Parken auf Sylt : Neue Parkregelung für Menschen mit Behinderung

In der Gemeinde Sylt dürfen Menschen mit Schwerbehindertenausweis auf sämtlichen Parkflächen parken und müssen sich nicht auf Behindertenparkplätze beschränken.
In der Gemeinde Sylt dürfen Menschen mit Schwerbehindertenausweis auf sämtlichen Parkflächen parken und müssen sich nicht auf Behindertenparkplätze beschränken.

Menschen mit Behinderung erhalten in der Gemeinde Sylt künftig einen kostenlosen Sonder-Parkausweis.

Julia Lund von
20. Dezember 2017, 05:24 Uhr

Im März dieses Jahres trat das neue Parkraumbewirtschaftungskonzept der Gemeinde Sylt in Kraft, das für Autofahrer vor allem neue Parkzonen und veränderte Gebühren bedeutete (wir berichteten). Eine Neuregelung für Fahrer mit Behindertenausweis wurde im Zuge der Neustrukturierung zwar angekündigt, in 2017 aber noch nicht umgesetzt: Das gesamte Jahr durften Personen mit einem sichtbar im Fahrzeug hinterlegten Behindertenausweis sowie einer Parkscheibe unabhängig vom Grad ihrer Behinderung kostenlos parken. Und das nicht nur auf Behindertenparkplätzen, sondern auf sämtlichen Parkflächen der Gemeinde Sylt.

Das soll sich künftig ändern: Eine neue Sonderregelung soll „Menschen mit Behinderung das Parken in der Gemeinde Sylt erleichtern“, heißt es im Beschlussvorschlag des Sozialausschusses, der sich in seiner jüngsten Sitzung einstimmig für eine Neuregelung zur „Gewährung von Parkerleichterungen für Menschen mit Behinderung“ aussprach, so der etwas sperrige Titel.

Die Sonderregelung tritt in der Gemeinde Sylt ergänzend zu den bereits bestehenden europa-, bundes- und landesweiten Regelungen für Menschen mit bestimmten Mobilitätseinschränkungen in Kraft. Denn für Inhaber eines Schwerbehindertenausweises sieht das Gesetz grundsätzlich Parkerleichterungen vor. Es werden folgende einheitliche Parkausweise ausgestellt:
>in „blau“ für Menschen mit außergewöhnlicher Gehbehinderung und Blinde (auf EU-Ebene)
>in „orange“ für Menschen mit entsprechenden besonderen Graden der Behinderung zwischen 60 und 80 (auf Bundesebene)
> in „gelb“ für Menschen mit einer maximalen Gehstrecke von 100 Metern (auf Landesebene)

Bei Auslage einer dieser besonderen Ausweise können diese drei Personengruppen in parkscheinpflichtigen Bereichen auch auf der gesamten Insel gebührenfrei parken.

Die künftige Sonderregelung, die der Ausschuss am vergangenen Dienstag beschloss, betrifft zusätzlich Schwerbehinderte mit dem Merkzeichen „G“ in ihrem Schwerbehindertenausweis – also unter anderem Personen mit erheblicher Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr. Auf EU-, Bundes- und Landesebene gebe es für diese Personen bisher keine extra Regelung. „Wir satteln eine vierte Sonderregelung auf die drei bereits bestehenden“, erklärte Nikolas Häckel den Ausschuss-Mitgliedern und betonte: „Damit leisten wir einen guten Service“.

Für Inhaber von amtlichen Schwerbehindertenausweisen mit dem Merkzeichen „G“ bedeutet der Beschluss, dass ihnen künftig beim Sylter Ordnungsamt ein kostenloser Ausweis ausgestellt wird, der sie zum gebührenfreien Parken auf allen Parkplätzen im Gemeindegebiet berechtigt. Dieser grüne Ausweis soll für drei Jahre ausgestellt werden und eine Höchstparkdauer von maximal drei Stunden erlauben. Seine Inhaber können bis zu zwei Kfz-Kennzeichen eintragen lassen. „Dann haben wir für die betroffenden Menschen eine Flexibilität und schränken sie nicht zu sehr ein“, so Häckel. Weitere Informationen, wie der Name und die Daten des Inhabers, seien auf dem Ausweis nicht vermerkt. „Das Papier kann so im Auto hinter der Frontscheibe liegen, ohne zuviel über den Fahrer zu verraten“, so Häckel.

Die Sonderregelung gelte für das gesamte Gebiet der Gemeinde Sylt, nicht jedoch für die anderen Inselgemeinden, betonte der Bürgermeister. Allerdings könnten auch die Bewohner anderer Inselorte sowie Sylt-Gäste bei der Verwaltung den neuen Ausweis beantragen.

Der neue Sonderparkschein soll nicht nur für Menschen mit Behinderung eine Park-Vereinfachung bringen, die Verwaltung möchte sich damit auch vor Dokumenten-Missbrauch schützen: „Wir haben es in der Vergangenheit erlebt, dass Angehörige die Ausweise von bereits Verstorbenen ausgelegt haben oder dass es mehrere Kopien eines Behinderten-Ausweises gab“, so Nikolas Häckel. Das Ausstellen der neuen Dokumente bedeute für die Verwaltung nun zwar einen Mehraufwand, allerdings sei ein Missbrauch damit auch nicht mehr möglich. „Wir werden den Ausweis so herstellen, dass er nicht kopierfähig ist.“ Den anwesenden Kommunalpolitikern gefiel die Neuregelung, darunter Ursula Lunk-Lorek (SWG): „Wir geben den Syltern damit etwas Zusätzliches – und das finde ich richtig und gut“.

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