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Thermenabriss : Neue Probleme aus dem Untergrund

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Überraschende Funde im Untergrund verzögern die Abbrucharbeiten der Keitumer Therme.

von
erstellt am 11.Mai.2017 | 05:18 Uhr

Die Abrissarbeiten der Thermenruine gehen zwar weiter voran, allerdings deutlich langsamer und mit höherem technischen Aufwand als bislang erwartet. Nachdem alle oberirdischen Gebäude wie das Haupthaus, der Verwaltungstrakt sowie die Sauna-Anlage zügig und weitgehend problemlos abgebrochen werden konnten, offenbaren sich immer neue Überraschungen im Untergrund. „Es ist ein Wahnsinn, was da unten alles zu finden ist“, sagte Michael Ehrig, Bauleiter des Hamburger Abrissunternehmens Ehlert & Söhne. In der Erde befänden sich „riesengroße Fundamente“ – offensichtlich von Gebäuden, die auf den ursprünglichen Bauplänen der Wellness-Oase gar nicht verzeichnet sind. Unter dem Saunabecken, das zunächst testweise aufgehämmert wurde, fanden die Bauarbeiter sogar Reste von Fundamenten des Meerwasserfreibads aus den 1960er Jahren. Darüberhinaus seien einige Betonfundamente der Thermenruine übermäßig stark mit Stahl bewährt.

Aufgrund dieser unerwarteten Entdeckungen könne derzeit niemand verlässliche Angaben zur Dauer der Abrissarbeiten und zu den endgültigen Kosten machen, bestätigte der stellvertretende Bürgermeister Carsten Kerkamm auf der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses. Auch liegen bisher noch keine Genehmigungen der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland für die Verwendung des geschredderten Betons zum Auffüllen der Baugruben und zur Modellierung des Thermengeländes sowie zur anschließend geplanten Renaturierung vor. Aufkommende Befürchtungen, dass der laut ersten Untersuchungen schadstofffreie Beton vielleicht doch noch mit Hunderten Lkw-Ladungen durch das Dorf abtransportiert und aufs Festland gebracht werden muss, können die Fachleute allerdings nicht teilen. Das Ganze wäre wohl eher nur eine Formsache, meinte Bauleiter Michael Ehrig.

Das Fehlen der Genehmigungen des Kreises sei auch nicht der Grund dafür, dass sich die für vergangene Woche angekündigte Ankunft des 60 Tonnen schweren Spezialgeräts zum Zerkleinern des Betons verzögere. „Die Prallmühle lassen wir erst nach Sylt bringen, wenn ein Ende der Abrissarbeiten absehbar ist“, erklärte Bauleiter Ehrig. „Es macht nur Sinn, das Material komplett in einem Rutsch zu brechen. Solch eine Maschine darf nicht rumstehen oder sogar zeitweise von der Insel zurückgeschickt werden.“

Wie detailliert und streng die Vorschriften des Naturschutzes für die Renaturierung des Thermengeländes sind, zeigt ein Bericht des Sylter Umweltamtes, der im Hauptausschuss präsentiert wurde. Der Verbleib des Recyclingmaterials in einer Menge von rund 3800 Kubikmetern sei zwar notwendig für die technische Stabilisierung der Böschungen, werde aber durch eine naturnahe Geländemodellierung mit wechselnden Böschungsneigungen an die angrenzende Landschaft angeglichen. Die geschredderten Betonreste sollen dann mit feinkörnigen Sand, wie er ursprünglich am Kliff vorzufinden war, in 20 Zentimeter Stärke abgedeckt werden. Dieser Sand darf nur aus auf der Insel Sylt anfallenden Baustellen gewonnen werden und muss völlig frei von Fremdstoffen ohne Oberboden oder organische Durchmischung sein. Als Erosionsschutz könnte Strandhafer angepflanzt oder eine heimische Trockenrasenansaat eingesetzt werden.

Zur künftigen Nutzung des Thermenareals sowie der angrenzenden Arena hat jetzt eine Dorfmachergruppe des Projekts „Keitum im Dialog“ Vorschläge präsentiert. Das Gelände soll unbedingt der Bevölkerung als Dorfmittelpunkt gesichert werden. Entstehen soll am Kliff eine weitläufige Freizeitfläche mit Liege- und Spielwiese. Es sei auch vorstellbar, dort Sitzbänke aufzustellen und einen Bouleplatz anzulegen.

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