diesem Auftrag sind über den Sylter Bedarf hinaus insgesamt 800.000 Kubikmeter Sand zusätzlich vorgesehen, die in den kommenden Jahren für die Deichverstärkung Dunsum/Utersum und eine Sandvorspülung vor Utersum auf Föhr entnommen werden sollen. Der Sand wird in den Vorstrand vor Hörnum eingespült und lagert sich schließlich im Pril zwischen Amrum und Sylt an, wo er dann für den Föhrer Küstenschutz genutzt werden kann.

Das millionenschwere Programm für die Sandvorspülung wird überwiegend von Bund und Land getragen – aus der „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“. Ein Teil der Summe kommt aber auch aus Brüssel: Die Europäische Union beteiligt sich mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für die Entwicklung der ländlichen Räume (ELER).

Ein Küstenschutzprogramm, über das heute nicht mehr diskutiert wird: „Sylt spielt eine herausragende Rolle für den Küstenschutz in Schleswig-Holstein“, sagte Umweltminister Robert Habeck bei seinem Sylt-Besuch zum Auftakt der diesjährigen Spülmaßnahmen. „Gemeinsam mit den Halligen und Deichen sichert Sylt auch das Festland vor Schäden durch Sturmfluten.“ Die flexiblen Sandvorspülungen hätten sich bislang als der effektivste Schutz für die Sylter Westküste erwiesen.

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