Sexuelle Übergriffe unter Kindern : Neue Vorwürfe gegen DRK-Kindergarten

'Ich bin schockiert', sagt die Tornescherin  Magdalena Bednarsk (22) vor laufender Kamera. Foto: Wagner
"Ich bin schockiert", sagt die Tornescherin Magdalena Bednarsk (22) vor laufender Kamera. Foto: Wagner

Der Kita-Skandal von Tornesch weitet sich aus: Bereits im Oktober 2009 soll eine Zweijährige Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden sein.

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09. Juni 2011, 06:53 Uhr

Tornesch | Skandal im DRK-Kindergarten in Tornesch (Kreis Pinneberg): Jetzt erhebt auch eine 42 Jahre alte Mutter aus Uetersen schwere Vorwürfe gegen die Kita-Leitung. "Meine Tochter ist bereits im Oktober 2009 Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden", sagt sie. Ein fünf Jahre alter Junge habe ihre zwei Jahre alte Tochter massiv unsittlich berührt. Der Vorfall habe sich auf dem Außengelände ereignet. Ihre Tochter habe geweint und sich den Erzieherinnen anvertraut. "Dennoch wurde ich erst drei Wochen später darüber informiert."
Die Uetersenerin habe das Mädchen sofort aus der Kita genommen, berichtet sie. Dem Kindergarten wirft sie eine Vernachlässigung der Aufsichtspflicht vor. "Die Verantwortlichen waren zudem mit der Situation völlig überfordert." Die 42-Jährige war entsetzt, als sie erfuhr, dass es im Mai erneut zu massiven Übergriffen gekommen ist.
Zu oralen Handlungen gezwungen: "Hier darf nichts vertuscht werden"
Diesmal sollen zwei fünf Jahre alte Jungen zwei Kita-Kameradinnen zur Nachahmung von Sexspielen genötigt haben (shz.de berichtete). Offenbar ist es in der Kuschelhöhle, mitten im Gruppenraum der Einrichtung, zu diesen Vorfällen gekommen. Nach eigener Aussage musste eines der Mädchen orale Handlungen an einem der Jungen vornehmen. Darüber hinaus berührte er sie im Intimbereich. Das Mädchen wurde festgehalten.
Ein zweites Mädchen wurde offenbar dazu gezwungen, bei den Sexspielen zuzusehen. Der Fünfjährigen wurde der Mund zugehalten. "Ich kann nicht ausschließen, dass sie auch selbst ein Opfer der Übergriffe wurde", sagte ihre Mutter am Dienstag. Sie forderte schonungslose Aufklärung, spricht von einem Skandal. "Hier darf nichts vertuscht werden - damit so etwas nie wieder passiert."
Eisiges Schweigen beim DRK
Die vier und fünf Jahre alten Mädchen mussten eine Art Schweigegelübde ablegen, versprechen, niemandem etwas zu verraten. In der Kindertagesstätte an der Tornescher Friedlandstraße ist es nach Aussage der Opfer immer wieder zu sexuellen Übergriffen gekommen.
Eisiges Schweigen am Dienstag beim DRK: Weder Kreisgeschäftsführer Reinhold Kinle noch Kita-Leiterin Nadine Joswig wollten sich zu dem Skandal äußern. Viele Kita-Mütter sind schockiert, eine sagt aber deutlich: "Diese Vorfälle hätten in jedem anderen Kindergarten auch passieren können." Carmen Kerger-Ladleif von der Hamburger Beratungsstelle Dunkelziffer warnt indes davor, sexuelle Gewalt in Kitas zu verharmlosen.
(brh, bw, shz.de)

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